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    FUSSBALL: BUNDESLIGA

    Boris Schommers plant Veränderungen

    Welcher Stuhl auf dem Podium der seine ist, das musste Boris Schommers bei seiner ersten Pressekonferenz am Freitagmittag noch erklärt werden. Ansonsten kennt er sich bestens aus am Valznerweiher. Seit dem 1. Juli 2017 hat Schommers als erster Assistent von Trainer Michael Köllner gearbeitet. Nun ist er, nach dem großen Knall vom Wochenanfang mit der Demission von Sportvorstand Andreas Bornemann und von Köllner, übergangsweise dessen Nachfolger geworden.

    „Ich bin ein sehr geradliniger Trainer“, charakterisierte Schommers sich selbst. Damit wäre er ein ganz anderer Typ als der menschelnde Köllner. Schommers wurde in Leverkusen geboren, hat kürzlich seinen 40. Geburtstag gefeiert, arbeitete elf Jahre lang im Nachwuchsbereich des 1. FC Köln und erwarb 2015 die Fußballllehrer-Lizenz. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er bisher nur bekannt, weil er an der Seitenlinie häufig lange auf seinen Chef einredete. Nicht immer änderte sich daraufhin sichtlich etwas im Nürnberger Spiel.

    Schommers fand seine Einflussnahme ganz normal: „Wir waren ein Team, ich konnte Michael meine Gedanken mitteilen. Es wird auch passieren, dass Marek mal nach vorne kommt.“ Allerdings ist Marek Mintal, die Club-Stürmerlegende, nicht gerade als großer Redner bekannt. Mintal pausiert als U-17-Trainer und assistiert nun Schommers – auch wenn es in der medialen Berichterstattung manchmal genau andersherum rüberkommt.

    Schommers freut sich auf sein Debüt als Cheftrainer, gerade weil am Montagabend (20.30 Uhr) Borussia Dortmund beim Bundesliga-Schlusslicht gastiert: „Was kann es schöneres geben, als vor ausverkauftem Haus gegen den aktuellen Tabellenführer zu spielen?“ Obwohl der BVB derzeit in der ersten Krise dieser Saison steckt, wettbewerbsübergreifend zuletzt drei Mal drei Gegentreffer kassiert und vier Mal nicht gewonnen hat, hat der Club wenig Anlass, zu träumen. Und das nicht einmal, weil es im Hinspiel eine 0:7-Schlappe gesetzt hatte. „Es war unser erstes Spiel gegen einen großen Gegner. Ich glaube, dass wir uns seitdem entwickelt haben und durch den Trainerwechsel einen Impuls setzen konnten“, sagte Schommers.

    „Es wird Veränderungen geben"

    Er hat nach aller Loyalität zu Köllner kein Problem damit, sich in der Chefrolle vom am Ende nicht mehr überzeugenden Vorgänger abzusetzen. „Ich habe meine eigenen Vorstellungen, wie ich die Mannschaft ausrichten möchte. Wir haben schon daran gearbeitet. Es wird Veränderungen geben. In der Art, wie wir spielen, und in der Aufstellung“, sagte er.

    Ganz aus dem Vollen schöpfen kann der Club allerdings nicht. Georg Margreitter, Kevin Goden (beide Muskelverletzungen) und der nach seiner Roten Karte in Hannover für drei Spiele gesperrte Simon Rhein werden ebenso fehlen wie Virgil Misidjan, den Schommers auch bei einer rechtzeitigen Rückkehr von der Geburt des zweiten Kindes in den Niederlanden nicht nominieren wird. Immerhin sollte Ewerton nach seiner Grippe bis Montag einsatzfähig sein.

    Taktisch gehe es gegen den BVB darum, defensiv gut zu arbeiten. Man müsse aber auch selbst agieren und Nadelstiche setzen. Deshalb lag der Schwerpunkt im Training darauf, zu mehr Torabschlüssen zu kommen. Mit dem Engagement der Profis war der neue Cheftrainer sehr zufrieden: „Wir glauben, dass auch etwas die Freude zurückgekehrt ist.

    Sein Vertrag läuft am Saisonende aus

    Der Vertrag von Schommers läuft, wie er verriet, am Saisonende aus. Wahrscheinlich wird er aber eine reichliche Anzahl von Spielen bekommen, um seine Qualitäten nachzuweisen. Und vielleicht von der Übergangs- zur Dauerlösung werden. Denn Thomas Grethlein, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, veranschlagt für die vermutlich schwierige Suche nach einem neuen, qualifizierten Sportvorstand bis zu zwei Monate. Dem Bornemann-Nachfolger obliegt es dann, in der Trainerfrage zu entscheiden.

    Es wäre wie Weihnachten und Ostern zusammen, sollte der FCN aus dem geringen Rückstand auf den Relegationsplatz tatsächlich noch etwas machen. Wahrscheinlich wird es nur darum gehen, den Abstieg würdig zu gestalten. Mit noch ein paar Siegen, mit nicht allzu vielen Klatschen gegen die Topteams. Und es ginge dann auch darum, personell die Weichen dafür zu stellen, in der zweiten Liga eine gute Rolle spielen zu können.

    Wegen der fehlenden Mittel für Verstärkungen hat der Club indivi-duell unbestritten den schwächsten Kader der Bundesliga. Schommers wollte sich zu diesem Thema lieber nicht länger äußern. Doch er behauptete keck, wenn die Spieler „andere Merkmale“ einbrächten, könne man trotzdem erfolgreich sein.

    Hans Strauß

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