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    Yeosu / Gwangju

    Freiwasser-Staffel bejubelt Gold - Lurz: „Note 1 mit Stern”

    Überraschungssieger
    Die Gold-Staffel: Lea Boy (r-l), Sarah Köhler, Sören Meißner und Rob Muffels. Foto: Mark Schiefelbein/AP

    Für die Freiwasser-Staffel gab es vom Bundestrainer „Note 1 mit Stern”, die Beckenschwimmer läuteten die heiße Phase ihrer WM-Mission ein.

    Das Gold-Quartett Lea Boy, Sarah Köhler, Sören Meißner und Rob Muffels jubelte über überraschendes WM-Gold und stockte die deutsche Bilanz in Südkorea auf nun zwei Titel und zwei Bronzemedaillen auf. Nach der Nullnummer vom Balaton 2017 sind die Freiwasserschwimmer plötzlich wieder Edelmetall-Garanten. Sie sollen auch ihre Kollegen in der Halle pushen. Von einem öffentlichen Zwist lassen sich die Sportler nicht stören - sie feiern lieber ihre Erfolge.

    Sichtlich ergriffen genoss das Staffel-Team im Regen von Yeosu ganz oben auf dem Podest die deutsche Nationalhymne und scherzte auf der anschließenden Pressekonferenz mit den zweitplatzierten Italienern. Zwei WM-Titel hatte es für den Deutschen Schwimm-Verband zuletzt 2015 in Kasan gegeben, zweimal Gold im Freiwasser 2013 in Barcelona - damals noch mit Rekordweltmeister Thomas Lurz, der sich in der Heimat mit dem Team freute.

    „Die ganze Woche ist ein Wahnsinn!”, sagte sein Bruder, Bundestrainer Stefan Lurz euphorisch. „Hut ab vor allen Vier.” Innerhalb von nicht einmal 48 Stunden sorgten seine Athleten dafür, dass die medaillenlosen Weltmeisterschaften in Ungarn - die ersten ohne Edelmetall für die Freiwasserschwimmer seit 1994 - mittlerweile wie ein Schauermärchen aus lange vergangener Zeit wirken.

    Nachdem Ausnahmekönner Florian Wellbrock mit Gold sowie Muffels und Leonie Beck mit Bronze vorgelegt hatten, zeigte die Staffel über 4 x 1,25 Kilometer, dass sie es auch ohne ihren Shootingstar drauf hat. Und wie! Wellbrock sah von der Tribüne, wie seine Kollegen und Freundin Köhler in 53:58,7 Minuten eindrucksvoll zum Titel schwammen.

    Nach Jubel, Siegerehrung und kurzer Pause trat das Paar aus Magdeburg mit Gold im Gepäck die Fahrt ins rund anderthalb Stunden entfernte Gwangju an. Das Freiwasserteam hat geliefert, jetzt sollen die Beckenschwimmer nachlegen.

    „Ich bin sicher, geteilte Freude ist absolut ansteckend für die eigene Leistung”, sagte Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen der Deutschen Presse-Agentur. Muffels sieht das ähnlich: „Wir haben uns hier als gesamte deutsche Mannschaft super präsentiert und ich denke, das gibt auch Aufschwung für unsere Beckenschwimmer.” Ein Großteil des Teams erreichte am Donnerstag den WM-Ort, wo schon ein Training im Becken anstand.

    Der 24-jährige Muffels bescheinigte auch den Wasserballern einen Tag vor deren letztem Gruppenspiel gegen Italien und den Wasserspringern „einen super Job”. Im Nambu University Aquatics Center ging Wasserspringer Patrick Hausding vom Drei-Meter-Brett viel Risiko, wählte ein sehr anspruchsvolles Programm und wurde Sechster. Xie Siyi holte im zehnten Sprung-Wettkampf dieser Titelkämpfe das zehnte Gold für China. Rekordeuropameister Hausding hatte sein Ziel mit dem gelösten Olympia-Ticket durch den Finaleinzug bereits erreicht. Den zweiten Tokio-Startplatz für das Team von Bundestrainer Lutz Buschkow sicherte am Donnerstag Tina Punzel.

    Abseits der Wettkampferfolge setzte sich der Zwist zwischen dem ehemaligen Chefbundestrainer Henning Lambertz und dem Leistungssportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes Thomas Kurschilgen fort. Lambertz kritisierte Kurschilgen und bezeichnete diesen als verantwortlich für seinen Rücktritt.

    „Ausschlaggebend für meinen Rückzug war er. Das weiß er, Familie und der Rücktritt von (Präsidentin) Gabi Dörries waren ebenso Punkte, die mich nachdenklich machten”, sagte Lambertz, „aber er war es mit seinem Verhalten, der für meinen Rücktritt den Ausschlag gab. Ich hätte ihm eine Menge von Antworten auf Fragen geben können und wollen, aber dafür hätte er sich mit mir mal unterhalten müssen.”

    Kurschilgen mache sich die Welt in „Pippi-Langstrumpf-Manier” wie sie ihm gefalle, sagte Lambertz bezogen auf eine Kurschilgen-Aussage in der „Süddeutschen Zeitung”. „Zunächst hat Henning Lambertz sich freiwillig zurückgezogen. Daraus kann man schlussfolgern, dass er, von Interviews abgesehen, selbst keine Antworten mehr liefern konnte oder wollte”, hatte Kurschilgen gesagt. Ende 2018 hatte Lambertz - offiziell aus persönlichen Gründen - das 2013 übernommene Amt niedergelegt.

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