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    Fussball: Bundesliga

    Andreas Bornemann im Interview: Neugierig auf die Bundesliga

    Da gab es auch für Andreas Bornemann kein Halten mehr: Der Sportvorstand des 1. FC Nürnberg (links) jubelte zusammen mit... Foto: Daniel Karmann, dpa

    Unaufgeregt, so führt Andreas Bornemann das Amt des Vorstands Sport beim immer von vielen Emotionen begleiteten 1. FC Nürnberg. Die Bundesliga ist für ihn persönlich kein Neuland.

    Frage: Herr Bornemann, der Club hat vier Millionen Euro für Transfers zur Verfügung. Viel ist das nicht.

    Andreas Bornemann: Wir werden im nächsten Jahr mit für Erstliga-Verhältnisse überschaubaren Möglichkeiten unterwegs sein, was Gehaltsvolumen und Transfers angeht. Vier Millionen sind für uns eine realistische Größenordnung. Da wir einige Lücken zu schließen haben, werden wir diese sicher nicht für einen Spieler ausgeben. Eine Garantie für eine erfolgreiche Saison geht bei uns nicht über das Portemonnaie. Wir müssen sie über eine gemeinsame Idee und große Geschlossenheit auf dem Platz hinbekommen.

    Sie brauchen auch ein Näschen, wenn Sie neue Spieler suchen. Vielleicht so wie bei Stürmer Mikael Ishak, den Sie für 330 000 Euro bekommen haben und der jetzt ein Vielfaches dessen wert ist.

    Bornemann: Das wird weiter unsere Aufgabe sein, junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs oder aus unteren Klassen weiterzuentwickeln. Oder bei Spielern, die noch nicht den Nachweis auf Eignung für die höchste Spielklasse erbracht haben, die nötige Fantasie zu entwickeln dafür, wohin sie kommen könnten.

    Dass sie das nächste Niveau erreichen, dass sie noch einmal einen Sprung schaffen, erwarten Sie auch von Ihren Aufstiegshelden?

    Bornemann: Hanno Behrens oder Georg Margreitter, die schon 28 und 29 Jahre alt sind, haben in dieser Saison erkennbar einen Schritt nach vorne gemacht. Dass sie das noch mal schaffen, darauf setzen wir. Bei den Spielern Anfang 20 erwarten wir allemal einen weiteren Entwicklungsschritt, der aber auch nötig sein wird, um in der Bundesliga zu bestehen.

    Schöpf, Stark, Burgstaller, Teuchert, Kammerbauer, nun Möhwald – der Club hat in den letzten Jahren viele gute Spieler abgegeben. Tim Leibold hat lange öffentlich gegrübelt, ob er auch wechseln soll, sich aber dann für einen neuen Vertrag entschieden. Wie wichtig war das als Signal vor dem Saisonendspurt?

    Bornemann: Leibold war eine große Hilfe, um gewissen Auflösungserscheinungen entgegen zu wirken. Wenn einer wie er sich zum Verein bekennt, dann symbolisiert das auch das Vertrauen, dass er mit dieser Mannschaft Erfolg haben kann.

    Eduard Löwen ist als eine der heißesten Personalien dieser Zweitliga-Saison gehandelt worden. Kommt vielleicht noch ein finanzstarker Verein und legt so viel Geld auf den Tisch, dass Sie nicht widerstehen können?

    Bornemann: Erst einmal: Löwen hat bei uns einen Vertrag weit über die Saison hinaus. Wenn junge Spieler wie er so kometenhaft auftauchen, dann weckt das natürlich Begehrlichkeiten. Die ersten Spiele in der U21-Nationalmannschaft, da werden Scoutingabteilungen auch international wach. Woanders könnte er mit Sicherheit mehr verdienen. Doch „Edu“ und sein Berater sind der Meinung, dass es in seinem Alter darum geht, sportlich die richtige Weichenstellung vorzunehmen. Er sieht bei uns die besten Möglichkeiten, in seiner Karriere weiter voranzukommen. Dazu braucht er Spiele und die bekommt er dort am besten, wo man ihn kennt.

    Dass Löwen ständig auf anderen Positionen eingesetzt wird, hat ihn nicht vergrätzt?

    Bornemann: Nein, aber das war sicherlich ein Thema in unseren Gesprächen. Seine Vielseitigkeit ist sein Vorteil, sie hat ihn dahin gebracht, wo er jetzt ist. Die Idee ist aber, es in der neuen Saison auf ein, zwei Positionen zu reduzieren. Der Trainer ist schließlich sein größter Förderer, seit „Edu“ hier ist.

    Werden Sie Ihren Kader zum Trainingsstart Anfang Juli schon komplett haben?

