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    Kommentar zum Club: Warum der Wiederaufstieg das Ziel sein muss

    Es ist vorbei, der Abstieg des 1. FC Nürnberg steht fest. Endlich, wird mancher sagen. Auch wenn der wochenlange Widerstand der Mannschaft, sich in das Unvermeidbare zu fügen, Respekt abnötigt. Mit so wenigen Punkten bis zum vorletzten Spieltag noch eine rechnerische Chance auf den Klassenerhalt zu besitzen, das war eine Ausnahmesituation, die die Bundesliga nie zuvor zugelassen hat. Umso schmerzlicher ist es aus Nürnberger Sicht, sie nicht genutzt zu haben.

    Die Frage wird unbeantwortet bleiben, ob es mit einem früheren Wechsel in der Trainerposition zum Klassenerhalt hätte reichen können. Die Trennung vom letztlich zu träumerischen Michael Köllner erfolgte auch deshalb so spät, weil sich Sportvorstand Andreas Bornemann dagegen sperrte. Wie viele glaubte er, aus dem Kader sei einfach nicht mehr herauszuholen. Ein Irrtum. Erst musste Bornemann gehen, um Köllner beurlauben zu können. Unter dem zum Chef beförderten Assistenten Boris Schommers agierte der Club mit einer defensiveren Grundordnung und einer Stammelf viel pragmatischer und zuverlässiger. Hätte der Wechsel ein paar Monate früher stattgefunden, sinnierte Abwehrspieler Georg Margreitter nach dem 0:4 gegen Mönchengladbach, „dann hätten wir wohl ein paar Punkte mehr geholt. Und es hätte nicht viele gebraucht.“

    Nur über mehrere Jahre im Oberhaus kann der FCN die erheblichen wirtschaftlichen Nachteile aufholen, die ihm die Zweite Liga schon eingebrockt hat. Deshalb muss der sofortige Wiederaufstieg das Ziel sein. Die Fans haben es schon ausgegeben und Sportvorstand Robert Palikuca wird es wenig nutzen, wenn er es nicht offiziell machen möchte.

    Es bleibt abzuwarten, wie stark sich der Kader verändert. Palikuca sieht zu Recht ein gutes Gerüst, was bei einem Absteiger keineswegs selbstverständlich ist. Der Club steht nicht vor einem Scherbenhaufen. Am wenigsten wird wohl U21-Nationalspieler Eduard Löwen zu halten sein, auch Torwart Christian Mathenia hat das Format für einen Bundesligisten. Beide stehen noch unter Vertrag, ordentliche Ablösesummen wären gewiss, die wieder investiert werden könnten. Dass Palikuca den Brasilianer Mateus Pereira und dessen Klub Sporting Lissabon überreden kann, einer weiteren Ausleihe zuzustimmen, ist kaum vorstellbar.

    Für eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Position im Verein hält Palikuca die des Trainers. Er und die Gremien sollten sich also für den richtigen Mann entscheiden. Dem favorisierten Österreicher Damir Canadi eilt aus einem kurzen Gastspiel bei Rapid Wien der Ruf voraus, ein schwieriger Zeitgenosse zu sein. Für den sachlichen Boris Schommers wird die Zeit in Nürnberg wohl enden. Zurück ins zweite Glied will er nicht mehr treten, alleine der Makel des Abstiegs verhindert wohl schon seine Weiterbeschäftigung als Cheftrainer. Traditionsvereine sind da sehr speziell.

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