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    Frankfurt / Main

    Triathlon in Deutschland: Langstrecke contra Kurzdistanz

    Faris Al-Sultan
    Faris Al-Sultan ist Bundestrainer der deutschen Triathleten. Foto (Archiv): Thomas Frey Foto: Thomas Frey

    Es ist Hoch-Zeit in Triathlon-Deutschland. Ironman-EM in Frankfurt/Main mit den drei aktiven deutschen Weltmeistern an diesem Sonntag.

    WM-Rennen über die Kurzstrecke eine Woche später in Hamburg, zudem das legendäre Langdistanzrennen in Roth. Weitere drei Wochen später steigt in Hamburg der zweite Ironman in Deutschland in diesem Jahr.

    Schwimmen, Radfahren, Laufen. Von 500 Metern Schwimmen auf der Sprintdistanz bis 3,8 Kilometern auf der langen Kante. Von 20 Kilometern auf dem Rad bis 180, von fünf Kilometern Laufen bis zum Marathon. Je länger es wird, umso größer sind die deutschen Erfolgsaussichten. Das ist auch ein Problem. „Wir kannibalisieren uns selbst etwas”, sagte Faris Al-Sultan in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

    „Viele Leute sehen Ironman und sagen sich: Geil, das will ich auch mal machen.” Kinder und Jugendliche würden dann in einen Triathlonverein gehen. „Das Problem ist: Die lernen dort schwimmen, aber nicht auf dem Niveau, wie man es für die Kurzdistanz bräuchte.”

    Al-Sultan muss es wissen. Er selbst wurde 2005 Weltmeister im Ironman-Mekka Hawaii, er selbst gewann 2011 die EM in Frankfurt. Er ist nun Trainer des zweimaligen Ironman-Weltmeisters Patrick Lange. Al-Sultan ist aber auch der Chefcoach bei der Deutschen Triathlon-Union. Al-Sultan übernahm den Posten als Bundestrainer kurz nach Langes zweitem WM-Triumph.

    „Faris soll mit seinem großen Erfahrungsschatz, den er als Athlet und Trainer sammeln konnte, hilfreiche Impulse für den olympischen Triathlon geben, und er wird aufgrund seiner Persönlichkeit zugleich Vorbild und Leitfigur sein”, sagte damals DTU-Sportdirektor Jörg Bügner.

    Denn so stark die deutschen Triathleten über die Langdistanz sind mit den Champions Lange (32 Jahre/Hawaii-Sieger 2017 und 2018), Jan Frodeno (37/2015 und 2016)) und Sebastian Kienle (34/2014) sowie einer großen Zahl weiterer Ironman-Sieg- und -Podiumskandidaten, so sehr kämpft Al-Sultan mit seinen neuen Schützlingen um den Anschluss an die Weltspitze auf den deutlich kürzeren Strecken.

    „Wir haben aktuell das Problem, dass wir ganz wenige Athleten im absoluten Hochleistungsbereich haben”, meinte Al-Sultan: „Wir haben Athleten, die zu jung sind, auch trainingsmäßig. Wir haben Athleten, die nicht genug trainieren. Wir haben ganz wenige, die richtig, richtig bereit sind für die Aufgaben.”

    Doch Olympia ist nahe. In einem Jahr will Deutschland zumindest beim Mixed-Relay, einem packenden Staffelwettbewerb dabei sein. Erfolge beim größten Sportereignis der Welt sind seit langem aber Fehlanzeige. Genau genommen seit dem Olympiasieg von Frodeno 2008 in Peking. Im Jahr zuvor hatte Daniel Unger in Hamburg den WM-Titel gewonnen. 2012 wurde Frodeno in London Sechster. 2016 folgte der Tiefpunkt für die deutschen Dreikämpfer: Kein deutscher Mann am Start. Die beste Deutsche, Laura Lindemann, wurde 28. „Es kann nicht jedes Jahr ein Jan Frodeno aus der Pampa hüpfen”, meinte Al-Sultan.

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