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    FUSSBALL: 2. BUNDESLIGA

    Trotz des verpassten Sieges: Auf dem Weg zum Canadi-Club

    30 08 2019 Fussball Saison 2019 2020 2 Fussball Bundesliga 05 Spieltag 1 FC Nürnberg N
    Bist deppert? Die spontane Reaktion von Club-Trainer Damir Canadi auf den Heidenheimer Ausgleich. Am Lob für den besten Auftritt seiner Mannschaft in der noch jungen Saison änderte das aber nichts. Foto: Zink, Imago

    Wenn der Österreicher Damir Canadi mit Journalisten spricht, die über den 1. FC Nürnberg schreiben, dann ist er sehr ums Hochdeutsche bemüht. Dass dem Trainer am Freitagabend bei seiner Analyse zwischendurch unvermittelt ein Satz im Dialekt herausrutschte, durfte man als Ausdruck seiner großen Erleichterung interpretieren. „Die Mannschaft war heut‘ richtig guat. I‘ hob‘ echt Spoß g‘hobt, drauß‘n zuzuschaun“, sagte Canadi und strahlte.

    Die Zweifel im Umfeld waren nach dem holprigen, unansehnlichen Saisonstart groß gewesen. Ob der neue Trainer wirklich zum Club passe, ob die alten und die vielen neuen Spieler seine taktischen Vorstellungen würden umsetzen können – oder ob das vielleicht auf ein riesengroßes Missverständnis hinauslaufen würde. Vielleicht zweifelte Canadi sogar selbst daran, ob ihm der Neuaufbau in Nürnberg nach dem Bundesliga-Abstieg in einem angemessenen Zeitraum gelingen würde. Nun sieht er viel optimistischer in die Zweitliga-Zukunft – und nicht nur er.

    „Der Club war halt wieder mal der Depp“

    Das klingt ziemlich paradox, weil der FCN trotz einer 2:0-Führung bis zur 82. Minute gegen den 1. FC Heidenheim nur ein 2:2-Unentschieden erreicht hatte und eine leidgeprüfte Bäckerei-Verkäuferin nicht die einzige war, die am Samstagmorgen seufzte: „Der Club war halt wieder mal der Depp.“ Dennoch war das fünfte das mit Abstand beste Saisonspiel, in Fortsetzung der druckvollen Schlussphase beim 1:0-Sieg gegen Osnabrück fünf Tage zuvor: Zupackend, schnell, mit viel Bewegung, rassigen Kurzpassfolgen und der stolzen Zahl von 28 Torschüssen.

    Dass nur der Ex-Heidenheimer Nikola Dovedan mit einem feinen Flugkopfball (30.) und Johannes Geis per spektakulärem Volleyschuss (70.) auch getroffen hatten, rächte sich ebenso wie die Unentschlossenheit bei den späten Heidenheimer Treffern durch Niklas Dorsch (82.) und Stefan Schimmer (84.). Beiden war jeweils ein Einwurf vorausgegangen. „Da müssen wir uns eine gewisse Naivität vorwerfen lassen. Und auch, dass wir das 3:0 nicht geschafft haben. Daran müssen wir arbeiten“, sagte Canadi. Aber es sei „trotzdem nicht mehr ganz so viel“ zu verbessern, ergänzte er.

    Das klang wieder erleichtert. Der Grundkurs Richtung Canadi-Club ist geschafft, nach dem Qualitätssprung gegen den Vorsaison-Fünften geht es nun an die Feinheiten. Für die zweiwöchige Länderspielpause hat sich der Trainer auch zum Ziel gesetzt, einige der zahlreichen Verletzten – wie Zugang Fabian Schleusener oder Adam Zrelak – wieder in den normalen Trainingsbetrieb zu integrieren.

    Großer Auftritt von Robin Hack

    Zur im Neuaufbau befindlichen U21-Nationalmannschaft reist hingegen Robin Hack, der bei seinem 78-Minuten-Einsatz gegen Heidenheim einen verblüffend starken Auftritt hingelegt hatte. Drei Tage nach seinem 21. Geburtstag war Hack als Pendler zwischen linkem Flügel und offensivem Mittelfeld kaum zu halten. Für nur 500 000 Euro hatte die TSG Hoffenheim das Talent abgegeben, Sportvorstand Robert Palikuca ist da wohl ein Schnäppchen gelungen.

    Ebenfalls für die U21 nominiert wurde Tim Handwerker, obwohl der Ex-Kölner, der zuletzt in den Niederlanden gespielt hatte, als Linksverteidiger noch nicht überzeugt hatte. Seinen Platz beim Club hat er wohl erst einmal an Fabian Nürnberger verloren, der aktuell wohl eher das Zeug zu haben scheint, legitimer Nachfolger des zum HSV abgewanderten Tim Leibold zu werden. „Fabian war schon früher nah dran, hat sich aber zwei Mal verletzt“, sagte Trainer Canadi.

    Keine Diskussionen gibt es mehr darüber, dass der Champions League erfahrene Geis und Kapitän Hanno Behrens auf den Positionen sechs und acht die Taktgeber der Mannschaft sind. Behrens hat sein Formtief, das ihm gegen Osnabrück einen Platz auf der Bank eingetragen hatte, überwunden, agierte gewohnt überlegt und scheiterte bei drei Kopfballversuchen nur knapp. Wenn Canadi über Geis spricht, dann kann er mit seiner Begeisterung nur schwer hinter dem Berg halten: „Sein Tor war überragend, er hatte es sich auch verdient.“ Für den schussgewaltigen Unterfranken war das 2:0 der 14. Treffer im Profifußball und schon der elfte, den er von außerhalb des Strafraums erzielte.

    Geis freute sich, dass die Mannschaft beim Gang in die Nordkurve trotz des entgangenen Sieges nur Positives zu hören bekam: „Der Tenor war, dass sie uns immer unterstützen werden, wenn wir mit so viel Ehrgeiz wie gegen Heidenheim Fußball spielen.“

    Sein Tor war überragend, er hatte es sich auch verdient.“
    Club-Trainer Damir Canadi über Mittelfeldspieler Johannes Geis

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