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    Nürnberg am Boden: Sportvorstand stützt Trainer Köllner

    Zweckoptimist
    Nürnbergs Torwart Christian Mathenia sitzt nach der 0:2 in Hannover am Boden. Nach der Niederlage beschwört der Keeper den Team-Zusammenhalt. Foto: Swen Pförtner

    Jetzt hilft vielleicht nur noch ein Vergleich mit dem HSV. Christian Mathenia, der Torwart des 1. FC Nürnberg, hat vor einem Jahr noch in Hamburg gespielt, und er sagte an diesem Wochenende: „Beim HSV war immer klar, dass wir absteigen, weil wir keine Mannschaft waren.”

    In Nürnberg dagegen „sehe ich eine Mannschaft, in der alle füreinander durch's Feuer gehen. Wir werden uns jetzt nicht fallenlassen, sondern die Boxhandschuhe rausholen und alles dafür geben, dass dieser Verein in der ersten Liga bleibt.”

    Alles, was Mathenia sagte, klang kämpferisch und entschlossen. Das Problem war nur, dass er das nach einem 0:2 (0:1) im vermeintlichen Abstiegskampf-Endspiel bei Hannover 96 sagte. Der 1. FC Nürnberg ist jetzt wieder Tabellenletzter der Fußball-Bundesliga. Der Aufsteiger hat mittlerweile seit 15 Ligaspielen nicht mehr gewonnen, und er verlor am Samstag sogar gegen den einzigen Gegner, der in den vorangegangenen Wochen noch schlechter war als er selbst.

    Jeder im Stadion sah, das aus sich selbst heraus nicht mehr viel kommt von diesem Club. Die Boxhandschuhe und das Feuer blieben in Hannover in der Kabine. Zu hören waren nach diesem Spiel nur noch ein paar Durchhalteparolen wie die von Mathenia - und eine äußerst fragwürdige Schiedsrichter-Kritik der sportlichen Leitung.

    „Eine Lobby haben wir keine. Ich weiß nicht, ob diese Rote Karte auch ein anderer Verein gekriegt hätte”, sagte Trainer Michael Köllner und meinte damit den Platzverweis für Nürnbergs Simon Rhein schon in der 11. Minute der Partie. Unstrittig ist, dass der FCN das Pech hatte, dieses wichtige Spiel fast komplett mit einem Mann weniger bestreiten zu müssen und dann auch noch das entscheidende 0:1 direkt vor dem Halbzeitpfiff zu kassieren. Für beide Nackenschläge war der Club aber immer noch selbst verantwortlich, weil der Roten Karte ein gesundheitsgefährdendes Foul vorausging und Hannovers Matchwinner Nicolai Müller vor seinem ersten Tor völlig allein gelassen wurde.

    Selbst der Doppeltorschütze des Gegners (45.+5/77.) erinnerte den Tabellenletzten noch einmal an seine Versäumnisse der vergangenen Wochen. Denn während die Nürnberger im Januar als einziger Abstiegskandidat auf eine nennenswerte Nachrüstung ihres Kaders verzichteten, holte Hannover unter anderem den früheren Fürther Müller auf Leihbasis von Eintracht Frankfurt. „Ich hoffe natürlich, dass der Knoten jetzt geplatzt ist. Ich glaube aber, wir brauchen noch viel mehr, um da unten rauszukommen”, sagte der 31-Jährige.

    Und die Nürnberger? Wie wollen sie jetzt noch da unten rauskommen? Das Internetportal nordbayern.de und die „Bild am Sonntag” berichten, dass die Zweifel an Köllner zumindest im Aufsichtsrat des Vereins immer größer werden. Sportvorstand Andreas Bornemann will jedoch weiterhin an seinem Aufstiegstrainer festhalten. „Ich sehe keinen Ansatzpunkt, darüber zu diskutieren”, sagte er in einem Sky-Interview. „Mit elf gegen elf hätten wir gute Chancen gehabt, die Mannschaft ist intakt, deshalb stellt sich die Frage für mich nicht.”

    Unterstützung erhielt Köllner auch vom Gegner. Die 96er waren bis zu diesem Kellerduell in einer ähnlichen Situation, erst die Tore von Müller bescherten ihnen das Ende einer Negativserie von neun sieglosen Spielen und gleichzeitig die ersten drei Punkte unter ihrem neuen Coach Thomas Doll. Der Daueroptimist auf der Trainerbank ist sich sicher, dass man genau das im Abstiegskampf am dringendsten braucht: ein Erfolgserlebnis, einen „Brustlöser”. „Es ist ein richtig gutes Gefühl, mal wieder ein Fußballspiel gewonnen zu haben”, sagte Doll. „Es ist so wichtig, dass wir wieder an die Rettung glauben.”

    Von Sebastian Stiekel, dpa

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