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    Fussball: 2. Bundesliga

    Kieler Ausgleich sorgt für Entsetzen beim Club

    In der dritten Minute der Nachspielzeit platzt die Nürnberger Hoffnung auf einen befreienden Sieg. Das 2:2 nach 2:0-Führung hat sich der FCN aber selbst zuzuschreiben.
    Pure Ratlosigkeit: die Nürnberger Adam Gnezda Cerin, Hanno Behrens, Felix Dornebusch, Asger Sörensen und Lukas Jäger (von links) nach dem Schlusspfiff und dem 2:2 gegen Holstein Kiel.
    Pure Ratlosigkeit: die Nürnberger Adam Gnezda Cerin, Hanno Behrens, Felix Dornebusch, Asger Sörensen und Lukas Jäger (von links) nach dem Schlusspfiff und dem 2:2 gegen Holstein Kiel. Foto: Heiko Becker

    Wie die begossenen Pudel standen die Club-Profis auf dem Rasen herum. Gesten des Entsetzens und der Verzweiflung, wohin man blickte. In der dritten und letzten Minute der Nachspielzeit hatten die Nürnberger den Ausgleich zum 2:2 (1:0) gegen Holstein Kiel kassiert. Dabei war der Weg zum ersten Zweitliga-Sieg im neunten Anlauf durch eine 2:0-Führung eigentlich bereitet. Doch  auch der Vorrunden-Abschluss missriet dem FCN, wie schon so vieles vorher in dieser Saison. Die Mannschaft bleibt Drittletzter und steht im letzten Spiel des Jahres gegen Schlusslicht  Dynamo Dresden am nächsten Freitag nun noch mehr unter Druck.

    Die Ultras zumindest hat der Club in dieser schweren Situation wieder hinter sich. Trotz des entgangenen Dreiers applaudierten sie den Spielern, als sie sich nach dem Abpfiff der Nordkurve näherten. "Ich bin wirklich froh, dass die Fans unseren Kampf anerkennen und nicht unreflektiert draufhauen", sagte Torwart Felix Dornebusch. Mit einem gehaltenen Foulelfmeter (42.) hatte er dem Club die Pausenführung gerettet. Der von Hanno Behrens zu Fall gebrachte Kieler Salih Özcan hatte selbst, aber unplatziert geschossen, Dornebusch wehrte den Ball mit den Beinen ab. 

    Das also lief gut für den Club, und auch die Torfolge war eigentlich optimal. Asger Sörensen  sorgte mit einem wuchtigen Freistoß aus 25 Metern für die trotz einiger anderer Chancen überraschende Führung (38.). Dabei hatte sich der Club zuvor heftig beschwert, dass Schiedsrichter Timo Gerach einen Vorteil abgepfiffen hatte. Dass der dänische Innenverteidiger dann  zum Freistoß antrat und nicht Spezialist Johannes Geis, erwies sich ebenfalls nicht zum Schaden. Mit dem 2:0 von Robin Hack  mitten in die Kieler Ausgleichsbemühungen hinein (67.) schien der Club dann endgültig auf dem Weg zum dringend benötigten Befreiungsschlag. Der U-21-Nationalspieler setzte sich nach Hereingabe von Fabian Schleusener im Zentrum geschickt ab und vollstreckte halbhoch. 

    "Ich bin wirklich froh, dass die Fans unseren Kampf anerkennen und nicht unreflektiert draufhauen."
    Nürnbergs Torwart Felix Dornebusch nach dem entgangenen Sieg gegen Kiel

    Beim 1:3 in Stuttgart hatte Hack wegen einer Magen-Darm-Grippe noch gefehlt, gegen Kiel war er der beste Nürnberger und stellte den Gegner mit seinen Tempodribblings immer wieder vor Probleme. Darüber hinaus hatte der Club spielerisch jedoch wenig zu bieten. Kiel war im Aufbau mit dem starken Südkoreaner Jae Sung Lee klar überlegen und hatte auch deutlich mehr Ballbesitz (63 Prozent). Dass ein Bundesliga-Absteiger im eigenen Stadion mittlerweile wie ein Underdog auftritt, wollte Trainer Jens Keller nach dem vierten Spiel unter seiner Regie (zwei Remis, zwei Niederlagen) nicht kritisieren: "Die Mannschaft hat momentan nicht die Brust, um spielerisch zu glänzen." Sie habe überzeugend gefightet - was aber auch das Mindeste sei, was man erwarten könne. 

    Spätestens mit dem Anschlusstreffer durch Torjäger Janni Luca Serra, der Dornebusch aussteigen ließ und sicher vollendete (77.), war Kiel wieder im Geschäft. Nicht nur die Club-Fans unter den 25 275 Zuschauern (Saison-Minusrekord) begannen zu zittern, auch die Mannschaft wollte den Vorsprung nur noch über die Zeit retten. Immerhin gab es schlechte Erinnerungen: Schon gegen Heidenheim hatte der Club eine 2:0-Führung vergeben und gegen Regensburg in der vierten Minute der Nachspielzeit den 1:1-Ausgleich kassiert. "Die Mannschaft hat den Mut verloren und wollte nur noch das Tor verteidigen", gestand Keller, der seine Startformation auf drei Positionen verändert hatte (Sorg, Dovedan und Hack für Handwerker, Jäger und Lohkemper). 

    Weil den Nürnbergern trotz frischer Kräfte (Jäger, Zrelak und Gnezda Cerin kamen für Geis, Schleusener und Dovedan) so gut wie keine Entlastung mehr glückte, hatten sie sich das dicke Ende selbst zuzuschreiben. Außenverteidiger Oliver Sorg, der schon mit Freiburg und Hannover abgestiegen ist, konnte eine Flanke nicht verhindern, die Kopfballvorlage von Özcan nutzte Kiels Innenverteidiger Sven Thesker ebenfalls per Kopf zum 2:2-Endstand (93.).  "Im Fußball gehört auch immer ein Quäntchen Glück dazu", sagte Keller - das fehlt zweifellos. Unverdient war der Ausgleich der "Störche" aber keineswegs. "Es wäre mehr für uns drin gewesen als der eine Punkt, auch wenn wir aufgrund des Spielverlaufs natürlich damit zufrieden sein müssen", sagte Holstein-Trainer Ole Werner, dessen Mannschaft Rang zehn behauptete. 

    Der Club ist weiter dabei, historische Tiefpunkte auszuloten. Zehn Punkte und neun Tabellenplätze steht er beispielsweise nach der ersten Halbserie hinter dem Lokalrivalen Spvgg Greuther Fürth. "Es sind in dieser Saison viele Nackenschläge, aber es hilft nichts: Weitermachen", sagte Kapitän Behrens. "Gegen Dresden müssen wir noch mal alles raushauen." Und auch gewinnen, sonst findet Weihnachten wohl auf einem direkten Abstiegsplatz statt.

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