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    FUSSBALL: BUNDESLIGA

    Elfmeter vergeben: Ishak hat zu viel Zeit zum Nachdenken

    Vergebliche Hoffnung auf den 1:1-Ausgleich: Herthas Torwart Rune Jarstein pariert den vom Nürnberger Mikael Ishak (ganz ... Foto: Jörg Carstensen, dpa

    Mikael Ishak hätte Entschuldigungen anführen können. Dass er nur der Vertreter von Standardschütze Hanno Behrens war, der genau eine Minute vor dem Delikt angeschlagen ausgewechselt worden war. Und dass er mit der Ausführung sehr lange warten musste, weil Schiedsrichter Tobias Welz das Handspiel von Herthas Karim Rekik nach Ishaks als Vorlage gedachtem Kopfball per Videobeweis überprüfte. Da blieb viel Zeit zum Nachdenken.

    Der schwedische Stürmer ist aber keiner, der Ausreden sucht. „Der Elfmeter war sehr schlecht geschossen“, sagt Ishak gerade heraus. Nicht sonderlich platziert nämlich. Berlins Torwart Rune Jarstein parierte den Ball so in der 85. Spielminute und verhinderte den Nürnberger Ausgleich.

    Die 7000 Club-Fans – eine stolze Zahl, die in die Hauptstadt gereist war – rollten ihre Fahnen ein. Die 0:1 (0:0)-Niederlage zum Bundesliga-Comeback nach vier Jahren drückte aufs Gemüt, weil sie vermeidbar war. Nicht nur wegen des vergebenen Elfmeters. Nach der Pause gab der Oberhaus-Rückkehrer klar den Ton an. Was allerdings fehlte, war der Zug zum Tor.

    Die Hertha stellt sich gegen einen Aufsteiger hinten rein

    Mit welchem Zynismus Spiele in der Bundesliga manchmal abgearbeitet werden, daran sollten sich die Nürnberger schnell gewöhnen. Die Hertha stellte sich gegen einen Aufsteiger zum Saisonstart allen Ernstes durchgehend hinten rein. Trotzdem kam aus dem offenbar leidensfähigen Berliner Publikum kein einziger Pfiff. „Man darf gegen Nürnberg nicht ins offene Messer laufen, wenn vier, fünf Nationalspieler fehlen“, sagte Trainer Pal Dardai, der trotzdem Kritik am Verhalten seiner Mannschaft bei Ballbesitz äußerte und letztlich nur mit dem Ergebnis zufrieden war.

    „Die hohe Passivität von Berlin hat mich überrascht“, gab Club-Trainer Michael Köllner zu. „Wir waren die Mannschaft, die mehr gepresst hat.“ Dass sich seine ebenfalls verwunderte Elf in der ersten Hälfte damit begnügte, ihr Kombinationsspiel weitgehend unbedrängt aufziehen zu können, wollte Köllner nicht kritisieren. „Mit einer jungen Mannschaft musst Du erst mal schauen, wie Du ins Spiel reinkommst.“ Zudem musste der Rückstand aus heiterem Himmel erst einmal verarbeitet werden. Er ging vor allem auf die Kappe von Tim Leibold, der sich an der Torauslinie von dem aktivsten Berliner Valentino Lazaro düpieren ließ. Leibold äußerte sich zu seiner Fehlleistung ähnlich selbstkritisch wie Ishak: „Solche Fehler darf man nicht machen, das wird in der Bundesliga bestraft.“ In der Mitte stand Herthas Torjäger Vedad Ibisevic dann völlig blank und vollstreckte zum Tor des Tages (28.).

    Auch diese Szene wurde am Bildschirm überprüft, weil Ibisevic scheinbar seinen Gegenspieler Georg Margreitter in der Entstehung noch außerhalb des Strafraums zu Fall gebracht hatte. Doch Welz ließ den Treffer gelten, weil Margreitter im Laufduell einfach gestolpert war. Das dürfte auch Köllner, der zunächst anderer Meinung war, beim Studium der TV-Bilder erkannt haben.

    Vom Ergebnis abgesehen, fiel seine Bewertung positiv aus: „Wir haben einen überzeugenden, couragierten Auftritt hingelegt. Uns braucht nicht bange sein vor den nächsten Monaten.“ Mit dem Japaner Yuya Kubo scheint zudem ein guter Fang geglückt zu sein. Der erst wenige Tage zuvor gekommene Stürmer rutschte durch die Grippe von Adam Zrelak kurzfristig in die Startformation und machte auf der linken Seite viel Betrieb. Bei der besten Chance aus dem Spiel heraus hatte die Leihgabe aus Genk (Belgien) den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aus spitzem Winkel aber an Jarstein (59.). „Ein feiner Fußballer“, sagte Mitspieler Leibold, der hofft, jetzt in Kubo einen festen Partner auf der Seite gefunden zu haben, mit dem er sich einspielen kann.

    Der rechte Flügel hingegen lahmte. Edgar Salli war nach vielversprechender Vorbereitung ein Totalausfall. Köllner konnte ihn aber erst spät (67.) durch den deutlich besseren Federico Palacios ersetzen, weil es weitere Probleme gab. Eduard Löwen, beim Trainer derzeit nicht erste Wahl, verletzte sich beim Aufwärmen zur Pause an den Adduktoren. Zudem war unklar, wie lange Behrens mit seinen Oberschenkelproblemen würde durchhalten können.

    Für das nächste Spiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Mainz gab der Kapitän bereits Entwarnung: „Das ist in den nächsten Tagen vorbei.“ Ob der trotz eines soliden Auftritts von Robert Bauer als Rechtsverteidiger vermisste Enrico Valentini zurückkehrt, ist offen. Behrens lobte die „sehr ansprechende Leistung, wir waren auf Augenhöhe“, versprach aber: „Gerade im Heimspiel wollen wir mutiger auftreten.“

    Weitere Neuzugänge würden die Aussichten verbessern

    Dass der Club bis zum Ende der Transferperiode am Freitag noch einmal tätig werden wird, wäre angeraten. Ein kreativer zentraler Mittelfeldspieler (trotz der guten Leistung von Alexander Fuchs) und ein weiterer Außenmann mit Klasse würden das Unternehmen Bundesliga aussichtsreicher gestalten.

    „Wir haben einen überzeugenden, couragierten Auftritt hingelegt. Uns braucht nicht bange sein vor den nächsten Monaten.“
    Michael Köllner, Trainer des 1. FC Nürnberg

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