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    Berlin

    „Allzweckwaffe” Herr Harting hat noch viel vor

    Für die Zeit nach dem Leistungssport hat Robert Harting bereits Pläne. Foto: Jens Büttner Foto: dpa

    Vor seinem neuen Leben ganz ohne Leistungssport ist Robert Harting nicht bange. Beim Berliner ISTAF steht für den 33-Jährigen der letzte Wurf seiner schillernden Leichtathletik-Karriere auf dem Programm, und dann wird der Diskuswurf-Olympiasieger wohl schon wieder Pläne schmieden.

    Von (s)einer Zukunft ohne Training und Wettkämpfe, er hat noch sehr viel vor: Familie, Kinder, die Eltern, das Studium, ein Job. „Ich mache im nächsten Jahr erst mal die Uni fertig. Dann habe ich einen Master-of-Arts-Abschluss in Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation. Dadurch steht mir allerhand offen - man ist eine gute Allzweckwaffe und auch ein bisschen ein Generalist”, erzählt Harting in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

    Der 2,01-Meter-Mann mit dem Vollbart hat, so scheint's, hunderte Interessen und noch mehr Ideen. „In den nächsten zehn Jahren habe ich nicht vor, mich nur auf eine Sache zu fokussieren oder an einem Projekt zu arbeiten. Ich weiß genau, wo ich noch in meine Fähigkeiten investieren muss”, sagt Harting. „Für Sachen, die ich machen möchte, kommt ein klassischer Bürojob nicht in Frage.” Trainer will er auch nicht werden. Und ein Comeback ist erst recht kein Thema.

    Frische Luft und unter Menschen sein, reisen, beobachten, überlegen, zweifeln, streiten - das ist schon eher etwas für ihn. „Mein Ziel ist es”, betont Harting, „Sachen zu machen, die etwas verändern und nicht austauschbar sind. Ich brauch' halt Antriebe!”

    Als einziger Leichtathlet überhaupt wurde der gebürtige Cottbuser gleich dreimal in Serie zu Deutschlands „Sportler des Jahres” gekürt: 2012, 2013 und 2014. Dreimal war er Weltmeister (2009, 2011, 2013), zweimal Europameister (2012, 2014). Und dann der glänzende Höhepunkt seiner Karriere: 2012 der Olympiasieg in London, mit 27.

    Nach seinen drei Sternstunden wurde er mal gefragt, nach seinen Momenten für die Ewigkeit. Olympia-Gold natürlich, dann der WM-Titel 2009. Das war auch in Berlin, nach dem Triumph zerriss sich der Local Hero martialisch das Deutschland-Trikot. Eine Jahrhundert-Szene. Doch das macht er schon lange nicht mehr. Die Oma fand es gar nicht gut.

    Und dann die Nummer mit US-Sprinter Justin Gatlin, im Herbst 2014. Weil er mit dem früheren Dopingsünder auf einer Liste stand, kandidierte Harting nicht für die Wahl zum „Welt-Leichtathleten”. Stolz ist er bis heute auf die Wirkungskraft seiner Entscheidung: Ex-Doper wurden fortan vom Weltverband IAAF nicht mehr nominiert.

    Harting hat ausgesorgt, er hat durch seinen Sport, durch die Sponsoren sehr gut verdient. „Es ist nicht so, dass ich Geldnöte hätte. Das habe ich ganz gut angestellt. Aber das beruhigt nicht, nein, eigentlich ist das sogar gefährlich. Weil man auf den Gedanken kommen könnte: Man hat ja jetzt nicht so den Druck. Das ist wiederum ein bisschen einschläfernd.”

    Im Herbst macht er endlich Urlaub mit seiner Frau Julia. Und dann muss die „Allzweckwaffe” zum Arbeitsamt, das er noch nie von innen gesehen hat. Denn die Bundeswehr, seit Jahren einer seiner wichtigsten Sponsoren, entlässt den Sportsoldaten zum 30. September wie erwartet. Irgendwie passt das: Denn einen Marschbefehl wird Herr Harting auch in seinem zweiten Leben nie brauchen.

    Von Ralf Jarkowski, dpa

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