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    Stuttgart

    Stefan Matschiner: „Jedes Land hat seinen Mark S.”

    Stefan Matschiner
    Wurde 2010 wegen Blutdoping verurteilt: Stefan Matschiner. Foto (2013): Koen van Weel/ANP Foto: Koen Van Weel

    „Aus meiner Erfahrung spricht die Zahl von 40 sichergestellten Blutbeuteln dafür, dass der Arzt Mark S. maximal zehn Athleten versorgt hat”, sagte Matschiner im Interview der „Stuttgarter Zeitung” und der „Stuttgarter Nachrichten”. Das sei „eine andere Größenordnung, als es damals beim spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes der Fall war”. Beim 13 Jahre zurückliegenden Fall des spanischen Doping-Netzwerks ging es um mehr als 200 Blutbeutel.

    Der Österreicher, zu dessen Blutdoping-Klienten einst Radprofi und Landsmann Bernhard Kohl gehörte, geht davon aus, dass es vergleichbare Doping-Netzwerke auch noch anderswo gibt. „Ich bin mir sicher, dass jedes Land seinen Mark S. hat, und in größeren Ländern gibt es sicher auch zwei von seiner Sorte. Denn der Bedarf ist da”, sagte Matschiner. „Es gibt überall Sportler, die ihre Ziele nicht mit lauteren Methoden erreichen, also wählen sie die unlauteren - und sie suchen sich Leute, die ihnen dabei helfen.”

    „Der Leistungssport ist eine einzige Heuchelei. Kein Athlet, der es richtig anstellt, wird je positiv getestet, der Blutpass ist nur Augenwischerei”, erklärte Matschiner. Zugleich zeige der Fall Mark S., dass der Markt Leute wie ihn fordere. „Als ich vor zehn Jahren aufgehört habe, Sportler beim Dopen zu unterstützen, habe ich gesagt, dass sich dieses Vakuum füllen wird”, sagte Matschiner. „Und, so ehrlich muss man sein, auch das Vakuum, das Mark S. hinterlässt, wird sich wieder füllen. Leider.”

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