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    HANDBALL: EUROPAMEISTERSCHAFT

    Kritik vor Christian Prokops Turniereinstand

    Wirkt beim Medientag vor den letzten EM-Testspielen angespannt: Bundestrainer Christian Prokop cc Foto: Sebastian Gollnow, dpa

    An diesem Freitag startet die Handball-Europameisterschaft in Kroatien mit den Gruppenspielen. Das deutsche Team, der Titelverteidiger, bestreitet seine Auftaktpartie am Samstag um 17.15 Uhr gegen Montenegro. Hier ein Überblick über das Turnier, das am Sonntag, 28. Januar, mit dem Endspiel in Zagreb endet.

    Turniermodus

    16 Mannschaften spielen in vier Vorrundengruppen mit jeweils vier Teams. Die ersten drei Mannschaften jeder Gruppe ziehen in die Hauptrunde ein. Die Punkte gegen die aus der eigenen Gruppe für die Hauptrunde ebenfalls qualifizierten Teams werden mitgenommen. In der Hauptrunde gibt es zwei Sechsergruppen. Die beiden bestplatzierten Teams der Hauptrundengruppen erreichen die Halbfinalspiele. Deren Sieger bestreiten am 28. Januar in Zagreb das Finale.

    Spielorte

    Das EM-Turnier findet in vier verschiedenen Hallen statt. In der Arena Zagreb spielt Vorrunden-Gruppe C mit Titelverteidiger Deutschland. Auch die K.o.-Runde inklusive des Finales werden in der 15 200 Menschen fassenden Multifunktionshalle in der Hauptstadt angepfiffen.

    Die weiteren Gruppen tragen ihre Spiele in der Adriastädten Split (Gruppe A, 12 500 Zuschauer, Spaladium Arena) und Porec (Gruppe C, 3710 Zuschauer, Zatika Sport) sowie in Varazdin (Gruppe D, 5200 Zuschauer, Varazdin Arena) C) an der ungarischen Grenze aus. Die Hauptrundenspiele finden in Zagreb und Varazdin statt.

    Der Gastgeber

    Nach dem Auseinanderbrechen des Vielvölkerstaats vor gut 25 Jahren war Kroatien der „Haupterbe“ der großen jugoslawischen Handballtradition. Über viele Jahre prägte das Team den Welt-Handball, was sich nicht zuletzt in zwei Olympiasiegen (1996, 2004) und einem WM-Titel (2003) niederschlug. Doch so golden wie um die Jahrtausendwende sind die Zeiten für den kroatischen Handball gegenwärtig nicht mehr. Der letzte internationale Titelgewinn liegt 14 Jahre zurück, das letzte Erreichen eines Finales bei einem großen Turnier acht Jahre. So wurde der Trainer des Olympiasiegerteams von 2004, Lino Èervar, zurückgeholt. Der 68-Jährige kann auf individuell gut ausgebildete Spieler und ein begeisterungsfähiges Publikum bauen. Allerdings ist Kroatiens Bester nicht in Topform. Spielmacher Domagoj Duvnjak hat zuletzt nach einer Knieverletzung acht Monate pausiert und ist erst im Dezember aufs Spielfeld zurückgekehrt.

    Favoriten

    „Sechs bis acht Mannschaften“ umfasst der Favoritenkreis nach den Worten von Christian Prokop. Das dürfte etwas hoch gegriffen sein, doch mit konkreten Aussagen hielt sich der Bundestrainer im Vorfeld des Turniers ja ohnehin zurück. Die besten Chancen dürften Weltmeister Frankreich und Olympiasieger Dänemark besitzen. Die Skandinavier profitieren von ihrer Technik, während der französische Handball von enormer Physis geprägt wird, was bei einem Turnier, in dem der spätere Europameister acht Spiele in 15 bzw. 16 Tagen bestreiten muss, ein nicht zu unterschätzender Faktor ist. In den letzten zehn Jahren gewannen die Franzosen so vier Weltmeister- und zwei Europameistertitel sowie zweimal Olympia-Gold. Zum erweiterten Favoritenkreis zählen auch Gastgeber Kroatien mit dem begeisterungsfähigen Publikum im Rücken, Spanien und das deutsche Team, das nach dem überraschenden Titelgewinn vor zwei Jahren in Polen als Titelverteidiger anreist.

    Zugabe

    Dem kommenden Europameister wird nicht nur die Freude über den Titelgewinn zuteil werden, sondern er erhält auch bereits jetzt einen Startplatz bei Olympia 2020 in Tokio.

    Das deutsche Team

    Durch den Gewinn des EM-Titels vor zwei Jahren sowie die Bronzemedaille bei Olympia 2016 hat das zuvor in die internationale Zweitklassigkeit abgesackte deutsche Team Prestige zurückgewonnen. Verantwortlich dafür war Dagur Sigurdsson als Coach, doch der Isländer gab sein Amt vergangenes Jahr aus privaten Gründen ab. Nachfolger ist der 39-jährige Christian Prokop. Der hatte zuletzt Kritik auf sich gezogen, weil er Finn Lemke, unter Sigurdsson unbestrittener Abwehrchef, nicht für seinen 16-Mann-Kader nominierte, sondern stattdessen mit Bastian Roschek und Maximilian Janke weitgehend unbekannte Spieler von seinem Ex-Verein SC DHfK Leipzig. „Ich habe meine Philosophie, wie Handball gespielt werden soll“, sagt Prokop und wehrt sich gegen den Vorwurf der Vetternwirtschaft. Und schließlich kann sich der neue Bundestrainer damit trösten, dass auch sein Vorgänger vor zwei Jahren mit Spielern erfolgreich war, denen zuvor das Prädikat „namenlos“ anhaftete. Chancen auf ein gutes Turnier hat Prokops Team allemal. Ob es aber wieder zum Titel reicht, steht auf einem anderen Blatt.

    Wo gibt's die Spiele zu sehen?

    ARD und ZDF übertragen alle Spiele des deutschen Teams. Die weiteren Partien werden von Sportdeutschland.tv im Livestream gezeigt.

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