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    FUSSBALL: BUNDESLIGA

    Ishaks Premierentor und Köllners guter Plan B

    Dankesgebet: Mikael Ishak nach seinem fulminanten Schuss zum Nürnberger Ausgleich. Foto: Timm Schamberger, dpa

    Die Zweifel, ob der 1. FC Nürnberg mit seinem Kombinationsfußball auch in der Bundesliga zurechtkommen könne, fand Michael Köllner nach dem 1:1 (0:1) gegen den FSV Mainz 05 erst einmal ausgeräumt. „Die Wucht, die uns in der zweiten Liga oft ausgezeichnet hat, haben wir in der zweiten Halbzeit auf den Platz gebracht“, sagte der Trainer. Der Sturmlauf gelang, vom Japaner Yuya Kubo abgesehen, ausschließlich mit Personal, das bereits im Unterhaus mitgewirkt hatte. Die Enttäuschung, dass es trotz einer Bilanz von 19:5 Torabschlüssen nicht zum ersten Saisonsieg gereicht hatte, hielt sich deshalb in Grenzen.

    Dennoch: Der Aufsteiger geht mit nur einem Punkt aus zwei Spielen in die Länderspielpause. Dabei hätten es auch vier Zähler sein können. Mikael Ishak hatte beim Start in Berlin einen Foulelfmeter und das mögliche 1:1 vergeben. Schlaflose Nächte folgten, doch im ersten Heimspiel holte der sensible Schwede vor den Augen seiner angereisten Eltern seine Bundesliga-Torpremiere nach. Eine feine Eckball-Variante – Enrico Valentini gab den Ball flach nach innen, Kapitän Hanno Behrens ließ passieren – schloss Ishak kurz nach Wiederbeginn mit einem brachialen Schuss zum 1:1 ab (48. Minute).

    Das Führungstor gelang Ishak bei einer Großchance (57.) danach ebenso wenig wie Kubo (63.) oder dem eingewechselten Eduard Löwen, dessen Schuss der Mainzer Brosinski von der Torlinie schlug (76.). Im Abschluss fehlte vielleicht die Lockerheit, dennoch sagte Ishak: „Die zweite Halbzeit war das Beste, was wir gespielt haben, seit ich in Nürnberg bin.“

    Umstellung überrascht die Mainzer

    Den Weg dazu bereitete Köllner mit einer mutigen Umstellung, auf die er ebenso stolz war wie auf die Umsetzung durch seine Schützlinge: „Wir haben taktisch ein paar Nuancen reingebracht, das war entscheidend.“ Er überraschte die Mainzer, was auch sein Kollege Sandro Schwarz („Am Ende ein glücklicher Punkt für uns“) anerkennend vermerkte. In der ersten Halbzeit hatte der Club die massiert in der eigenen Hälfte stehenden Gäste mit Ishak als Sturmsolisten noch kaum aushebeln können und war – ähnlich wie in Berlin „aus heiterem Himmel“ (Köllner) – sogar in Rückstand geraten. Der neue Mainzer Mittelstürmer Jean-Philipp Mateta, ein für acht Millionen Euro verpflichteter Franzose, verwertete dabei eine schwer zu verteidigende Halbfeldflanke zu einem beeindruckenden Distanzkopfball (25.).

    Mit Wiederbeginn attackierte der Club mit Plan B, von dem Köllner – wie er feixend erzählte – im Vorfeld des Spiels erst seinen eher konservativ gepolten Trainerstab hatte überzeugen müssen. Die beiden Außenspieler Federico Palacios und Kubo rückten ins Zentrum; der eine als zweite Spitze zu Ishak, der andere auf die Zehnerposition dahinter. Die Gäste schafften es nun kaum noch, sich ungestört zu befreien. Ermutigt vom Ausgleich und beflügelt von den begeistert mitgehenden Zuschauern, gingen die Nürnberger leidenschaftlich in die Zweikämpfe und beschäftigten den Gegner unentwegt.

    Valentini und Leibold machen ein großes Spiel

    Zudem lösten die beiden Außenverteidiger Valentini und Tim Leibold die anspruchsvolle Aufgabe, ausnahmsweise ihre Seiten nun alleine zu beackern, ausgesprochen überzeugend und wuchsen mit ihren permanenten Vorbereitungen zu den Besten im Club-Dress heran. Valentini, der sein Bundesliga-Debüt im reifen Alter von 29 Jahren in Berlin wegen einer Verletzung noch verpasst hatte, war mit 105 Ballkontakten sogar der meistbeschäftigte Profi auf dem Platz.

    Warum nicht gleich so? Gemach, antwortete Köllner. „Ich will nicht, dass wir im Hurra-Stil rauskommen, rationale Dinge sind gefragt. Aber es ist gut, dass wir diese taktische Variabilität haben. “ Erstes Auswärtsspiel, erstes Heimspiel – diese beiden psychologisch schwierigen Aufgaben für einen Aufsteiger habe der Club mit der gebotenen Demut angehen müssen, sagte der Trainer. Nun kehrt langsam der Alltag ein – und ein Dreier sollte bald mal folgen.

    In den zwei Wochen bis zum Spiel in Bremen (Sonntag, 16. September, 15.30 Uhr) geht es auch darum, die beiden Last-Minute-Neuzugänge kennenzulernen und einzubinden. Den Niederländer Virgil Misidjan (25), der am Donnerstag noch an der Europa-League-Qualifikation für den bulgarischen Meister Ludogorez Rasgrad beteiligt war, und den Brasilianer Matheus Pereira (22) von Sporting Lissabon hatte Sportvorstand Andreas Bornemann am Freitag kurz vor Ablauf der Transferfrist verpflichtet. Sie sind die beiden Flügelstürmer, die Köllner haben wollte, und bekamen gegen Mainz auf der Tribüne sicher gleich einen guten Eindruck von ihrem neuen Team.

    Bornemann glaubt nicht an Misidjans Gang ins Gefängnis

    Während Pereira ausgeliehen wurde, ist Misidjan, der fünf Jahre bei Ludogorez gespielt hat, der einzige fest verpflichtete Feldspieler mit Anspruch auf einen Stammplatz, den sich der Club bei einem bescheidenen Transferetat von vier Millionen Euro geleistet hat. Ausgerechnet er aber kommt mit einer schweren Hypothek nach Nürnberg. Misidjan wurde im Mai von einem niederländischen Gericht wegen Körperverletzung zu sechs Monaten Haft verurteilt. In einem Streit wegen falschen Parkens soll Misidjan einen Mann nach einer vorausgegangenen rassistischen Beleidigung mit einem Tritt schwer verletzt haben. Das Berufungsverfahren läuft.

    Der Club ging mit der Problematik offensiv um und informierte parallel zur Verpflichtung Misidjans darüber. Knast statt Fußball für den Neuzugang? Dieses Risiko besteht. Club-Sportvorstand Bornemann glaubt nach seinen Recherchen jedoch „nicht, dass er den Weg ins Gefängnis antreten muss“. Bei dem ersten Verfahren seien weder Misidjan noch das Opfer anwesend gewesen. Bornemann beschreibt den Niederländer als netten Kerl, der Familie habe und demnächst zum zweiten Mal Vater werde. Das Berufungsverfahren sei noch nicht terminiert.

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