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    FUSSBALL: BUNDESLIGA

    Club-Ass Tim Leibold: „Schön, dass es endlich losgeht“

    Mit seinen Dribblings kurbelt er auch die Offensive immer wieder an: Tim Leibold, Linksverteidiger beim 1. FC Nürnberg. Foto: Zink, Imago

    In der Aufstiegssaison verpasste er nur zwei Spiele: Tim Leibold ist als Linksverteidiger eine unverzichtbare Größe beim 1. FC Nürnberg. Mit seinen Dribblings kurbelt der 24-jährige auch die Offensive immer wieder an. Abseits des Rasens gilt er als wichtig für das Innenleben der Mannschaft und weicht keinem Spaß aus. Vor dem Start der Bundesliga spricht Leibold über seine Erwartungen, was ihm beim Club besonders gefällt und warum er ein Profi ist, der gerne Klartext spricht.

    Frage: Der Club bestreitet am Samstag in Berlin sein erstes Bundesliga-Spiel seit vier Jahren, für Sie persönlich wird es das allererste. Wie ist die Stimmungslage – ein bisschen Ehrfurcht und viel Ehrgeiz vielleicht?

    Tim Leibold: Es überwiegt die Freude, dass es endlich losgeht nach einer gefühlt ewig langen Vorbereitung. Es war allerdings schön, dass wir uns auf die Bundesliga vorbereiten konnten und nicht auf ein weiteres Jahr Zweite Liga. Das war wichtig für die Köpfe derjenigen, die hier geblieben sind. Und das sind ja fast alle, was für unser Spiel wiederum sehr wichtig ist.

    Ist Ihnen die Vorbereitung vielleicht auch deshalb so lang vorkommen, weil sie intensiver war als vor einem Jahr?

    Leibold: Möglich. Wir haben einen neuen Athletiktrainer aus Österreich, der hatte neue Ansatzpunkte. Zudem hat unser Trainer dafür gesorgt, dass wir mehr laufen mussten. Ich denke, wir tun als Aufsteiger gut daran, wenn wir das auch auf den Platz bringen.

    Was wird sich für den Linksverteidiger Leibold ändern? Werden Ihre Vorstöße, die eine Ihrer Stärken sind, im Oberhaus noch so möglich sein?

    Leibold: Ich will mich nicht hinten verstecken. Aber ich glaube schon, dass die Ausflüge nach vorne erst mal weniger werden. Ganz einfach, weil wir bei den Gegnern auf mehr Qualität treffen werden. Da darf man sich nicht so viele Ballverluste erlauben. Man wird sehen, wie sich das in den ersten Spielen entwickelt. Können wir Fußball spielen wie in der letzten Saison? Oder werden wir doch tiefer stehen müssen? Priorität hat für mich, dass auf meiner Seite nichts anbrennt. Wenn man nicht viel nach vorne gemacht hat, aber zu Null gespielt hat, dann hat man als Verteidiger trotzdem einiges richtig gemacht.

    Mit welcher taktischen Grundformation wird der Club spielen? Mit Viererkette als Basis und der anspruchsvolleren Dreierkette als Variante?

    Leibold: So haben wir es in den letzten Wochen trainiert. Ich glaube, dass wir zu Beginn der Saison die Viererkette spielen werden. Aber je nach Gegner haben wir die Dreierkette auch in petto.

    Im Frühjahr hatte der Club eine schwache Phase, der Aufstieg geriet in Gefahr. Da war es ein gutes Signal für Mitspieler und Anhänger, dass Sie nach langer Überlegungsphase Ihre Vertragsverlängerung verkündeten. Im Umfeld eines Vereins, der in den letzten Jahren so viele gute Spieler verloren hat, weiß man das besonders zu schätzen.

    Leibold: Mich freut es wirklich, dass ich mit der Vertragsverlängerung viele Menschen glücklich machen konnte. Ob ich damit in der Mannschaft etwas ausgelöst habe, weiß ich nicht. Aber ich glaube, wir haben danach kein Spiel mehr verloren bis auf das allerletzte gegen Düsseldorf (lacht). Vielleicht war es ein Impuls, der durch die Mannschaft ging, vielleicht war einfach auch nur der Zeitpunkt gekommen, wieder in die Spur zu finden. Ich habe mich zum Bleiben entschlossen und wir sind aufgestiegen – ich habe also alles richtig gemacht.

    Kevin Möhwald hat sich anders entschieden, ist zu Werder Bremen gewechselt. Dort stößt er nun auf sehr viel Qualität im Mittelfeld und hat sich in der Vorbereitung auch noch verletzt.

