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    Dallas

    Loriot muss schon mal hier gewesen sein

    Ein Abend in einem mexikanischen Restaurant, in dem das Bier keine Chance bekommt und Chefin Monica ihre Gäste formvollendet bewirtet.
    Monica meint es gut mit ihren Gästen. Foto: Thomas Brandstetter

    "Herr Ober, dürfen wir Ihnen vielleicht etwas bringen?" Ganz so schlimm wie bei Loriot ist es nicht gewesen. Aber es hat seine Zeit gedauert, bis Jenna einen ins Visier genommen hat. Dann lässt die Mittzwanzigerin einen nicht mehr aus ihren Fängen und kümmert sich rührend. In einer sehr höflichen, gleichwohl nicht übertrieben schleimigen Art. Und plötzlich steht Monica am Tisch.

    Monica ist die Chefin von "Monica's", einem Tex-Mex-Laden genau auf der anderen Straßenseite der Herberge in Dallas. Sie stellt sich vor, gibt einem die Hand und wünscht einen angenehmen Aufenthalt. Das Bier in ihrem Restaurant ist nicht nur optisch grauenvoll - es wird von Jenna vor den Augen des Gastes aus einer Dose in ein Glas eingefüllt. Wenigstens Glas. Kein Plastikbecher. Jenna gibt der Flüssigkeit nicht die geringste Chance, auch nur einen Millimeter Schaum zu entwickeln - was für sich genommen ja auch schon eine Kunst ist.

    Deko auf der Toilette im "Monica's". Foto: Thomas Brandstetter

    Auch wenn's Bier nix taugt - die Deko auf der Toilette im "Monica's" ist außergewöhnlich, und der "Caprihania", wie das Getränk auf der Karte heißt, und das Essen sind lecker. Die "Mexican Lasagna with Beef" (auf Kartoffelbasis) hat nicht nur vom Aussehen her in etwa so viel mit einer klassischen Lasagne zu tun wie Jennas Bier mit einem Bier - sei's drum: Wenn's schmeckt!

    Ein Feuerkorb sorgt für Atmosphäre. Foto: Thomas Brandstetter

    Der Besuch wird nach dem Mahl auch durch den Garten versüßt. Die Terrasse mit der von innen und außen zugänglichen Bar ist richtig cosy. Urgemütlich und kuschelig. Ein moderner, auf alt getrimmter, verrosteter großer Feuerkorb, in dem Holzscheite brennen, sorgt für Atmosphäre. Eine gute Handvoll Menschen genießt die durchs lange Gewitter gereinigte Luft. Darunter auch zwei sich knutschende Männer. Eigentlich keine Erwähnung wert. Aber selbst in aufgeklärten und weltoffenen Ländern außerhalb der Szeneviertel und -lokale noch immer ein eher ungewöhnliches Bild. Und dann in der Öffentlichkeit im stockkonservativen Texas, wo republikanische Politiker sogar schon mal psychologische Therapien für Schwule forderten . . .

    Monica war schon mal auf Deutschlandtour, erzählt sie später. Die Mexikanerin liebe das Land, auch weil die Menschen so nett seien und das Essen so gut. Sie neigt dazu, ihren Gesprächspartner während der Unterhaltung anzutatschen. Dann verabschiedet sie einen mit Handschlag. Das tut sie bei jedem Gast, mancher wird sogar gleich umarmt.

    "Eine vollendete Gastgeberin erkennt man daran, dass sie alle bevorzugt und niemanden benachteiligt." Loriot muss Monica gekannt haben. 

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