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    FUSSBALL: 1. FC NÜRNBERG

    Damir Canadis Auftrag: Zurück in die Bundesliga

    1. FC Nürnberg stellt neuen Trainer Damir Canadi vor
    Freut sich auf die Arbeit bei einem Traditionsverein: Damir Canadi, der neue Trainer des 1. FC Nürnberg. Foto: Daniel Karmann/dpa

    Zum zweiten Mal seit dem legendären Exzentriker Max Merkel, der den Verein 1968 zu seiner letzten deutschen Meisterschaft führte, hat der 1. FC Nürnberg jetzt einen Trainer aus Österreich. Und liegt damit voll im Trend, denn Übungsleiter aus der Alpenrepublik und neue Gesichter sind derzeit angesagt. „In Österreich verfolgen wir den deutschen Fußball sehr intensiv. Mein Ziel war es immer, in der Bundesliga zu arbeiten. Dass Landsleute schon erfolgreich waren, vergrößerte die Chancen darauf“, sagte Damir Canadi.

    Bei seiner Vorstellung am Montag vor den Journalisten gab sich der 49-jährige Wiener eher vorsichtig und zurückhaltend, begrüßte nach der Pressekonferenz aber immerhin alle Medienvertreter, deren er habhaft werden konnte, freundlich mit Handschlag. Canadi steht vor keiner kleinen Aufgabe. Er soll innerhalb seiner Vertragslaufzeit von zwei Jahren dafür sorgen, dass der gerade als schlechteste Mannschaft der Runde abgestiegene Club wieder in die Bundesliga zurückkehrt.

    Den ganz großen Druck, den sofortigen Wiederaufstieg schaffen zu müssen, will der erst seit wenigen Wochen installierte Sportvorstand Robert Palikuca sich und dem neuen Trainer, der aus einem Kreis von drei Kandidaten plus Interimsoach Schommers gekürt worden sei, also nicht antun. „Wir haben sehr ähnliche Ideen und ein gemeinsames Ziel“, sagte Palikuca zu Canadi. Und dementierte das Gerücht, er habe einen Freund angeheuert. Man habe sich vor den Gesprächen gekannt, wie man sich in der Branche eben kenne, mehr nicht. Beide eint immerhin, dass sie kroatische Wurzeln haben.

    Canadi gilt als Trainer, der sehr auf Disziplin achtet. „Ich bin sehr kommunikativ und versuche, jedem mit Respekt gegenüber zu treten. Das erwarte ich auch von meinem Gegenüber. Wenn das gegeben ist, wird es immer gut ablaufen“, beschrieb er, was ihm wichtig ist. Für welche Art von Fußball er stehe, beschrieb er so: „Grundsätzlich ist mir eine gute Balance im Spiel sehr wichtig. Wir wollen gut verteidigen, nur wenige Gegentore bekommen. Gleichzeitig wollen wir vorne viel kreieren.“

    Letztlich gehe es im Fußball aber darum, Ergebnisse abzuliefern. Das ist Canadi, der als aktiver Spieler nicht über den Amateurbereich hinauskam („Ich war talentiert, wollte aber nicht ganz so viel investieren“) in seiner Trainer-Laufbahn mehrheitlich gelungen. Den Vorarlberger Dorfklub SCR Altach brachte er in die österreichische Bundesliga und die Europa League, den griechischen Erstligisten Atromitos Athen hievte er über zwei vierte Tabellenplätze ebenfalls in den Europapokal.

    Nur bei Rapid Wien ging es gründlich schief

    Nur bei Rapid Wien ging es zwischendurch gründlich schief. Der vom damaligen Tabellenführer Altach losgeeiste Canadi gewann nur drei von 17 Ligapartien, degradierte die unterfränkische Klub-Ikone Steffen Hofmann zum Ergänzungsspieler und wurde nach sechs Monaten voller Zwistigkeiten beurlaubt. In Nürnberg übernimmt er nun zum zweiten Mal einen Traditionsverein, aber Canadi sieht da kein grundsätzliches Problem: „Rapid war eine lohnenswerte Erfahrung für mich.“ Der Klub habe vor ihm, mit ihm und nach ihm keinen Erfolg gehabt, hatte er kürzlich auch gesagt.

    Erst einmal gilt es für Canadi, noch in Athen seinen Hausstand aufzulösen und dann nach Nürnberg umzuziehen – am liebsten in ein Haus. Seine Frau und seine elfjährige Tochter würden aber wie bisher in Österreich wohnen bleiben. Bis zum Nürnberger Trainingsauftakt am 17. Juni werde er „in täglichem Austausch“ mit Sportvorstand Palikuca stehen.

    Wie der Nürnberger Zweitliga-Kader aussehen wird, das steht nämlich noch weitgehend in den Sternen. „Wir haben eine sehr gute Vertragssituation“, bekräfte Palikuca. Will heißen, nur die Verträge von Ersatztorwart Patrick Klandt, Edgar Salli und Ivo Ilicevic laufen aus. Doch Abgänge wird es trotzdem geben, nur bestimmt der Club dann die Höhe des Schmerzensgeldes. „Mit der aktuellen Mannschaft werden wir für die 2. Liga ein sehr gutes Grundgerüst haben“, glaubt der Sportvorstand dennoch. Ein Schwerpunkt für den Trainer werde nach 21 Niederlagen in der abgelaufenen Runde aber „auf mentaler Aufbauarbeit“ liegen.

    Pereira soll in Brasilien nachdenken

    Man wisse, so Palikuca, an welchen Stellschrauben man zu drehen habe, um die Mannschaft zu verstärken. Vor allem im Angriff sieht er hohen Bedarf. Die Leihspieler Robert Bauer, Yuya Kubo, Timothy Tillman und Matheus Pereira kehren normalerweise zu ihren Vereinen zurück. Den Brasilianer hat Palikuca versucht, zum Bleiben zu überreden: „Er soll darüber nachdenken, wenn er demnächst in Brasilien bei seiner Familie Urlaub macht.“ Aber Pereiras Klub Sporting Lissabon hat dann auch noch ein Wort mitzureden.

    In der Personalie Peter Hermann als neuer technischer Direktor gab es am Montag noch keinen Vollzug. Über den ihm aus gemeinsamer Düsseldorfer Zeit gut bekannten Co-Trainer des FC Bayern werde man, sagte Palikuca, erst nach dem Pokalendspiel zwischen den Münchnern und RB Leipzig reden.

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