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    Girona

    Mit Bananenbrot & Gästen: Frodeno sammelt über 200.000 Euro

    Schwimmen       -  Jan Frodeno beim Schwimmen in der Gegenstromanlage.
    Jan Frodeno beim Schwimmen in der Gegenstromanlage. Foto: Nik Howe/dpa

    Mario Götze bekam fast ein schlechtes Gewissen. Boris Becker konnte es einfach nicht fassen. Und Felix Neureuther verspürte Lust auf ein Debüt als Triathlet.

    Jan Frodeno hat mit seinem Ironman zuhause auch andere aktuelle und ehemalige Sportstars fasziniert. Der Hauptdarsteller des Solo-Tri@home gönnte sich nach rund achteinhalb Stunden erstmal ein kühles Bier.

    Stolz auf das, was er diesmal erreicht hatte: Frodeno sammelte Geld im Kampf vor allem gegen den Coronavirus. „Keine Weltrekorde gebrochen”, meinte Frodeno: „Aber es gibt keine Worte dafür, was heute passiert ist.” 200.500 Euro kamen zusammen - sie kommen den Helfern in seiner Wahlheimat Girona zugute und der Laureus-Organisation Sport for Good.

    Um 8.00 Uhr begann das, was einst aus einer Schnapsidee entstanden war und auch durch das ehemalige Kindermädchen der Frodenos Konturen angenommen hatte: Ein Triathlon über die Ironman-Distanz von 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,2 Kilometern Laufen. Alles zuhause. Denn Frodeno darf wie alle in Spanien das Haus so gut wie nicht verlassen.

    Die Erzählungen des Kindermädchens, eine gelernte Krankenschwester, die sich freiwillig in Girona zurück zum Dienst meldete und in erster Reihe Menschen im verzweifelten Kampf gegen das Coronavirus hilft, trieben Frodeno an. Auch sie wurde per Video nach ihrer Nachtschicht bei der fast neunstündigen Liveübertragung unter anderem auf der Facebook-Seite Frodenos dazu geschaltet. So wie Frodenos Eltern. Sie wohnen nur wenige hundert Meter von ihrem Sohn, dessen Frau Emma und den zwei Kindern der beiden entfernt. Sehen können auch sie sich derzeit nur per Video.

    Für Abwechslung auch für Frodeno war gesorgt. Denn eines durfte man nicht vergessen, selbst wenn er allein dreimal die WM auf Hawaii gewann, Olympisches Gold 2008 in Peking holte und damit der einzige Triathlet ist, dem dies je gelang: „Es ist mental ein große Herausforderung, diese 226 Kilometer zu bewältigen, ohne mich mehr als fünf Meter von der Stelle zu bewegen.”

    Frodeno meisterte sie in rund 8:33,39 Stunden - gut gelaunt, scherzend, kämpfend, lachend, tanzend und singend, spätestens als er aus dem gerade mal 13 Grad kalten Pool mit Gegenstromanlage gestiegen war und sich umgezogen hatte für Radfahren auf der Rolle. Verbunden mit rund 1000 Fahrern, die per Online-Plattform die 180 Kilometer mit radelten, darunter auch der zweimalige Zeitfahr-Olympiasieger Fabian Cancellara, heftig schwitzend auf dem Balkon. „Heute jage ich Jan Frodeno”, sagte der 39 Jahre alte Ex-Profi aus der Schweiz.

    Frodeno blieb trotz der körperlichen Anstrengung stets genug Puste zum Plaudern. Ob mit Tennisspielerin Andrea Pektovic, die ihm ein wenig Tanzen beibringen will, Fußball-Weltmeister Götze, der angesichts Frodenos sportlicher Leistung fast ein schlechte Gewissen bekam. Oder mit Deutschlands ehemaligen Skistar Neureuther, der bei seiner Triathlon-Premiere Geduld anmahnte und Brustschwimmen fürs erste Teilstück ankündigte, sein Untergrund sei ja eher gefrorenes Wasser.

    Oder auch mit Tennis-Legende Becker, der nicht verstehen konnte, wie man bei einer derartigen Anstrengung noch so viel reden konnte wie Frodeno und auch wissen wollte, wieso aus dem mittlerweile 38 Jahre alten gebürtigen Kölner jemand wurde, der gleich drei Disziplinen macht, die jede für sich anstrengend genug ist. Frodenos überraschende Antwort: „Ich war ein schrecklicher Tennisspieler.”

    Versorgt wurde Frodeno bei seinem Tri@home vor allem von Ehefrau Emma, die Australierin holte 2008 in Peking ebenfalls olympisches Gold im Triathlon. Mal ein Küsschen, mal ein Tänzchen, vor allem aber das Bananenbrot von Emma sorgten immer wieder für ein Lächeln bei Frodeno. Ganz breit wurde das auf den letzten Kilometern. Sonst genießt Frodeno den roten Teppich im Zieleinlauf und den Jubel der Zuschauer. Diesmal genoss er vor allem den Blick auf die Summe, die für gute Zwecke zusammengekommen war. „Gewinner überqueren als erste die Ziellinie, Champions schaffen große Dinge, die weit über den Sport hinausgehen”, lautete ein Kommentar bei Instagram.

    Radfahren       -  Jan Frodeno legte 180 Kilometer mit einem Rennrad auf dem Rollentrainer zurück.
    Jan Frodeno legte 180 Kilometer mit einem Rennrad auf dem Rollentrainer zurück. Foto: Nik Howe/dpa
    Laufen       -  Zum Abschluss absolvierte Jan Fodeno einen Marathon auf dem Laufband.
    Zum Abschluss absolvierte Jan Fodeno einen Marathon auf dem Laufband. Foto: Nik Howe/dpa
    Spenden       -  Am Ende hatte Jan Frodeno mit seiner Aktion über 200.000 Euro an Spenden eingesammelt.
    Am Ende hatte Jan Frodeno mit seiner Aktion über 200.000 Euro an Spenden eingesammelt. Foto: Nik Howe/dpa

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