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    FUSSBALL: BUNDESLIGA

    Nach 0:2 in Wolfsburg: Dem Club helfen nur noch zwei Siege

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    Er verzichtete in der Pause darauf, seine Profis mit dem Stuttgarter Rückstand in Berlin zu motivieren: Club-Trainer Boris Schommers. Foto: Witters

    Zwei Herzen schlugen in der Brust von Michael Meeske. Bis zum September vergangenen Jahres war der 47-jährige Finanzvorstand des 1. FC Nürnberg, jetzt ist er Geschäftsführer der Fußball-GmbH des VfL Wolfsburg. Von daher wurde Meeske am Samstagnachmittag gut bedient. Sein neuer Arbeitgeber verbesserte mit dem 2:0 (1:0)-Sieg die Chancen auf einen Europapokal-Startplatz. Und sein Ex-Verein ist trotz der Niederlage noch nicht definitiv abgestiegen, weil auch der auf dem Relegationsrang stehende VfB Stuttgart mit dem 1:3 in Berlin leer ausging.

    Die Schlinge um den Nürnberger Hals hat sich allerdings merklich zugezogen. Und das ist noch vorsichtig formuliert. „Ich bin Realist und weiß, dass wir ein mittleres Wunder brauchen – aber die Chance ist da“, sagte Trainer Boris Schommers. Die Rechnungen zum Thema Klassenerhalt sind mittlerweile nicht mehr allzu kompliziert: Nur wenn der Club seine beiden letzten Liga-Spiele gegen Mönchengladbach und in Freiburg gewinnt, kann er den VfB noch ein- oder überholen. Gleichzeitig darf Stuttgart in seinen Partien gegen Wolfsburg und auf Schalke maximal einen Zähler holen. „Mit ein bisschen Glück“, sagte Schommers, „holt der VfB gar keine Punkte mehr.“

    Ob die Nürnberger aber wirklich in der Lage sind, ihre beiden Endspiele zu gewinnen und aus drei noch fünf Saisonsiege zu machen, das ist doch mehr als fraglich. In Wolfsburg wirkte der Club mit seinem gefälligen Passspiel keineswegs wie ein Absteiger und war in der ersten Halbzeit sogar die spielbestimmende Mannschaft. „Wir spielen echt mutig, das ist in unserer Situation nicht selbstverständlich“, lobte Torwart Christian Mathenia seine Mitspieler. Die Führung lag in den ersten 20 Minuten in der Luft, doch bei drei guten Gelegenheiten war der letzte Pass nicht genau genug. Schommers sprach trotzdem von „Großchancen“, was ein bisschen übertrieben war.

    Im Wolfsburger Strafraum findet der Club nach der Pause kaum noch statt

    In der zweiten Hälfte hätten sich die nur 1700 nach Wolfsburg gereisten Club-Fans jene Leidenschaft und Entschlossenheit gewünscht, die ihre Mannschaft zuletzt gegen Bayern München gezeigt hatte. Im Wolfsburger Strafraum fand sie, bis auf zwei harmlose Schüsse von Mikael Ishak nach einem aussichtsreichen 3-gegen-3-Konter und von Joker Yuya Kubo, gar nicht mehr statt.

    „Wir hatten nicht mehr die Durchschlagskraft“, bestätigte Kapitän Hanno Behrens, dessen Vorrücken auf die Zehnerposition im Tausch mit Eduard Löwen wenig bewirkte. Die Geistesblitze von Mateus Pereira, von denen der Tabellenvorletzte zuletzt häufig profitierte, blieben dieses Mal aus. Der Brasilianer fand nicht ins Spiel und schied zudem mit einer Oberschenkelverletzung aus, die aber wohl nur ein muskuläres Problem darstellt.

    Schommers verzichtete in der Pause darauf, seine Profis mit dem Stuttgarter Rückstand in Berlin zusätzlich zu motivieren und zu kitzeln. Vielleicht hätte das gut getan, um ein echtes Aufbäumen zu erleben. „Die Mannschaft hatte gut gespielt, dass wir ausgleichen und möglichst noch ein weiteres Tor erzielen wollten, war klar“, erläuterte er seine Zurückhaltung.

    Beim Rückstand unterlief dem unter der Regie von Ewerton eigentlich gut verteidigenden FCN eine jener individuellen Fehlleistungen, für die er spätestens seit dem vergebenen Last-Minute-Elfmeter gegen die Bayern eine traurige Berühmtheit erlangt hat. „Wir haben uns selbst geschlagen“, sagte Schommers.

    Kerk übersieht bei seinem Rückpass den Wolfsburger Mehmedi

    Denn Kerk übersah bei einem Rückpass auf Mathenia den Wolfsburger Admir Mehmedi, der dem Ball entgegen sprintende Club-Torwart konnte im Zweikampf mit dem einen Tick schnelleren Mehmedi nicht entscheidend klären – und Felix Klaus, der Ex-Fürther, brachte den Abpraller im leeren Gehäuse unter (38.). „Ich will, dass wir auch in der letzten Reihe spielerische Lösungen finden“, bekräftigte Schommers, beklagte aber auch: „Woche für Woche kosten uns diese Geschenke Punkte.“

    Entschieden war die Parte für Wolfsburg, als Innenverteidiger Marcel Tisserand eine Freistoßflanke von Mehmedi zu seinem ersten Saisontor einköpfte (78.). Georg Margreitter, der vier Minuten zuvor für den angeschlagenen Ewerton eingewechselt worden war, störte ihn dabei nicht energisch genug. Wolfsburg zeigte eine effektive, spielerisch aber überschaubare Vorstellung. Dass Trainer Bruno Labbadia das 2:0 als „Super-Arbeitssieg“ feierte und viel Lob über seine Mannschaft ausschüttete, war vor dem Hintergrund zusehen, dass er in Wolfsburg nicht mehr gelitten ist und deshalb am Saisonende geht.

    Sportvorstand Jörg Schmadtke und Sportgeschäftsführer Marcel Schäfer, die Labbadias Ausführungen direkt neben dem Podium lauschten, wollen mit dem als Labbadia-Nachfolger verpflichteten Österreicher Oliver Glasner auf ein höheres Niveau vorstoßen. Und dann nicht mehr so häufig eine mäßig besetzte Volkswagenarena zu erleben, wie es gegen Nürnberg der Fall war.

    Der 1. FC Nürnberg muss sich hingegen darauf einstellen, kommende Saison wieder in bekannte Zweitliga-Gefilde zurückzukehren. Auch wenn es keineswegs wie eine Durchhalteparole klang, was Lukas Mühl ankündigte: „Gegen Gladbach werden wir wieder alles reinschmeißen.“

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