    Bornemann: Das wäre überraschend. Die WM wird eine Wechselmaschinerie in Bewegung setzen, die wie ein Dominoeffekt funktioniert. Am Ende werden auch wir vielleicht einen Spieler verpflichten können, der für uns jetzt noch unrealistisch ist. Der Trainer möchte natürlich relativ früh seine Gruppe zusammen haben, um Automatismen zu erarbeiten. Dass wir theoretisch eine komplette Startelf aus dieser Saison am ersten Bundesliga-Spieltag auf den Platz bringen können, entschärft die Situation aber.

    Mit Kevin Möhwald ist der Spielmacher gegangen. Ist das Ihre Hauptbaustelle, für ihn Ersatz zu finden?

    Bornemann: Vielleicht kriegen wir sie ja auch von innen heraus besetzt. Die zentrale Position könnte perspektivisch die von Löwen werden. Er sieht sich eher zentral, möchte mehr im Mittelpunkt des Geschehens sein.

    Fortuna Düsseldorf, der Mitaufsteiger, möchte sich in der Bundesliga etablieren. Der Club will das auch, weg von der ewigen Fahrstuhlmannschaft. Kann das klappen?

    Bornemann: Auch in der nächsten Saison geht es hier noch darum, die Dinge zu stabilisieren. Nach dem Bundesliga-Abstieg hatte der Verein zwei schwierige Jahre. In den beiden letzten Jahren konnten wir die Lage durch eine veränderte Gehaltsstruktur und erzielte Transfererlöse beruhigen. Jetzt bewegen wir uns in einer Spielklasse, deren Entwicklung vier Jahre an uns vorbei gegangen ist. Wir müssen zusehen, dass wir diese Lücke nach und nach schließen. Deswegen geht es weiter um eine Stabilisierung auf vielen Ebenen. Die Chance ist groß, dass Du dich dann auch sportlich etablierst.

    Dass Sie jetzt wieder in der Bundesliga sind, kann Projekte wie die Ausgliederung der Profis aus dem Verein oder den Umbau des bei mittlerer Auslastung als zu wenig stimmungsvoll empfundenen Max-Morlock-Stadions in eine Fußballarena erleichtern.

    Bornemann: Mit der Ausgliederungsthematik, die federführend bei meinem Vorstandskollegen Michael Meeske liegt, beschäftigen wir uns ja schon eine ganze Weile, haben aber die Herangehensweise verändert. Wir wollten uns zunächst in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ein grundsätzliches Okay zu einer Ausgliederung holen. Wir haben aber erkannt, dass mit einer Ausgliederung Sorgen und Ängste verbunden sind, die durch den Absturz von 1860 München in die Viertklassigkeit enorm verstärkt wurden. Um dem entgegen zu wirken, macht es mehr Sinn, wenn wir den Mitgliedern zu einer Ausgliederung gleich potenzielle Investoren benennen, die idealerweise einen Bezug zum Verein, eine regionale Verankerung haben würden. Auch das Thema, gemeinsam mit einem Partner einen Umbau des Stadions zu realisieren, ist mit Erfolg natürlich besser zu verwirklichen.

    Der VfB Stuttgart ist ein gutes Beispiel, was sich im Aufstiegsfall ändern kann.

    Bornemann: Ja. Die VfB-Führung ist jahrelang an der Ausgliederungsthematik gescheitert. In der großen euphorischen Stimmung des Aufstiegs wurde sie den Mitgliedern dann, im Paket mit dem Einstieg von Mercedes Benz, schmackhaft gemacht. Mit dem Gewinn weiterer Partner und Tabellenplatz sieben ist Stuttgart, wie ich gelesen habe, nun in der Lage, Transfers für 50 bis 60 Millionen Euro zu tätigen. Selbst Stuttgart, das letztes Jahr noch Zweitligist war, spielt also eigentlich schon wieder in einer ganz anderen Liga als wir.

    Nürnberg hat auch die Aufstiegseuphorie, aber nicht Mercedes Benz.

    Bornemann (lacht): Stimmt, und Siemens hat einen anderen Ansatz. Unser Modell könnte stattdessen sein, mehrere Investoren in einem Pool zu bündeln. Auch hier brauchst Du als Verein eine gewisse Zeit, in der Du stabil unterwegs bist, um Vertrauen zu schaffen.

    Sie sind jetzt schon zweieinhalb Jahre Sportvorstand in Nürnberg. Hat es Sie trotzdem überrascht, wie die Stimmung bei den Fans nach dem vorentscheidenden 3:1-Sieg in Kiel in Euphorie umgeschlagen ist?

