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    Dortmund

    Löw dämpft Erwartungen - Ter Stegen mit klarem Plan

    Joachim Löw
    Muss auf einige Leistungsträger verzichten: Bundestrainer Joachim Löw. Foto: Federico Gambarini/dpa

    Ein Siegversprechen wagte vor dem Fußball-Klassiker gegen Argentinien lieber kein deutscher Nationalspieler. Zu lang ist die Ausfallliste von Toni Kroos über Ilkay Gündogan bis hin zu Timo Werner am Abend (20.45 Uhr/RTL) in Dortmund, um überzogene Erwartungen bei den Fans zu wecken.

    „Erwarten kann man Einsatz, das kann man verlangen von uns”, sagte der Dortmunder Julian Brandt vor seinem Heimspiel im Signal-Iduna-Park. „Aber es wird nicht alles klappen”, prophezeite der 23 Jahre alte Offensivspieler.

    Joachim Löw etikettierte den Test um in ein Länderspiel, in dem sich jeder einzelne aufgebotene Akteur auf dem Weg zur Europameisterschaft 2020 persönlich empfehlen könne. „Man kann erwarten, dass jeder seine Chance auf diesem Level sucht”, erklärte der Bundestrainer. „Wir haben vielleicht die Möglichkeit, den einen oder anderen ein bisschen weiter zu formen”, betonte auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff.
     

    AUSGANGSLAGE: Aus den verletzt und erkrankt fehlenden DFB-Akteuren ließe sich locker eine gute Elf formieren. Löw muss improvisieren. „Die Gesamtlage ist sehr angespannt und unerfreulich”, gab er zu. Führen sollen die unerfahrene Formation, die er aufbieten wird, Torwart Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona und die Bayern-Profis Niklas Süle und Joshua Kimmich. Ihr Debüt werden von den insgesamt fünf Neulingen auf jeden Fall der Berliner Innenverteidiger Niklas Stark sowie Angreifer Luca Waldschmidt vom SC Freiburg feiern. Löw gab dem Duo eine Einsatzgarantie, ihre „Stunde” schlage nun.

    ERINNERUNGEN: An Argentinien hat Joachim Löw überwiegend gute Erinnerungen, weniger in Testspielen, dafür bei WM-Turnieren. „Das Prägendste ist natürlich das Finale 2014”, sagte der Bundestrainer. Im WM-Finale von Rio erzielte Mario Götze in der Verlängerung das 1:0-Siegtor. Löw erinnerte in Dortmund auch an das „wahnsinnig spannende Spiel mit vielen Emotionen 2006 im WM-Viertelfinale in Berlin, das das DFB-Team im Elfmeterschießen gewinnen konnte. Und das 4:0 vier Jahre später in Südafrika wieder im WM-Viertelfinale sei „vielleicht das beste Spiel für uns” gewesen. „Das war der dominanteste Sieg gegen Argentinien, 2014 war es ein Kampf auf Biegen und Brechen. Was die Turniere betrifft, habe ich sehr gute Erinnerungen an Argentinien.” Bei den Testspiel habe es aber auch Niederlage gegeben, sagte Löw.

    TORWARTDUELL: Besonders motiviert ist Marc-André ter Stegen. Drei Wochen nach seiner Weltklasseleistung beim 0:0 mit dem FC Barcelona in der Champions League gegen Borussia Dortmund kehrt er in die Arena des BVB zurück. „Ich freu mich drauf”, sagte der 27-Jährige, der in seinem 23. Länderspiel zeigen möchte, dass er mindestens so gut ist wie Manuel Neuer, der bei Löw weiterhin die klare Nummer 1 ist. „Der Bundestrainer hat seine Aussage getätigt. Ich möchte ihm die Entscheidung so schwer wie möglich machen. Manuel hat einen Vorteil, ich muss das Beste daraus machen”, sagte ter Stegen. Bayern-Schlussmann Neuer wird am Sonntag in der EM-Qualifikation in Tallinn gegen Estland wieder im Tor stehen. „Das ist eine Aufteilung, mit der beide gut leben können”, kommentierte Bierhoff.

    WELTMEISTER: Da Kapitän Neuer nur auf der Bank sitzt, wird in der Neuauflage des WM-Endspiels gegen Argentinien kein Weltmeister von 2014 auf dem Platz stehen. Das gab es in den 64 Länderspielen seit der triumphalen Nacht des 13. Juli 2014 in Rio de Janeiro nicht.

    ARGENTINIEN: Auch ohne Lionel Messi traut Nationaltrainer Lionel Scaloni dem argentinischen Team viel zu. „Wir sind zuversichtlich, sehr zuversichtlich”, sagte er nach dem Abschlusstraining seiner Mannschaft in der Dortmunder Arena. Das DFB-Team ist für ihn ein echter Gradmesser: „Ich erwartete eine deutsche Mannschaft, die historisch ist - trotz der Ausfälle. Auch wir haben viele Ausfälle. Für uns ist das ein wichtiger Test. Wir werden sehen, ob meine Spieler dem Druck standhalten können gegen einen so starken Gegner.”

    Von Klaus Bergmann und Jens Mende, dpa

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