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    Stuttgart (dpa)

    Brand, Kretzschmar und Co. einig: DHB-Team EM-Favorit

    Sieht die deutschen Handballer als den Favorit auf den EM-Sieg: Ex-Bundestrainer Heiner Brand. Foto: Uwe Anspach

    Heiner Brand und Stefan Kretzschmar sind überzeugt: Die deutschen Handballer verfügen kurz vor Beginn der EM in Kroatien über großes Potenzial.

    „Es gibt so viele gute Spieler wie wahrscheinlich seit 30, 40 Jahren nicht mehr”, sagte Ex-Bundestrainer Brand der Deutschen Presse-Agentur. „Diese Mannschaft kann Großartiges leisten”, meinte der frühere Weltklasse-Linksaußen und jetzige TV-Experte Kretzschmar. Ob der DHB-Auswahl von Bundestrainer Christian Prokop das gelingt, liegt wohl vor allem an ihr selbst.

    Tatsächlich verfügt Prokop vor seinem ersten Turnier über ein großes Reservoir an starken Spielern. Auf einen Großteil dieser Akteure hatte auch sein Vorgänger Dagur Sigurdsson schon zurückgegriffen, scheiterte aber vor einem Jahr dennoch überraschend im WM-Achtelfinale. Bei der am Freitag beginnenden Europameisterschaft soll ein früher K.o. unter allen Umständen vermieden werden. Schließlich reisen die Bad Boys als Titelverteidiger nach Kroatien.

    „Die deutsche Mannschaft zählt sicher zu den Topfavoriten. Aber sie müssen jetzt auch mit einer anderen Erwartungshaltung umgehen”, sagte der frühere Weltklasse-Torhüter Henning Fritz. „Wenn sie das schaffen, und wenn sie während des Turniers nicht den Fokus verlieren, dann ist Vieles möglich.” Genau jener Fokus war der Mannschaft während des Turniers vor einem Jahr in Frankreich verloren gegangen.

    Über konkrete Ziele sprechen die Verantwortlichen daher ziemlich ungern. Prokop will die Vorrunde mit der maximalen Punkteausbeute überstehen. Kapitän Uwe Gensheimer bezeichnet das Halbfinale als Mindestziel. Weltmeister-Trainer Brand ist vor allem gespannt, wie sich der 39-jährige Prokop bei seinem Debüt auf der großen Handball-Bühne schlägt. „Das erste Turnier ist für einen Trainer sicher etwas Besonderes. Das sind ja auch Erfahrungen, die man vorher noch nicht gemacht hat”, sagte der 65-Jährige.

    Überrascht zeigte sich Brand davon, dass Prokop zunächst freiwillig auf Abwehrchef Finn Lemke verzichtet. Neben Fabian Wiede und Rune Dahmke war Lemke einer von drei Europameistern, die der Bundestrainer aus seinem EM-Aufgebot strich. „Ich finde, das ist auch eine sehr mutige Entscheidung, die er getroffen hat”, sagte Brand. Aber er werde sich da sicher seine Gedanken gemacht haben.

    Prokop berief stattdessen Newcomer Bastian Roscheck in seinen Kader. Kretzschmar verteidigte die Entscheidung des Bundestrainers. Roscheck sei ein „herausragender Abwehrspieler”, lobte er in einem Facebook-Video. „Ihr werdet euch alle noch wundern.” Die Defensive war auch beim sensationellen EM-Sieg 2016 das Prunkstück der deutschen Mannschaft. Prokop wird sich auch daran messen lassen müssen, ob sie es ohne Lemke 2018 ebenfalls sein wird.

    Ein anderer Ex-Bundestrainer traut ihm und der Mannschaft jedenfalls Großes zu. „Die Chancen sind gut. Die Mannschaft ist gefestigt und hat ihre Lehren aus dem frühem WM-Aus 2017 gezogen”, sagte Martin Heuberger. Als größte Konkurrenten um den Titel nannte er Olympiasieger Dänemark und Weltmeister Frankreich. Der ehemalige Welthandballer Fritz hat noch ein weiteres Team auf dem Zettel: „Die Kroaten natürlich, weil sie zu Hause spielen.”

    Von Nils Bastek, dpa

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