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    Hockenheim

    „Sound der Vergangenheit”: Zeitreise mit Schumacher jr.

    F2004
    Der F2004 wird auf der Rennstrecke in Imola von Michael Schumacher getestet - der Junior wird in Hockenheim in dem Wagen fahren. Foto (2004): epa ansa Giorgio Benvenuti Foto: epa ansa Giorgio Benvenuti

    In Zeiten von „Schumania” musste sich Michael Schumacher in Hockenheim schon mal eine Perücke aufsetzen oder im Kofferraum eines Wagens Platz nehmen.

    inkognito konnte sich der Formel-1-Lokalheld vorbei an den stürmischen Fans beim Grand Prix von Deutschland seinen Weg bahnen. Mitte der 90er Jahre war das, als „Schumi” einen einzigartigen PS-Boom in Deutschland auslöste und den Traditionskurs in Nordbaden zum Motorsport-Mekka machte.

    Die Zeiten haben sich geändert. Der siebenmalige Weltmeister und Rekordchampion Schumacher fährt schon lange nicht mehr. Die Gänsehautstimmung ist weitgehend verschwunden. Und der Hockenheimring kämpft um seine Daseinsberechtigung im Rennkalender der Königsklasse des Motorsports. Am vielleicht letzten Formel-1-Wochenende in Hockenheim unternehmen die Veranstalter jedoch noch einmal eine Zeitreise.

    Michael Schumachers Sohn Mick soll das Rahmenprogramm mit Demorunden aufpolieren. Der Ferrari-Zögling und Formel-2-Pilot wird sich vor der Qualifikation am Samstag (13.05 Uhr) und vor dem Rennen am Sonntag (12.45 Uhr) ans Steuer des F2004 der Scuderia setzen. Es ist jener rote Renner, mit dem sein Papa 2004 seinen letzten von bisher unerreichten sieben WM-Titeln errang. Vergangenheit trifft Zukunft.

    „Der F2004 ist ein Symbol für die großartigen Zeiten der Formel 1 in Deutschland und ich kann mir vorstellen, dass sich einige der Zuschauer in diese Zeiten zurückversetzt fühlen werden”, meinte der 20-Jährige im Vorfeld des elften Grand Prix der Saison. „Ich werde mein Bestes tun, um diese guten Erinnerungen wieder zu entfachen und werde versuchen, dass jeder eine tolle Zeit hat.”

    Nostalgie ist ein nicht zu unterschätzendes Gut in der Formel 1. Mick Schumacher durfte schließlich schon als 18-Jähriger den Benetton Ford B194-5 seines Vaters auf dem Circuit de Spa-Francorchamps ausfahren. Im Sommer 2017 war das, als sich der erste Formel-1-Sieg seines Vaters zum 25. Mal jährte.

    Mick Schumacher hat es auch auf Jahrestage abgesehen. Auch der Sohn des vielleicht größten Formel-1-Piloten der Geschichte will den Sprung in die Königsklasse des Motorsports schaffen. In die Ferrari-Nachwuchsakademie wurde der Formel-3-Europameister schon aufgenommen und durfte auch schon sein Scuderia-Testdebüt in der Formel 1 geben. In seiner ersten Saison in der Formel 2 sammelt er 2019 indes noch wertvolle Erfahrungen.

    „Jeder muss diesen Weg gehen und schwere Zeiten durchleben”, sagte der Junior, der in der Gesamtwertung der Nachwuchsserie nur 14. ist. „Hoffentlich wird es bald so weit sein, dass ich in die Formel 1 aufsteigen kann. Wann, das kann man schwierig beantworten. Man muss auch ein bisschen Glück haben, dass ein Sitz frei wird. Man muss ein bisschen abwarten, die Leistung bringen und Daumen drücken.”

    Es geht wie so oft um diesen einen kostbaren Faktor: Zeit. „Ich hoffe, man gibt ihm die Zeit, um in Ruhe den letzten Schritt zu machen”, hatte sich der in dieser Saison kriselnde Ferrari-Frontmann Sebastian Vettel schon vor geraumer Zeit behutsam über den Sohn seines Idols geäußert.

    Mick Schumacher fiebert seinem Heimauftritt nun entgegen. „Es wird aufregend, die Kraft des Motors zu spüren zu bekommen”, meinte der Prema-Pilot, der 2018 auf dem Hockenheimring die Formel-3-EM perfekt gemacht hatte. Mick also im Wagen von Michael. „Das ist der Sound der Vergangenheit, das ist schon etwas Bewegendes”, sagte Hockenheimring-Geschäftsführer Georg Seiler der Deutschen Presse-Agentur vor dem mit Spannung erwarteten Auftritt des jungen Schumachers.

    Zeit zur Eingewöhnung in dem F2004 seines seit einem schweren Skiunfall von der Öffentlichkeit abgeschirmten Vaters bleibt Mick Schumacher jedoch im Grunde nicht. „Wir machen eine Sitzprobe am Samstagmorgen des Rennwochenendes”, sagte er, „ich bin mir aber sicher, dass es gut gehen wird.”

    Von Martin Moravec, dpa

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