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    Dallas

    Eine Sportskanone als körperliches Wrack

    Aufnahme von John F. Kennedy im Museum "The Sixth Floor" in Dallas. Foto: Thomas Brandstetter

    Die größte Herausforderung dieser Geschichte wird darin bestehen: Wie bekommt man John F. Kennedy im Sport unter? Nur, weil er als Schüler Baseball spielte, als pitcher, also derjenige, der den Ball wirft, und als dritter baseman, also als Fänger an der dritten Base - das wäre dann doch ein wenig arg billig.

    JFK galt zeitlebens als Sportskanone - was schon kurz nach seiner Ermordung als ziemlich lächerlich daherkam, weil er ein körperliches Wrack war: Kennedy litt an beinahe unerträglichen chronischen Schmerzen, hatte ein kaputtes Rückgrat, Osteoporose, Asthma, seine Nebenniere funktionierte nicht, er hatte Allergien - und zumindest kurzzeitig Marilyn Monroeals Geliebte. Der angebliche Sportler, der gerne golfte und schwamm und segelte, trug neben einem Korsett orthopädische Schuhe und nahm außer mehreren heißen Bädern am Tag Unmengen an Schmerzmitteln.

    Also: Mit Basketball hatte der 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika offenbar nicht so viel am Hut - mit Dallas jedoch ist sein Name und sein Schicksal aneinandergekettet wie es nur bei ganz wenigen Menschen und Orten der Fall ist: John Fitzgerald Kennedy wurde hier am 22. November 1963 ermordet.

    Rekonstruktion der Attentatsszenerie im Museum "The Sixth Floor" in Dallas. Foto: Thomas Brandstetter

    Um all das zu wissen oder in Erfahrung zu bringen, muss man natürlich nicht zwingend nach Dallas reisen - das Internet weiß mehr und spuckt noch viel mehr aus, als es das beeindruckende Museum "The Sixth Floor" imstande ist zu tun.  Was das Internet und Fotos und die Kohorten von Büchern über das Attentat und Kennedys Leben aber nicht können: einen derart in Geschichte eintauchen zu lassen. Originalschauplatz. Da weht nicht nur der Mantel - manchmal kann man ihn sogar riechen.

    "Wenn jemand wirklich den Präsidenten der USA erschießen wollte, wäre das keine schwierige Sache: Man müsste nur eines Tages mit einem Gewehr mit Zielfernrohr auf ein hohes Gebäude hinauf – niemand könnte etwas gegen einen solchen Anschlag unternehmen.“ Das sagte Kennedy mal. Nicht so lange vor dem Attentat. Aber was gilt schon der Prophet im eigenen Land? Genau so ist's geschehen. Angeblich.

    Mit dem Tod von John F. Kennedy wird am Grassy Knoll heute noch versucht, Geld zu verdienen. Foto: Thomas Brandstetter

    Schon früh kursierten Verschwörungstheorien, und sie tun das noch immer. Es ist immer wieder  beeindruckend, wie unscheinbar historische Orte heute wirken können. In Rom etwa erinnert auch nur eine Tafel neben einem großen Pflasterstein daran, dass dort Cesar erstochen wurde. In Dallas wurden zwei weiße Kreuze auf der Straße verewigt, an den Stellen, an denen Kennedy im offenen 1961er Lincoln Continental X-100 tödlich getroffen wurde. Schlendert man heute am Rand von Downtown Dallas über die Dealey Plaza und am  Grassy Knoll vorbei, dem kleinen grasigen Hügel mit dem Bretterzaun oben, sind da neben Touristen auch einige alte Männer, die Fotos, Bücher, DVDs über JFK und seinen Tod verkaufen. Und unterhält man sich mit ihnen, dann hat natürlich jeder seine eigene Theorie, wer hinter dem Attentat steckte: die Russen, die Kubaner, Konservative, die den liberalen Kennedy  loswerden wollten, die Mafia, die eigene CIA?

    Gedenktafel an der Dealey Plaza in Dallas. Foto: Thomas Brandstetter

    Lee Harvey Oswald - schnell festgenommen und genauso schnell von Nachtklubbesitzer Jack Ruby erschossen - als Einzeltäter? Die Mehrheit der Amerikaner geht davon aus, dass Kennedy Opfer einer Verschwörung wurde, und auch für viele, die sich lange und intensiv sehr seriös mit dem mysteriösen Fall beschäftigten, sind Russland-Freund Oswald wie Ruby lediglich Bauernopfer gewesen. Im Mittelpunkt aller ungeklärter Fragen steht: Wie können zwei Kugeln insgesamt sieben schwere Wunden bei zwei Menschen verursacht haben (neben dem tödlich getroffenen Kennedy wurde der mit im Cabrio sitzende Gouverneur John Connally schwer verletzt) ?

    Das hinter Glas rekonstruierte Eckzimmer im Schulbuchdepot, in dem Lee Harvey Oswald die tödlichen Schüsse auf JFK abgegeben haben soll. Foto: Thomas Brandstetter

    Unstrittig jedenfalls ist: John F. Kennedy war schon zu Lebzeiten eine charismatische Gestalt - sein bis heute letztlich allenfalls zweifelhaft aufgeklärter Tod überhöhte ihn zu einem Mythos. In Umfragen gilt er neben Abraham Lincoln als größter Präsident der amerikanischen Geschichte.

    Der Dreh zurück zum Sport? Auch ziemlich schwierig: Es geschah in Dallas - und John F. Kennedy spielte gerne Tennis.

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