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    Sinsheim

    Wolfsburg mit Wucht und Weghorst

    Wout Weghorst
    Wolfsburgs Wout Weghorst hat auch ein Herz für die Fans. Foto: Uwe Anspach/dpa

    Über das verschwitzte Hemd von Wout Weghorst freute sich der Junge im Sinsheimer Stadion derart, dass er zu weinen begann. Der Matchwinner beim 3:2 (1:1) des VfL Wolfsburg bei der TSG 1899 Hoffenheim hatte den Fan mit dem Plakat schon während des Spiels entdeckt.

    „Wout, bitte gib mir dein Trikot”, stand da auf niederländisch. Der Torjäger tat ihm den Gefallen. „Wenn du siehst, dass du jemand so glücklich machen kannst, dann ist es noch schöner”, sagte die 1,97-Meter-Kante nach dem Abpfiff. Mit der Wucht von Weghorst geht der Club nun in die K.o.-Runde der Europa League.

    Rechtzeitig vor der Partie am Donnerstag gegen Malmö FF beendete der Stürmer seine Flaute. Zuletzt hatte Weghorst am 1. Dezember getroffen, danach folgten sieben torlose Partien. „Das muss einfach allen ein Riesengefühl geben und sehr viel Selbstvertrauen. In dieser Phase ist der Sieg extrem wichtig für uns”, sagte der 27-Jährige.

    Nicht das Trikot, aber den Ball mit den Unterschriften seiner Mitspieler nahm Weghorst mit nach Hause. „Der bekommt einen schönen Platz” - neben zwei weiteren Spielgeräten, die seine beiden ersten Dreierpacks in der Fußball-Bundesliga dokumentieren. „Ich sage immer: Ich spiele Fußball für das Gefühl, wenn du ein Tor machst. Heute habe ich das dreimal erleben können. Das war einfach super”, meinte er lächelnd.

    Weghorst ist der erste Profi seit Beginn der Datenerfassung 2004/05, der in einer Partie im Oberhaus zwei Elfmetertore schoss - und einen Strafstoß verschuldete. Der Angreifer war in der Partie mit vielen Videobeweisen fast an allen wichtigen Szenen beteiligt. Zunächst verwandelte der viermalige Oranje-Nationalspieler, der auf eine EM-Teilnahme im Sommer hofft, den Elfer zum 1:0 (18.). Vorausgegangen war ein Handspiel von Sebastian Rudy.

    In der 40. Minute köpfte Weghorst aufs Hoffenheimer Tor, Admir Mehmedi drückte den Ball über die Linie. Doch Referee Sören Storks nahm den Treffer nach Rücksprache mit den Videoassistenten zurecht zurück - Mehmedi stand im Abseits. Nach dem Ausgleich durch Christoph Baumgartner (45.) stand in der 52. Minute wieder ein Videobeweis an.

    „Für mich ist das ganz klar kein Elfmeter”, sagte später Benjamin Hübner. Hoffenheims Kapitän wunderte sich wie die 22 506 Zuschauer darüber, dass der Schiedsrichter das Spiel zunächst weiter laufen ließ, dann aber doch auf Strafstoß entschied. Denn Wolfsburgs Kevin Mbabu war im Strafraum im Rasen hängen geblieben, bevor ihn Hübner traf. Weghorst verwandelte jedenfalls zum 2:1 - mit Mühe.

    „Katastrophal geschossen” sei der gewesen, räumte Weghorst später ein. Denn Torhüter Oliver Baumann hatte geahnt, dass der Schütze in die Mitte zielen würde. „Es ist immer schwierig, wenn du zweimal einen Elfmeter schießen musst. Da geht der Gedanke von links nach rechts.” Trotz der vielen Spielunterbrechungen wollten am Ende weder TSG-Coach Alfred Schreuder noch sein Kollege Oliver Glasner über den Referee und die Videoassistenten meckern. „Die Schiedsrichter wurden in letzter Zeit oft kritisiert. Heute war es ganz schwierig, aber er hat das sehr, sehr gut gemacht”, sagte Glasner.

    Nach einer Stunde war Weghorst der Gelackmeierte von Storks VAR-Helfer Deniz Aytekin und Eduard Beitinger im Kölner Keller. Weil er in der Mauer beim Freistoß von Robert Skov ein Handspiel begangen hatte, gab es noch einen dritten Strafstoß. Aber das war Weghorst am Ende „scheißegal”: Mit einem Heber traf er noch zum 3:2 (71.) - sein zehntes Saisontor. Ganz ohne Videobeweis.

    Von Ulrike John, dpa

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