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    FUSSBALL: BUNDESLIGA, TESTSPIEL

    Club-Start notfalls auch ohne Neue

    Enrico Valentini (rechts) freut sich mit Edgar Salli über sein Freistoßtor zum Nürnberger Siegtor im letzten Testspiel g... Foto: Zink, Imago

    Ein wenig nachdenklich machte einen die gähnende Leere schon. Zur Saisoneröffnung des Bundesliga-Absteigers 1. FC Köln vor zwei Wochen hatten sich 50 000 Zuschauer eingefunden. Und dabei gab es nicht einmal ein Spiel. Klar, die Kölner Fans sind ein bisschen verrückt. Aber Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Nürnberg begrüßte bei seiner Saisoneröffnung gerade mal 7422 Zuschauer. Und dabei gab es sogar ein Spiel. Der Club schlug den spanischen Erstliga-Rückkehrer Real Valladolid in einer interessanten Partie durch ein schönes Freistoßtor von Enrico Valentini (45.+1 Minute) mit 1:0.

    „Das war jetzt kein Gegner, bei dem alle gleich ins Stadion rennen. Bei unserem ersten Bundesliga-Heimspiel gegen Mainz wird die Hütte schon voll sein“, bewertete Trainer Michael Köllner die kleine Kulisse gelassen. Etwaige Neugier auf neue Gesichter im Kader als Anreiz für einen Stadionbesuch fiel zudem aus. Von Torwart Christian Mathenia abgesehen, der gegen Valladolid im Kasten stand, aber wie bei Köllner üblich über die gesamte Runde im Wettbewerb mit Fabian Bredlow stehen soll, hat der FCN bisher nur Ergänzungsspieler geholt. Wegen des geringen Budgets, das für Transfers zur Verfügung steht, pokert der Verein bei der Suche nach zwei, drei echten Verstärkungen. „Wir haben noch bis 30. August Zeit. Warten wir ab, was noch passiert“, sagte Köllner.

    Seine betonte Ruhe fand der Trainer durch die Leistung bei der Generalprobe bestätigt. „Griffig und kompakt“ sei seine Mannschaft aufgetreten, er sei zufrieden. Köllner hätte kein Problem, mit der Formation der ersten Stunde des Testspiels auch zum Bundesliga-Start am 25. August bei Hertha BSC anzutreten. Dann noch ohne Ewerton (Sprunggelenksverletzung), aber mit Eduard Löwen im zentralen Mittelfeld. Der U-21-Nationalspieler, der sich in der Pause angeregt mit seinem DFB-Trainer Stefan Kuntz unterhielt, wurde nach einer Verletzung noch geschont, soll aber schon im DFB-Pokalspiel am kommenden Samstag beim südbadischen SV Linx dabei sein.

    Gegen Valladolid wurde Löwen gut von Alexander Fuchs vertreten, der in der Zweitliga-Saison nur auf zwei missglückte Einsätze gekommen war, aber zusammen mit Ondrej Petrak nun als Gewinner der Vorbereitung gilt. „Er wird von Spiel zu Spiel erwachsener“, lobte Köllner den 21-jährigen Mittelfeldspieler.

    Bester Cluberer gegen Valladolid war Edgar Salli, der viel Betrieb auf der rechten Seite machte und dabei ist, einen Rollenwechsel hin von der Reizfigur zum Publikumsliebling zu vollziehen. Die Aussicht auf die Bundesliga scheint den Kameruner sehr zu beflügeln. Keine Option ist vorerst Sebastian Kerk. Er braucht körperlich noch Zeit, seinen Achillessehnenriss vor knapp einem Jahr aufzuarbeiten, und kam nur für die letzten Minuten auf den Platz.

    Köllner ließ den Club mit einer Viererkette verteidigen, die erst in der Schlussphase, als Valladolid im munteren Wechselspiel die besseren Alternativen brachte, häufiger in Bedrängnis kam. „Gut, dass wir auch ein paar Fehler gemacht haben, an denen können wir noch arbeiten“, sagte Torschütze Valentini. Es wäre nicht unverdient gewesen, wenn der Schlenzer des Italieners Daniele Verde, den Valladolid vergangene Woche vom AS Rom ausgeliehen hat, statt an die Latte ins Tor gegangen wäre (87.).

    Dabei hatte Valladolid in der letzten halben Stunde in Unterzahl gespielt. Der Platzverweis von Kapitän Javier Moyano war die Folge der Videobeweis-Premiere im Max-Morlock-Stadion. Schiedsrichter Robert Schröder (Hannover) hatte den Innenverteidiger nach einem Foul an Adam Zrelak zunächst mit Gelb belegt, die Szene nach der Überprüfung am Bildschirm aber als Notbremse gewertet.

    Die Zuschauer bekamen durch den Technik-Test immerhin als Erste in Deutschland in den Genuss der Erläuterungen auf der Videowand, die erst am Vortag in Frankfurt angekündigt worden waren. „Situation: Keine Rote Karte. Überprüfung: Foulspiel“ hieß es da zunächst. Und später als Auflösung: „Entscheidung: Rote Karte.“ Kurz und knapp, aber besser als nichts.

    Köllner bekannte übrigens, er sei kein Freund des Videobeweises, aber man müsse sich auf ihn einstellen. Seinen Spielern empfiehlt er, die Forderung nach einem Einsatz des Videobeweis beim Schiedsrichter solle stets „gut und charmant rüberkommen“.

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