    Bornemann: Nicht so sehr. Aus der Entfernung habe ich schon mitbekommen, was hier los war, als 2007 der Pokalsieg geglückt ist oder als 2009 der Wiederaufstieg gelang. Wenn Du dann hier unterwegs bist, dann merkst Du relativ schnell, welche Bedeutung und welche Relevanz dieser Fußballverein in der Region für die Menschen hat. In dieser Saison hat sich nach und nach eine positive Grundstimmung aufgebaut. Aber es war schon bemerkenswert, dass nach dem entscheidenden Sieg in Sandhausen hier spontan abends 10 000 Menschen vor der Geschäftsstelle standen.

    Sie haben Ihre Management-Laufbahn im Fußball als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) beim SC Freiburg begonnen. Heißt, Sie kennen sich aus im Jugendbereich. Vor knapp zwei Jahren haben Sie Michael Köllner beim Club als NLZ-Leiter eingestellt. Wann ist bei Ihnen die Erkenntnis gereift, dass Köllner im Notfall auch ein Mann für die Profis sein könnte?

    Bornemann: Ein Trainer, der keine Nachweise über höherklassiges Arbeiten in seiner Vita hat, stellt bei einem traditionsreichen Verein immer ein Risiko dar. Ich habe ihn mit der U21 arbeiten sehen und mir war nach ein paar Monaten klar, dass er einer ist, der aus einer Mannschaft mehr machen kann, als es die Substanz auf den ersten Blick hergibt. Und das auch relativ schnell, wenn die Zeit drängt. In der Gemengelage, die wir im Frühjahr 2017 hatten, mussten wir reagieren und haben es mit Köllner versucht.

    Michael Köllner ist ein Trainer, mit dem es nicht langweilig wird. Weder auf dem Platz, was die Spielweise seiner Mannschaft angeht, noch daneben, wenn er sich äußert. Wie ist Ihr Verhältnis?

    Bornemann: Wir haben einen wunderbaren Austausch zu allen Themen, die Fußball betreffen. Auch darüber hinaus passt es wunderbar. Es ist ein Wesenszug von ihm, dass er umtriebig ist, immer irgendetwas ändern will. Als Trainer brauchst Du diese Eigenschaft. Das Schwerste ist, die Mannschaft jeden Tag zu Höchstleistungen zu animieren. Wenn du selbst ein dröger Typ bist, dann ist das schwierig.

    Hat es Sie überrascht, dass er in der Stunde des Erfolges Rücktrittsgedanken geäußert hat?

    Bornemann: Ich hatte Gelegenheit, das ganze TV-Interview zu sehen, in dem diese Sätze fielen. Das kam einfach aus der Gesprächssituation heraus. Wir waren aufgestiegen, von allen fiel eine riesige Last ab, und als dann über die Saison geplaudert wurde, da erinnerte er sich einfach an die wüsten Beleidigungen von der Tribüne nach dem verlorenen Derby gegen Greuther Fürth. Das hat ihn beschäftigt, auch wenn er es sich nach außen nicht hatte anmerken lassen. Plötzlich war alles schlecht, was vorher gut war, und das kann ja nicht sein. In dem Wissen, dass eine schwierige Saison auf uns zukommt, hat er das zum Anlass genommen zu sagen, so etwas müsse er nicht noch einmal haben. Mehr nicht. Wir reden ja schon seit Wochen, was wir im Aufstiegsfall machen. Seine Neugier darauf, was in der Bundesliga passiert, ist viel zu groß, als dass er sich das nehmen lassen würde.

    Zur Person

    Er ist ein Kind des SC Freiburg. Mehr als acht Profi-Spiele bestritt Andreas Bornemann, der aus dem nahen Neuenburg am Rhein stammt, aber nicht für die Breisgauer. Hauptsächlich war der heute 46-Jährige im Mittelfeld der Freiburger Amateure aktiv.

    Nach seiner aktiven Zeit baute Bornemann ab 2000 das Freiburger Nachwuchsleistungszentrum auf. 2002 wurde er als Nachfolger von Andreas Rettig Sportdirektor. 2009 wechselte er in gleicher Funktion als Nachfolger von Jörg Schmadtke zu Alemannia Aachen, wurde aber nach elf Monaten beurlaubt. Bereits Anfang 2010 ging er als Sportdirektor zu Holstein Kiel. In vier Jahren legte Bornemann dort den Grundstein für den heutigen Erfolg der „Störche“.

    2014 wollte Bornemann als Sportdirektor zur Spvgg Greuther Fürth wechseln, trat jedoch noch vor dem offiziellen Arbeitsbeginn von seinem Amt zurück. Es wurden private Gründe genannt. Später hieß es jedoch, er hätte Bedenken bezüglich der Zusammenarbeit mit Spvgg-Präsident Helmut Hack gehabt.

    Ein gutes Jahr später kam er doch nach Franken. Am 24. September 2015 wurde Bornemann Sportvorstand beim 1. FC Nürnberg und damit Nachfolger von Martin Bader.

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