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    HANDBALL: EM

    Steffen Weinhold hat ein gutes Gefühl

    Kaum zu bremsen ist Steffen Weinhold. Der Franke setzt sich hier gegen Islands Kari Kristjansson durch. Foto: Monika Skolimowska/dpa

    Am Dienstag wird es auf den Tag zwei Jahre es her sein, dass Steffen Weinhold die deutsche Handball-Nationalmannschaft als Kapitän bei der Europameisterschaft in Polen ins Auftaktspiel gegen Spanien geführt hat. An diesem Samstag ist der 31-Jährige wieder dabei, wenn das deutsche Team in Zagreb mit einem Spiel gegen Montenegro ins EM-Turnier in Kroatien startet (17.15 Uhr, live im ZDF).

    Diesmal allerdings ohne Kapitänsbinde, die der in Polen verletzte Uwe Gensheimer zurückerhalten hat. Dafür ist Weinhold um einige – wenn auch nicht immer angenehme – Erfahrungen aus den letzten 24 Monaten reicher.

    Eine Menge Pech

    Für einen Außenstehenden wirkt der gebürtige Fürther bisweilen wie ein großer Pechvogel. Den Moment des größten Triumphs des deutschen Handballs in den letzten zehn Jahren erlebte er nicht auf dem Spielfeld mit. Als Kapitän war er vor zwei Jahren ins EM-Turnier in Polen gegangen und lange Zeit der Antreiber im deutschen Rückraum gewesen. Doch im vorletzten Zwischenrundenspiel gegen Russland war für ihn Schluss: Muskelbündelriss im Adduktorenbereich. Fünf Tage später durfte der Würzburger Keeper Carsten Lichtlein als Ersatzkapitän in Krakau die Trophäe für den Titelgewinn in die Höhe stemmen.

    Weinhold indes fiel lange aus, kämpfte sich zurück, trat aber wegen Trainingsrückstands die Reise zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro nur als Ersatzmann an. Immerhin rückte er während des Turniers in den Kader nach und durfte sich über den Gewinn der Bronzemedaille und wenig später über die Wahl zum Sportler des Jahres in seiner Wahlheimat Kiel freuen, wo er für den THW und damit für den deutschen Handball-Rekordmeister spielt.

    Im Dezember 2016 der nächste Rückschlag: Riss des vorderen Syndesmosebandes, die nächste monatelange Pause, die Weltmeisterschaft 2017 fand ohne ihn statt. Nach seiner Rückkehr aufs Spielfeld dann mit dem Verein ein Stotterstart in die laufende Bundesliga-Saison, der den deutschen Rekordmeister bisweilen ins Tabellenmittelfeld zurückwarf. „Jetzt aber bin ich bei fast wieder bei 100 Prozent“, erklärte Weinhold kurz vor der Abfahrt nach Kroatien.

    In Kiel hat er sich nach den unfreiwilligen Pausen geduldig herangearbeitet und fand nun vom neuen Bundestrainer Christian Prokop Berücksichtigung für die EM, obwohl er bei dessen ersten Länderspielen im Frühjahr gefehlt hatte. Weinhold klagt nicht über seine Situation: „Wenn ich auf ganze Karriere schaue, glaube ich nicht, dass ich übermäßig oft verletzt war.“

    Stoisch gelassen

    Der einzige Franke im deutschen Kader ist einer, der bei seinen Offensivaktionen viel einstecken muss. Kein deutscher Rückraumspieler sucht so konsequent das Eins-gegen-eins-Spiel wie er, was den körperlichen Zusammenstoß mit dem Abwehrspieler nahezu herausfordert. Und er ist einer, der harte Attacken mit Abwehrspielern meist mit stoischer Gelassenheit hinnimmt. „Das gehört dazu“, sagt der 31-Jährige.

    Diese unprätentiöse Art kultivierte der Linkshänder, der im Nachwuchs des HC Erlangen ausgebildet wurde, auch, als er noch die Kapitänsbinde trug. Stets verwies er auf die Wichtigkeit des Teamgedankens, anstatt darüber zu reden, was er als Einzelner tun müsse.

    Das ist jetzt ohne Kapitänsbinde nicht anders. „Ich freue mich natürlich, dass ich wieder bei der Nationalmannschaft bin“, sagte er vor dem Abflug nach Kroatien. „Und wenn ich sehe, wie wir arbeiten, habe ich ein gutes Gefühl.“ Und schickt hinterher: „Wenn wir erfolgreich waren, dann immer als Mannschaft.“ Allerdings konkrete Ziele öffentlich zu formulieren und etwa die Verteidigung des Titels zu fordern, das entspricht seinem Naturell nicht.

    Rückkehr nach Franken?

    Noch bis 2020 läuft sein Vertrag in Kiel. „Dass ich irgendwann nach Erlangen zurückkehre, kann ich mir durchaus vorstellen. In welcher Funktion auch immer“, sagt Weinhold, der einmal erklärt hat, dass ihm eines im Hohen Norden besonders fehle – nämlich „Drei im Weggla“. Allerdings sieht er sich noch nicht am Ende seines Weges im absoluten Spitzensport: Die dreieinhalb Jahre bis 2020 bieten Gelegenheit zu Titelgewinnen mit dem THW und ferner sicher auch noch die Möglichkeit, in diesem Zeitraum bei einem großen Erfolg des Nationalteams selbst auf dem Feld zu stehen.

    Das deutsche Aufgebot

    Tor: Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Andreas Wolff (THW Kiel).

    Linksaußen: Uwe Gensheimer (Paris St. Germain).

    Rückraum links: Maximilian Janke (SC DHfK Leipzig), Julius Kühn (MT Melsungen), Paul Drux (Berlin).

    Rückraum Mitte: Steffen Fäth (Berlin), Philipp Weber (Leipzig).

    Rückraum rechts: Kai Häfner (TSV Hannover Burgdorf), Steffen Weinhold (Kiel).

    Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tobias Reichmann (Melsungen).

    Kreis: Jannik Kohlbacher (HSG Wetzlar), Patrick Wiencek (Kiel), Hendrik Pekeler (Rhein-Neckar Löwen), Bastian Roscheck (Leipzig).

    Während des Turniers kann der Bundestrainer bis zu sechs Spieler gegen folgende Akteure austauschen: Johannes Bitter (TVB 1898 Stuttgart), Carsten Lichtlein (VfL Gummersbach), Rune Dahmke (Kiel), Marcel Schiller (Frisch Auf Göppingen), Finn Lemke (Melsungen), Marian Michalczik (TSV GWD Minden), Tim Kneule (Göppingen), Fabian Wiede (Berlin), Franz Semper (Leipzig), Tim Hornke (TBV Lemgo), Erik Schmidt (Berlin). URS

     

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