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    BVB-Geschäftsführer Watzke: „Nächsten Schritt gehen”

    Hans-Joachim Watzke
    Verteidigt die hohen Ausgaben für Transfers: Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Foto: David Inderlied Foto: dpa

    Borussia Dortmund geht mit viel Zuversicht in die neue Saison. In einem Interview der Deutschen Presse-Agentur erläutert Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, warum er erstmals seit Jahren die Meisterschaft als Saisonziel ausgegeben hat.

    Frage: Schon am Samstag kommt es zum ersten Duell der beiden Titelfavoriten FC Bayern und BVB. Welchen Stellenwert hat der Supercup für Sie? Ist er ein gut bezahlter Test oder ein erster Gradmesser für den weiteren Saisonverlauf?

    Hans-Joachim Watzke: Es ist der wichtigste Test der Vorbereitung, aber auch das erste Pflichtspiel. Durch den engen Zieleinlauf der beiden Teams in der vergangenen Saison hat das Spiel natürlich für viele deutsche Fußball-Fans wieder eine andere Wertigkeit. In der Vergangenheit war das Stadion in ein, zwei Wochen ausverkauft. Diesmal waren es ein paar Stunden. Die Leute fiebern darauf hin. Und bei allem, was ich aus München höre, wird es auch dort ernstgenommen.

    Frage: Sie haben viele Fußball-Fans überrascht, als Sie die Meisterschaft erstmals seit Jahren als Saisonziel ausgegeben haben. Wie kommt es zu diesem neuen Mut?

    Watzke: Wenn ich nicht mutig wäre, hätte ich die Aufgabe beim BVB in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nie übernommen. Aber es ist ja kein Mut, wenn du im 20. Stock auf dem Dach eines Hochhauses stehst und ohne Sprungtuch runter springst. Du musst eine Plattform haben. Und diese Plattform hatten wir nun, weil wir von zuletzt 34 Spieltagen an 21 Tabellenführer waren und am Ende nur zwei Punkte hinter dem FC Bayern lagen.

    Frage: Haben die Neuzukäufe zum forscheren Saisonziel beigetragen?

    Watzke: In Verbindung mit den sinnvollen Transfers, die wir gemacht haben und für die ich Michael Zorc sehr loben muss, haben wir den Anspruch für uns abgeleitet, nun den nächsten Schritt gehen zu wollen. Wir versuchen es jedenfalls, und das muss legitim sein. Übrigens entstand dieser Wunsch auch aus der Mannschaft heraus.

    Frage: Hat der BVB im vergangenen Jahr eine historische Chance verspielt?

    Watzke: Eine historische Chance hast du jedes Jahr verspielt, wenn du am Titel riechst und es nicht schaffst. Aber wenn man das in den Kontext der vergangenen zwei Jahre und des erst im Sommer 2018 eingeleiteten personellen Umbruchs setzt, können wir mit der vergangenen Saison sehr zufrieden sein. Der BVB hat schon so viele Titel gewonnen, den letzten 2017, wir werden auch in Zukunft wieder welche gewinnen.

    Frage: Sie haben - wie schon im Vorjahr - reichlich Geld in die Hand genommen, um den Kader zu verstärken. Viele deuten das als Großangriff auf die Bayern. Liegen diese Menschen falsch?

    Watzke: Das ist rein ökonomisch gesehen reiner Unfug. Wir haben ähnlich viel Geld in die Hand genommen, wie wir am Ende einnehmen werden. Ich glaube nicht, dass wir netto überhaupt eine Menge investieren müssen. Wir haben mit dem Verkauf von Christian Pulisic, Abdou Diallo und Alexander Isak schon rund 100 Millionen eingenommen. Und ich prophezeie mal, dass es nicht das Ende der Fahnenstange ist. Das heißt: Am Ende des Tages haben wir vor allem umgeschichtet. Es ist uns hoffentlich gelungen, uns zu verbessern, ohne viel Geld in die Hand zu nehmen. Aber das müssen wir erstmal auf dem Platz unter Beweis zu stellen - da bin ich inhaltlich bei Uli Hoeneß.

    Frage: Apropos Hoeneß. Eigentlich war es bisher eine Domäne der Bayern, deutsche Nationalspieler zu verpflichten. Kopieren Sie das Münchner Erfolgsmodell?

    Watzke: Jeder ambitionierte Club versucht, deutsche Nationalspieler zu verpflichten. Man muss es sich nur leisten können. Und das ist der Unterschied zu früher: Wir können das heute, ohne dass wir die Kreditabteilung einer Bank aufsuchen müssen.

    Frage: Es ist der teuerste Kader der BVB-Geschichte. Ist es auch der beste?

    Watzke: Ein höheres Gehaltsvolumen bleibt doch gar nicht aus, wenn die Gehälter in jedem Bereich steigen. Wahrscheinlich haben 12 bis 16 Bundesligaclubs den höchsten Etat ihrer Geschichte. Ob es unser bester Kader ist, kann ich Ihnen erst nach der Saison sagen. Wir waren schon Champions-League-Sieger, haben zig Meisterschaften geholt. Da ist diese Mannschaft noch nicht auf dem Niveau angelangt, auf dem wir Mitte der 90er-Jahre waren. Aber der Unterschied ist: Diesen Kader können wir uns leisten.

    Frage: Es heißt, der Kader des FC Bayern sei - Stand heute - weniger stark als in den Vorjahren. Teilen Sie diese Einschätzung?

    Watzke: Überhaupt nicht. Wenn ich mir die Aufstellung aufschreibe, mit der die Bayern in den kommenden Wochen spielen könnten, ist das eine Top-Mannschaft. Die ersten 15, 16 Spieler sind absolutes Top-Niveau. Nicht nur in Deutschland, sondern auch international.

