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    Yeosu

    Nach „Schlag ins Gesicht”: Freiwasser-Asse Weltspitze

    Dritte
    Leonie Beck posiert mit ihrer Bronze-Medaille nebn der ebenfalls Dritten Hannah Moore aus den USA. Foto: Mark Schiefelbein/AP

    Die Tränen der Verzweiflung sind längst Freudentränen gewichen. Nach der deprimierenden Medaillen-Nullnummer von Ungarn 2017 haben die deutschen Freiwasserschwimmer bei der WM in Südkorea wieder richtig Grund zu jubeln.

    Gold für Ausnahmetalent Florian Wellbrock sowie Bronze für Rob Muffels und Leonie Beck zeigen eindrucksvoll: Das junge Team hat den Umbruch nach der Ära von Rekordweltmeister Thomas Lurz und 25-Kilometer-Expertin Angela Maurer erstmal gemeistert.

    „Ich würde sagen, die deutschen Schwimmer sind wieder an der Weltspitze angekommen”, sagte Beck nach ihrem dritten Platz über fünf Kilometer. Bis dato drei Medaillen und vier von vier möglichen Olympia-Tickets für Tokio 2020 seien „der absolute Hammer”. Eine solche Olympia-Ausbeute hatte es zuvor noch nie gegeben.

    „Mir fällt wirklich ein Stein vom Herzen”, sagte Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz, der sich nach der völlig misslungenen WM vor zwei Jahren am Balaton auch selbst hinterfragt hatte. Aus Ungarn waren die deutschen Freiwasser-Asse erstmals seit 1994, als nur über 25 Kilometer im Freiwasser geschwommen wurde, ohne WM-Medaille heimgekehrt. Ein „Schlag ins Gesicht”, wie es Lurz nannte. Die Erfolge von Kasan 2015, kurz nach dem Rücktritt seines Bruders Thomas, waren in Ungarn schnell vergessen.

    Dass sich Stefan Lurz und seine Sportler davon erholt haben, hängt - nicht nur, aber vor allem - mit einem Namen zusammen. „Wenn du so ein Zugpferd hast wie Florian Wellbrock im Team, das hilft”, sagte Lurz über seinen Top-Schwimmer. „Das nimmt den Druck von allen anderen Athleten.” Der Bundestrainer fühlt sich ein bisschen an seinen Bruder, Freiwasser-Idol Thomas Lurz, erinnert: „Wir hatten einen, auf den man sich verlassen konnte und jetzt haben wir Florian. Das hilft natürlich dem ganzen Team. Das gibt Sicherheit.” Dieser Effekt werde oft unterschätzt.

    Im Erfolgs-Sog des Shootingstars bescherte Beck dem Deutschen Schwimm-Verband innerhalb von nicht einmal 24 Stunden die dritte Medaille. Die 22-Jährige, die ursprünglich aus dem Beckenschwimmen kommt, ist ein gutes Beispiel für den Freiwasser-Aufschwung: 2017 hatte Beck nach ihrem 24. Platz im Fünf-Kilometer-Rennen der WM noch enttäuscht geweint. In Yeosu flossen bei ihr nun wieder Tränen - aus Freude über die Olympia-Qualifikation über zehn Kilometer.

    „Klar, niemand wird an Thomas Lurz rankommen”, sagte sie über den Umbruch im Team. „Er war der beste Freiwasserschwimmer der Welt und wird es wahrscheinlich immer sein. Ich denke aber, dass wir sehr gut besetzt sind.” Das junge deutsche Team habe „gezeigt, was wir drauf haben”, sagte Beck. Das wollen die Beckenschwimmer in der kommenden Woche auch - mit tatkräftiger Unterstützung von „Zugpferd” Wellbrock, der über 1500 und 800 Meter starten will.

    Von Thomas Eßer und Christian Kunz, dpa

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