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    Köln

    Bundesliga bei Königsklassen-Heimparty wieder nur Zaungast

    Christian Prokop
    Handball-Bundestrainer Christian Prokop sieht die deutsche Bundesliga nicht mehr so stark. Foto: Soeren Stache

    Bei der Jubiläumsparty im eigenen Wohnzimmer ist die Handball-Bundesliga wieder nur Zaungast. Wenn am Wochenende beim zehnten Finalturnier der Champions League in Köln der neue Vereinskönig von Europa gekrönt wird, schauen die deutschen Clubs zum dritten Mal in Serie zu.

    „Wir sehnen uns alle danach, dass eine deutsche Mannschaft mal wieder ins Final Four kommt”, sagte Bundestrainer Christian Prokop in einem Interview der „Frankfurter Allgemeine Zeitung”.

    Für den DHB-Coach kommt das Trauerspiel der einst stärksten Liga der Welt jedoch nicht überraschend. „Dass das in den letzten Jahren immer wieder eingetreten ist, liegt unter anderem daran, dass in der Bundesliga im Moment nicht die internationale Spitze spielt”, konstatierte Prokop.

    Anders als noch vor zehn Jahren verdienen die Stars ihr Geld mittlerweile anderswo - vornehmlich in Osteuropa. Kein Wunder, dass aus dieser Region gleich drei Halbfinalisten kommen: Vive Kielce (Polen), Gewinner 2016, Vardar Skopje (Nordmazedonien), Sieger 2017, und Telekom Veszprem (Ungarn). Komplettiert wird das Teilnehmerfeld durch Spaniens Topteam FC Barcelona.

    Der deutsche Meister SG Flensburg-Handewitt war im Viertelfinale an Veszprem gescheitert, die Rhein-Neckar Löwen sogar schon im Achtelfinale an HBC Nantes. „Das ist aus deutscher Sicht sehr bitter”, bilanzierte Prokop.

    Auf Dauer chancenlos sieht er den deutschen Club-Handball aber nicht. „Die Bundesliga hat in ihrer Breite und Attraktivität mit den vollen Hallen Top-Niveau. Wir sind auch nicht so weit weg von der Spitze”, betonte Prokop. „Deshalb habe ich die Hoffnung, dass wir in den kommenden Jahren wieder eine deutsche Mannschaft in Köln sehen werden: vielleicht den THW Kiel mit der Verpflichtung von Sander Sagosen oder Flensburg-Handewitt, wo Maik Machulla als Coach sehr gute Arbeit macht.” Der deutsche Meister holte 2014 letztmals den Pott nach Deutschland.

    Der Weg zurück an Europas Spitze wird schwierig. Das weiß auch HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. „Wir können das nicht erzwingen. Während sich unsere Vereine alle aus dem Handball heraus finanzieren, tun die ausländischen Spitzenteams dies aus anderen Quellen. Das sind in der Regel reiche Mäzene aus Katar, dem Gasgeschäft oder was weiß ich woher. Da können wir nicht gegenhalten”, sagte Bohmann der Deutschen Presse-Agentur. „In ein Wettrüsten gegen irgendwelche Oligarchen können wir nicht eintreten.”

    Wie in den vergangenen beiden Jahren, als DHB-Kapitän Uwe Gensheimer mit Paris St. Germain jeweils vergeblich dem Königsklassentitel hinterher jagte, sind die Deutschen in Köln aber nicht ganz außen vor. Ausgerechnet Ex-Nationalspieler Christian Dissinger, der nach dem EM-Triumph und Olympia-Bronze 2016 wegen einer zu hohen Belastung freiwillig eine Auszeit im DHB-Team nahm und seither nicht mehr berücksichtigt wurde, darf mit Skopje auf den Triumph hoffen.

    Der 27 Jahre alte Rückraumspieler, der seinen Vertrag beim THW Kiel im Herbst 2018 auflöste, hat seine Anfang April erlittene Ellenbogenverletzung rechtzeitig auskuriert und brennt auf einen Einsatz im Halbfinale am Samstag gegen Barcelona. „Ich bin zwar noch nicht hundertprozentig fit, aber seit drei Wochen im Training und kann spielen”, sagte Dissinger am Freitag.

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