    Leibold: Ein, zwei Spieler musst Du überall verdrängen, wenn Du einen Platz in der Mannschaft willst. Kevin wollte einfach mal ein neues Umfeld. Ich denke, er hat seinen Job hier eindrucksvoll erledigt, bevor er sich verabschiedet hat. Wir stehen weiter regelmäßig in Kontakt. Ich hoffe, dass er bald wieder fit ist.

    Geld sei nicht alles, haben Sie kürzlich in einem Interview gesagt. Wir gehen mal davon aus, dass Sie in Nürnberg trotzdem ein gutes Auskommen haben. Aber was sind dann die wichtigeren Faktoren, die für den Club sprachen? Viel Einsatzzeit, das richtige Spielsystem, Wertschätzung, gute Stimmung in der Mannschaft?

    Leibold: Genauso ist es. All diese Komponenten finde ich beim Club. Ich hatte bei den Amateuren des VfB Stuttgart auch zwei schöne Jahre, aber danach war ich der Meinung, dass jetzt der nächste Schritt kommen müsste. Der VfB hat mir auch einen Profivertrag angeboten, da hat mir der klare Plan gefehlt, die Wertschätzung. Die habe ich hier in Nürnberg vom ersten Tag an erhalten.

    In der D-Jugend sind Sie beim VfB Stuttgart einst weggeschickt worden, weil Sie nach Meinung der Verantwortlichen zu klein waren. Eine Katastrophe für ein Kind, oder?

    Leibold: Wenn man von einer Karriere als Profi träumt und dann aussortiert wird, dann ist das schlimm. Ich dachte, das war?s jetzt mit Profifußball, du konzentrierst dich auf Schule und Ausbildung und spielst bei einem kleineren Verein, ähnlich wie mein älterer Bruder. Dass ich später wieder zum VfB zurückgekehrt bin, war Zufall. Ich war gerade dabei, mein Fachabitur zu machen, als wir mit der SGV Freiberg ein Freundschaftsspiel gegen die VfB-Amateure gespielt haben. Ich scheine nicht so schlecht gegen den Ball getreten zu haben, Trainer Jürgen Kramny hat mich danach zum Probetraining eingeladen und am Ende hat man mich zurückgeholt.

    Haben Sie schon mal eine Rhetorikschulung mitgemacht?

    Leibold: Ich glaube ja.

    Irgendwie scheint aber davon nicht viel hängen geblieben zu sein. Die Worthülsen, die viele Fußballer in der Öffentlichkeit benutzen, verwenden Sie glücklicherweise nicht.

    Leibold: Vielleicht sind das die Gene meines Vaters. Er bringt Dinge gut auf den Punkt. Kann sein, dass es mir deswegen leichter fällt, zu sagen, was in mir vorgeht. Ich finde es wichtig, seine Meinung zu sagen, sofern es im Rahmen bleibt. Wenn in Interviews auf Fragen immer wieder die gleichen Antworten kommen, dann finde ich das als Zuschauer oder Leser ja auch langweilig.

    Ralf Rangnick hat kürzlich in einem Interview gesagt, Spieler würden sich nach Führung sehnen. Also nach Vorgaben, klaren Richtlinien durch den Trainer. Hat Rangnick da Recht?

    Leibold: Ich glaube, das ist eine Frage des Charakters. Es gibt Spieler, denen ist es relativ schnuppe, wer Trainer ist und was er erzählt. Die ziehen ihr Ding durch. Bei uns gibt es diese Typen nicht. Jeder versucht, das Wort des Trainers anzunehmen und etwas zu lernen. Mich hat er überzeugt, weil er von Grund auf positiv ist und einem immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Von ihm kann man etwas lernen.

    Wie genau?

    Leibold: Er arbeitet sehr detailliert. Das habe ich bei noch keinem anderen Trainer so erlebt. Er versucht uns jeden Tag besser zu machen. Seine Arbeitsweise passt zu einer jungen, entwicklungsfähigen Mannschaft, wie wir sie haben. Ich denke, er kann auch nicht anders. Ich finde es gut, wenn man einen hat, der vorneweg geht. Auch auf den Kapitän bezogen. Wenn, wie bei Hanno Behrens und mir, aus Teamkollegen dann Freunde werden, dann ist das mit das Schönste, was man als Fußballer erleben kann.

    „Ich will mich nicht hinten verstecken. Aber ich glaube schon, dass die Ausflüge nach vorne erst mal weniger werden.“
    Tim Leibold über die Anforderungen der Bundesliga

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