    Frage: Den meisten Staub in diesem Transfersommer hat bisher die Rückkehr von Mats Hummels aus München zum BVB aufgeworfen. Was hat sie dazu bewogen, ihn zurückzuholen?

    Watzke: Mats hätte immer die Möglichkeit gehabt, zum BVB zurückzukehren. Er hat sich schon damals sehr schwer damit getan, uns zu verlassen und zu den Bayern zu gehen.

    Frage: Wie schwer waren die Verhandlungen? Viele Leute wundern sich, warum die Münchner bereit waren, Hummels ausgerechnet an den größten Konkurrenten abzugeben ...

    Watzke: Weil der Spieler unbedingt wollte. Ich bin Karl-Heinz Rummenigge sehr dankbar, dass er diesen festen Spielerwillen respektiert hat. Das fand ich außergewöhnlich. Die Art und Weise, wie diese Verhandlungen abgelaufen sind, war für mich ein Indiz dafür, wie respektvoll wir auf höchster Ebenen mittlerweile miteinander umgehen.

    Frage: Mit anderen Rückkehrern wie Nuri Sahin, Shinji Kagawa und Mario Götze hat der BVB in den vergangenen Jahren keine perfekten Erfahrungen gemacht. Haben Sie bei Hummels nicht auch die Sorge, dass es ähnlich kommen könnte?

    Watzke: Du darfst dir kein Dogma auferlegen. Wer sagt denn, dass jede Rückkehr zum BVB von vornherein Blödsinn ist? Jeder Fall ist anders. Nuri, Shinji und Mario hatten Probleme, sich bei ihren neuen Clubs komplett durchzusetzen. Mats war beim FC Bayern absoluter Stammspieler, hat dort in drei Jahren drei Meisterschaften gewonnen und ist zuletzt zum stärksten Innenverteidiger der Liga gewählt worden.

    Frage: Die Borussia gilt als Club, in dem Talente reifen. Nun scheint der BVB verstärkt auf Erfahrung zu setzen. Gibt es einen Strategiewechsel in der Transferpolitik?

    Watzke: Überhaupt nicht. Wir passen unsere Strategie nur an unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten an. Wir werden künftig zweigleisig fahren und auch weiter Talente verpflichten. Aber wir haben schon so viele erstklassige Talente mit viel Potenzial. Am Ende des Tages müssen wir akzeptieren, dass der BVB mittlerweile eine Größe hat, die bedingt, dass man mehr von unserem Club erwartet, als nur eine der besten Talentschmieden Europas zu sein.

    Frage: Ein Gesprächsthema waren zuletzt die Verhandlungen mit Mario Götze. Die Einigung schien eigentlich nur Formsache zu sein, lässt aber immer noch auf sich warten. Warum?

    Watzke: Wir werden nach dem Trainingslager miteinander sprechen. Dann schauen wir in Ruhe, ob beide Seiten weiter zusammenzuarbeiten möchten. Wir sind dazu bereit. Mario ist ein Spieler, der bei uns immer eine große Wertschätzung genießt. Ich bin mir sicher, dass kaum ein Club einem Spieler mehr Wertschätzung entgegengebracht hat als wir Mario Götze in seiner schwierigen Zeit. Aber am Ende des Tages müssen beide Seiten mit einem Verhandlungsergebnis zufrieden sein.

    Frage: Wäre es auch eine Option, den bis 2020 befristeten Vertrag auslaufen zu lassen?

    Watzke: Über Optionen brauchen wir hier nicht zu diskutieren. In Gespräche gehen wir in der Regel offen. Und jede mediale Aussage von mir im Vorfeld hätte automatisch eine Wirkung auf anstehende Verhandlungen.

    Frage: Im Zusammenhang mit Götze wurden Diskussion darüber laut, ob der BVB nicht noch einen echten Stoßstürmer benötigt mit hoher physischer Präsenz. Gibt es solche Überlegungen?

    Watzke: Diese Diskussion werden ich nie verstehen. Wir sind im Sturmzentrum mit Paco Alcácer blendend aufgestellt und haben obendrein zwei, drei Spieler, die sehr gut auf der Neun spielen können. Erstaunlicherweise führt diese Diskussion in München niemand, weil alle dort wissen, dass sie mit Robert Lewandowski gut aufgestellt sind. Dass wir nicht Meister geworden sind, hat am allerwenigsten damit zu tun, dass wir zu wenig Tore geschossen haben.

    Frage: Reinhard Rauball, der ja auch Präsident von Borussia Dortmund ist, gibt in Kürze nach langer Amtszeit aus Altersgründen seinen Posten als Liga-Präsident auf. Wie groß waren seine Verdienste an der Bundesliga-Erfolgsstory der vergangenen Jahre?

    Watzke: Reinhard Rauball hatte einen unfassbaren Erfolgsanteil, weil er eine extrem hohe Integrationskraft hat. Ich wage jetzt mal die Prognose, dass man erst in ein oder zwei Jahren einschätzen kann, was er wirklich für die DFL geleistet hat.

    Frage: Was wollen Sie damit andeuten?

    Watzke: Diese Prognose gebe ich sehr zielbewusst ab. Weil ich jetzt schon merke, dass sich plötzlich Fraktionen bilden, dass Verantwortliche Interviews mit dem Ziel geben, die Vereine gegeneinander aufzubringen. Da wird man Reinhard Rauball noch viele Tränen nachweinen. Er hat es jahrelang meisterhaft verstanden, dass die Interessensausgleiche innerhalb des Profifußballs hinter verschlossenen Türen stattfanden.

    ZUR PERSON: Hans-Joachim Watzke ist Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Der 60-Jährige hat dieses Amt beim Fußball-Bundesligisten seit 2005 inne.

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