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    Frankfurt

    Sporthilfe-Modernisierer Ilgner wechselt zur Deutschen Bank

    Michael Ilgner
    Geht in die Wirtschaft: Michael Ilgner. Foto: Deutsche Sporthilfe/dpa

    Die Deutsche Sporthilfe muss sich einen neuen Chef suchen. Wie die Stiftung am Freitag mitteilte, wechselt ihr Vorstandsvorsitzender Michel Ilgner zum 1. März 2020 als Personalchef zur Deutschen Bank.

    Der frühere Wasserball-Nationalspieler fängt zunächst als Generalbevollmächtigter bei Deutschlands größtem Geldhaus an, das einer der wichtigsten Förderer des Sozialwerks des deutschen Sports ist. „Ich habe sehr viel Respekt vor der neuen Aufgabe und freue mich, dass ein Sportler so eine Chance bekommt”, sagte der 48-Jährige zu dem überraschenden wie ungewöhnlichen Branchenwechsel.

    Als „schmerzlich” bezeichnete der Aufsichtsratsvorsitzende der Sporthilfe, Werner E. Klatten, den Weggang Ilgners. Zugleich sieht er ihn als eine besondere Auszeichnung, „dass der Vorstandsvorsitz unserer Stiftung ein Sprungbrett für eine Spitzenposition in einem DAX-Unternehmen” sein könne. Klatten: „Wir verlieren allerdings unseren besten Mann.” Der Aufsichtsrat wird sich auf seiner nächsten Sitzung am 5. Dezember mit einer Nachfolgeregelung beschäftigen.

    Ilgner, ein promovierter Wirtschaftsingenieur und Olympia-Teilnehmer von 1996 sowie EM-Dritter von 1995, ist seit April 2010 erster hauptamtlicher Vorstandschef der Sporthilfe - und profilierte sich als Modernisierer. „Die Hauptaufgabe war, eine Organisation für die Zukunft umzubauen und aus einer ursprünglich mäzenatisch orientierten Non-Profit-Organisation ein professionelles Unternehmen zu machen”, erklärte er. Die Wirtschaft sollte „in neuer Form hinter die Sporthilfe” gebracht werden, um „eine neue Wirkung für die Athleten zu entfalten. Ich glaube, das ist ganz gut gelungen.”

    Diese Strategie hat sich für die von der Sporthilfe geförderten Athleten ausgezahlt. „Wir haben es geschafft, als ich 2009 anfing, die durchschnittliche Förderung von 220 Euro pro Athlet auf in diesem Jahr 950 Euro pro Monat und Athlet zu heben”, sagte Ilgner. „Mit knapp 1000 Euro sind wir da ein relevanter Partner geworden.” Er sei überzeugt, dass die Sporthilfe „ihre besten Zeiten noch vor sich” habe. So hoffe er im nächsten Jahr auf den ersten Schritt zu einer Altersvorsorge der Athleten: „Die Anzeichen dafür sind gut.”

    Für den DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann ist der Wechsel an der Spitze der Sporthilfe auch für den Deutschen Olympischen Sportbund „nach erfolgreichen Jahren zweifelsohne eine gewisse Zäsur”. In den vergangenen Jahren seien wertvolle Fortschritte für die deutschen Athleten erreicht worden. Deshalb sei es auch für das Team Deutschland von hoher Bedeutung, „dass zeitnah eine professionelle Nachfolgeregelung geschaffen” werde.

    Die Sportausschussvorsitzende des Bundestages sieht den angekündigten Rückzug Ilgners als einen „außerordentlichen Verlust” für den gesamten deutschen Sport. „Unter seiner Leitung hat sich die Sporthilfe zu einem entscheidenden Player, man könnte auch sagen, zu einer Art Denkfabrik im Gesamtsystem des Sports in unserem Land entwickelt”, sagte Dagmar Freitag (SPD).

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