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    FUßBALL: BUNDESLIGA

    Club-Fans brauchen Stehvermögen

    „Für Waldläufe halte ich mich für überqualifiziert.“ Club-Trainer Michael Köllner (Mitte) arbeitet mit seinen Kickern (i... Foto: Timm Schamberger, dpa

    Wer unter den rund 500 Fans des 1. FC Nürnberg nach dem ersten Training der Saison noch ein kleines Gespräch mit einem der Profis führen oder einfach ein Autogramm ergattern wollte, der brauchte bei 30 Grad ohne Schatten ganz schön Stehvermögen. Trainer Michael Köllner beließ es nämlich keineswegs bei einem kurzen Aufgalopp. Erst nach über zwei Stunden war die Übungseinheit beendet. „Wir müssen unsere Zeit effektiv nutzen. Jeder Tag ist wichtig“, sagte Köllner und grinste ein wenig.

    Dabei ist die Vorbereitung wegen des späteren Bundesliga-Starts im WM-Jahr mit sieben Wochen noch sehr lang. Doch der Trainer, nun ganz ernst, sieht den Club als Aufsteiger in der Pflicht: „Wir müssen etwas mehr tun als andere. In Sachen Variabilität und Spielsystematik sind wir gefordert, den nächsten Schritt zu machen.“ Da der Laktattest am Tag zuvor zeigte, dass die überwiegende Anzahl der Spieler während des siebenwöchigen Urlaubs ihre Hausaufgaben in Form von Läufen gemacht hat, muss keine Zeit mit purem Konditionsbolzen vertan werden. „Für Waldläufe halte ich mich für überqualifiziert“, sagte Köllner.

    „Vier Supertransfers“

    Dass er es schaffen wird, die Stammkräfte einer erfreulichen Zweitliga-Saison nochmals weiterzuentwickeln, darauf muss der Club in erster Linie setzen. Während Mitaufsteiger Fortuna Düsseldorf quasi schon eine komplette neue Startelf verpflichtet hat, haben die Nürnberger bisher einen neuen Torwart und drei Talente geholt. Für Schlussmann Christian Mathenia (26), der vom Hamburger SV kam und Fabian Bredlow mehr Konkurrenz machen soll als Thorsten Kirschbaum, gingen angeblich 500 000 Euro des schmalen Transferbudgets von vier Millionen Euro drauf. Dazu kamen Stürmer Törles Knöll (20) vom Hamburger SV, Rechtsverteidiger Kevin Goden (19) vom 1. FC Köln und zuletzt Mittelfeldspieler Timothy Tillmann (19), ausgeliehen von Bayern München. „Wir haben vier Supertransfers getätigt“, sagte der Trainer zu den Fans. Er meinte es nicht ironisch.

    „Wir werden sicher noch Spieler holen, die schon in der Bundesliga gespielt haben. Da ist der Verein dran“, sagte Kapitän Hanno Behrens. Doch es könnte zumindest dauern, bis erfahrene Verstärkungen kommen. Sportvorstand Andreas Bornemann setzt darauf, dass im Nachhall der WM ein Verdrängungswettbewerb einsetzt, der interessante Spieler dazu bringt, sich trotz dessen eingeschränkter finanzieller Möglichkeiten für den FCN zu begeistern. „Wenn wir das Gefühl haben, es bringt etwas, dann werden wir warten“, kündigte Köllner an.

    Eventuell würden ihm sogar ein oder zwei wirkliche Verstärkungen reichen, „das kann auch sein“. Besonders beobachten will Köllner in den nächsten Wochen die Leistungen seiner Nachwuchs-Nationalspieler Eduard Löwen und Lukas Mühl, die neue Verträge unterschrieben haben. Zu beobachten ist auch, ob Sebastian Kerk, der fast ein Jahr wegen eines Achillessehnenrisses ausfiel, und Patrick Erras unter Belastung stabil bleiben und mit ihnen geplant werden kann. Beide verbrachten ihren Urlaub überwiegend in der Reha. Erras trainierte am Dienstag voll mit, Kerk wird bei Zweikampfsituationen noch etwas geschont, sagt aber: „Die Sehne ist stabil.“ Von einer weiteren Ausleihe von Tobias Werner, der Kerk in der Aufstiegssaison ersetzte, sah man doch ab.

    Einen Umbruch hat es in Köllners Stab gegeben. Mit Fabian Adelmann kam ein zweiter Co-Trainer neben Boris Schommers, In Fabian Klausner ein eigener Athletik-Trainer aus Salzburg und die Leitung des Nachwuchsleistungszentrums gibt Köllner zum 1. September an den schon beim DFB tätigen Peter Laudenklos ab. Köllner ist zwar als Workaholic berüchtigt, die Bundesliga fordert aber die ganze Konzentration des 48-Jährigen.

    Das Saisonziel? Natürlich kein konkreter Tabellenplatz. „Wir wollen uns weiterentwickeln, in die Liga gut reinkommen und eine stabile Saison spielen“, sagte Köllner. Den Fans am Valznerweiher würde vermutlich der Klassenerhalt reichen.

    Testspiel bei den Kickers

    Während der Vorbereitung tritt der Club unter anderem bei den Würzburger Kickers an (21. Juli, der offene Vorverkauf startet am 9. Juli), bestreitet ein kurzes Trainingslager in Lichtenfels (13. bis 15. Juli) und ein langes im Südtiroler Natz (27. Juli bis 5. August). Das erste Pflichtspiel steht im DFB-Pokal am 18. August in Kehl gegen den Oberligisten SV Linx an. Sein Bundesliga-Comeback startet der Club am 25. oder 26. August bei Hertha BSC Berlin. Das erste Heimspiel steigt eine Woche später gegen Mainz 05. hst

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