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    Aue

    Club verliert ein verrücktes Spiel

    Nürnbergs Michael Frey (rechts), der den Club nach der Pause mit 1:0 in Führung gebracht hatte und den Strafstoß zum möglichen 4:4 vergab, im Zweikampf mit Aues Pascal Testroet. Foto: Daniel Schäfer, dpa

    In Unterzahl nach einer Roten Karte für Abwehrchef Asger Sörensen (61.) ging die Serie des 1. FC Nürnberg nach sechs ungeschlagenen Spielen mit der wilden 3:4 (0:0)-Niederlage bei Erzgebirge Aue zu Ende.  Vor 14000 Zuschauern fielen kurioserweise alle sieben Tore in der zweiten Halbzeit. Insgesamt sechs Mal wurde der Videobeweis bemüht. Stürmer Michael Frey vergab per Strafstoß in der neunten Minute der Nachspielzeit den 4:4-Ausgleich. Nicht gut für die Nürnberger Ambitionen Richtung Tabellenspitze, während Aue oben dran bleibt.

    Club mit Feldvorteilen

    Club-Trainer Damir Canadi ("Ich bin jetzt fast 20 Jahre Fußball-Trainer, aber ein Spiel mit so einem Ablauf habe ich noch nie erlebt") schenkte der gleichen Startelf das Vertrauen, die sich vor der Länderspielpause mit einem 1:1 gegen St. Pauli hatte begnügen müssen. Mit einer Ausnahme natürlich: Im Tor stand erstmals in einem Zweitliga-Spiel Andreas Lukse, der Christian Mathenia (Kniescheibenbruch) in den nächsten Monaten vertreten muss. Damit begann auch Robin Hack, obwohl er vier Tage zuvor noch 90 Minuten für die deutsche U21 in Bosnien-Herzegowina absolviert hatte. Und das war gut so. Wenn der Club gefährlich wurde, dann durch Hack. Zweimal verpasste er für Führung für die Gäste, die angesichts ihrer Feldvorteile nicht unverdient gewesen wäre. Doch Aues Torwart Martin Männel fischte Hacks Schuss, der nach Pass von Johannes Geis gut eingelaufen war, mit einer Hand aus dem kurzen Toreck (31.). Und als Männel keine Abwehrchance gehabt hätte, rettete die Torlatte für ihn bei einem abgefälschten Distanzversuch von Hack (43.). 

    Ähnliche Szenen für Aue? Fehlanzeige. Auf die von den Gastgebern bevorzugten Pässe in die Tiefe hatte sich die Club-Defensive um Asger Sörensen gut eingestellt - ebenso wie die Erzgebirge-Abwehr auf die bekannte Nürnberger Stärke in der Luft nach Standardsituationen, die nicht zum Tragen kam. Auffällig: Je genauer die Zuspiele von Geis wurden, dem in der Anfangsphase nicht viel gelungen war, desto besser wurde auch der FCN. 

    Nürnberg behält den Durchblick

    Ganz in Rot tauchten die Club-Fans ihren Block durch (verbotene) Pyrotechnik. Die Partie begann verzögert wieder und musste noch einmal unterbrochen werde, bis die Rauchschwaden abgezogen waren. Doch die Nürnberger Profis hatten sofort den Durchblick. Tim Handwerker, der im ersten Abschnitt bereits eine verunglückte Flanke an die Latte gesetzt hatte (18.), setzte sich an der Seitenlinie durch. Seine Flanke verwertete Michael Frey technisch brillant zum 0:1 (51.). 

    Fast hätte der Club sogar über eine 2:0-Führung jubeln dürfen, doch Kapitän Hanno Behrens stand bei seinem Schuss knapp im Abseits (55.). Stattdessen kam es knüppeldick für die Franken. Aues Hochscheidt spielte die gesamte Abwehr aus, indem er immer wieder verzögerte, seinen Schuss wehrte Sörensen auf der Torlinie mit dem Oberarm ab. Schiedsrichter Daniel Schlager entschied sich für die nicht mehr zwingend vorgeschriebene Doppelbestrafung, zeigte dem Nürnberger Dänen Rot und Dimitri Nazarov verwandelte den Handelfmeter  zum 1:1-Ausgleich (62.).

    Trainer Canadi reagierte auf die Unterzahl, indem er Innenverteidiger Lukas Mühl für Offensivmann Nikola Dovedan einwechselte (64.). Der Club zog sich mit einem Mann weniger nicht etwa zurück, sondern hielt die nun sehr intensive Partie einigermaßen offen. Aber Aue witterte jetzt seine Chance durch die größeren Räume. Eine missglückte Kopfball-Abwehr von Georg Margreitter kam zu Hochscheidt, der nicht lange fackelte und seinen Doppelpack perfekt machte (75.). Keine drei Minuten später gelang Geis mit einem abgefälschten Schuss der 2:2-Ausgleich (78.). Doch das nächste Wort hatte Aue. Handwerker hatte Pech, als er bei seinem Klärungsversuch den Auer Tom Baumgart anschoss. Der Ball prallte quer durch den Strafraum und Marko Mihojevic  vollendete aus ungeahndeter Abseitsposition zum 3:2 für Erzgebirge (86.).

    Michael Frey vergibt Elfmeter zum möglichen Ausgleich

    Nach einem Ellbogencheck von Pascal Testroet gegen Frey gab es auf Intervention des Videoschiedsrichters Strafstoß für den Club. Geis verwandelte den Elfer sicher zu seinem ersten Doppelpack im Profifußball (90.+1). Per Kopf brachte Florian Krüger Aue wieder in Front (90.+4), wieder roch es nach Abseits, doch das war noch nicht das Ende der Dramatik. Der eingewechselte Felix Lohkemper wurde gelegt, diesmal trat aber Frey anstelle von Geis an - und scheiterte mit seinem Gewaltschuss an Torwart Männel (90.+9). Die überraschende Begründung von Geis: "Ich wollte Michael den Vortritt lassen, er hat sich gut gefühlt und sein drittes Saisontor hätte ihm gut getan."

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