• aktualisiert:

    Hildesheim

    Stahlbetonbauer und Co. peilen Darts-WM an

    Robert Marijanovic
    Will zur Darts-WM nach London: Robert Marijanovic. Foto: Mark Kerton/PA Wire/dpa

    Unter der Woche noch unbehelligt zur täglichen Arbeit gehen und am Wochenende mit seinem Hobby mal eben das Ticket für die Darts-WM lösen. Was für zahlreiche Fans und TV-Zuschauer im ersten Moment seltsam klingt, wird am Sonntag in Hildesheim mal wieder Realität.

    Der gelernte Grafiker gegen den Stahlbetonbauer, der Garten- und Landschaftsbauer gegen den Abteilungsleiter in einer Maschinenfabrik: So gestaltet sich der Kampf in der Super League Darts, in der Robert Marijanovic und sieben weitere Deutsche am Finaltag um die Quali für die WM im Alexandra Palace in London kämpfen.

    „Wenn es um einen WM-Startplatz geht, ist es selbstverständlich das Highlight des Jahres”, sagte Marijanovic. Der 39-Jährige war schon dreimal bei der WM dabei und kann deshalb ideal beschreiben, was die überwiegend berufstätigen Anwärter so an einem WM-Ticket reizt. „Die besten Spieler treten an, das höchste Preisgeld überhaupt und wahrscheinlich die außergewöhnlichste Stimmung, die es bei einem Turnier geben kann. Zudem sieht man Darter aus aller Welt und merkt irgendwie, dass man von New York bis Indien so viel gemeinsam hat mit den Kollegen”, erzählte Marijanovic der Deutschen Presse-Agentur.

    Die beiden Profis Max Hopp und Gabriel Clemens, die Darts inzwischen in Vollzeit ausüben, haben ihre WM-Tickets über die Weltrangliste gelöst, am Sonntag könnte die Stunde der unbekannteren Pfeilewerfer kommen. Im K.o.-Modus treffen die besten acht Spieler des Jahres 2019 aufeinander. Gewinnen könnte der favorisierte Profi Martin Schindler - oder ein Außenseiter, für den Darts noch immer ein Zubrot zum Einkommen im eigentlichen Beruf darstellt.

    Dazu zählt der 22 Jahre alte Hauptrundensieger Nico Kurz wohl bald nicht mehr, obwohl er derzeit noch mehr Industriemechaniker als Darts-Profi ist. „Noch ist Darts ein Hobby, sehr zeitintensiv und teilweise auch manchmal stressig, aber noch ein Hobby”, sagte Kurz. Für ihn sind momentan hauptsächlich Eindrücke und Erlebnisse wichtig, die er durch den Sport sammeln konnte. Auf dem schwierigen Pfad zum Profi würde dem Youngster eine WM-Teilnahme einen ordentlichen Schub verleihen: „Das ist das Ziel eines jeden Darts-Spielers, der in dieser Sportart etwas erreichen will. Etwas Größeres als das gibt es nicht.”

    Für Marijanovic ist Darts seit einigen Jahren ein Hobby, mit dem er ein Extra-Einkommen verdient. „Das Preisgeld ist für mich irgendwie der Beweis dafür, dass sich das Training und die Strapazen gelohnt haben”, erklärte er. So geht es einigen, die in Hildesheim am Start sind: Sie trainieren viel und lange, sie betreiben den Sport mit Leidenschaft und Liebe, sie reisen quer durch Europa, doch die Momente im Rampenlicht sind selten. Ein WM-Start in London wäre zweifellos so ein Moment.

    So denkt auch Maik Langendorf, der schon lange zur deutschen Spitze zählt, bisher aber noch immer auf einen WM-Start wartet. „Ich habe in 2019 meinen Fokus weniger auf Darts gelegt, nach über 33 Jahren muss das wohl mal sein, trotzdem wäre eine WM-Teilnahme mein großes Ziel”, sagte der 47-Jährige.

    Ein bisschen Darts neben dem Job, das klingt leichter als es ist. „Es kam durchaus vor, dass ich am Flughafen nicht wusste, wohin ich eigentlich fliege. Als kompletter Profi ist das zeitlich natürlich locker zu meistern, aber neben dem normalen Job eine echte Herausforderung”, erzählt Langendorf. Er sieht den Pfeile-Sport inzwischen als „sehr intensiv betriebenes Hobby, das aber nach wie vor einen riesigen Teil in meinem Leben einnimmt”.

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!