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    Waldfenster

    Als der TSV Volkers in Waldfenster kapitulierte

    Die Duelle der beiden Rhön-Vereine waren immer intensiv. Mit dem Remis im Mai 2003 verabschiedeten sich die Gäste aus dem Aufstiegsrennen.
    In dieser Szene grätscht der Volkerser Andreas Brust (Bildmitte) vergeblich in einen Schuss von Jens Baumann (rechts) vom TSV Waldfenster. Foto: ssp       -  In dieser Szene grätscht der Volkerser Andreas Brust (Bildmitte) vergeblich in einen Schuss von Jens Baumann (rechts) vom TSV Waldfenster. Foto: ssp
    In dieser Szene grätscht der Volkerser Andreas Brust (Bildmitte) vergeblich in einen Schuss von Jens Baumann (rechts) vom TSV Waldfenster. Foto: ssp

    "Volkerser Kapitulation" titelte der Lokalsport der Heimatzeitung am Montag, 26. Mai 2003. Gemeint war das Ende der Aufstiegsambitionen des TSV Volkers in der A-Klasse KG 3. Ein 2:2 beim von Lampi Papadopoulos trainierten TSV Waldfenster reichte einfach nicht, um der direkten Konkurrenz aus Sandberg und Gefäll Platz zwei noch streitig zu machen. Weil sowohl Waldfensters Jochen Wittmann als auch Gästeakteur Marco Vogler den dritten Treffer ihrer Elf verpassten, blieb es damals beim gerechten Unentschieden.

    Berühmt-berüchtigtes Spielfeld

    Der Volkerser Dauerbrenner Heiko Zeier erinnert sich noch recht gut an die Partie: "Wir waren bis zum letzten Drittel der Saison immer auf Schlagdistanz zu Tabellenführer Weisbach. In den letzten Spielen ging uns durch Verletzungspech und unglückliche Punktverluste die Luft aus. Die Spiele gegen Waldfenster waren immer sehr enge, kampfbetonte und nervenaufreibende Partien. Daheim behielten wir oft die Oberhand, aber auf dem berühmt-berüchtigten Waldfensterer "Acker" (lacht) haben wir uns sehr schwer getan. Ich hatte es in den Spielen meist mit Stefan Eckert als Gegenspieler zu tun. Das waren körperlich intensive, aber trotzdem faire Duelle."

    Auch Eckert erinnert sich gerne an diese "heißen Fights": "Die Volkerser hatten zum Teil schon eine bärenstarke Truppe. Die Brust-Jungs zum Beispiel. Jens war sauschnell und technisch eine Granate, Michael ihr Defensiv-Chef. Gegen ihn habe ich auch die letzten Jahre noch gerne gespielt. Und gegen das Volkerser Kopfballungeheuer Heiko Zeier musste ich nur zu oft anspringen. Das hat schon Spaß gemacht, weil wir uns gegenseitig forderten." Eckert selbst musste beim 2:2, nachdem er in den ersten 45 Minuten als Mittelfeldantreiber per Kopf noch den Pfosten getroffen hatte, zur zweiten Hälfte in den Kasten. Grund war die verletzungsbedingte Auswechslung von Keeper Heiko Schade. "Stefan stand ja in der Jugend zwischen den Pfosten und ist heute noch unser Aushilfs-Torwart", sagt Waldfensters Abteilungsleiter Jochen Schlereth und nennt auch gleich den Grund: "Er ist, wie alle Eckerts, nicht nur ein begnadeter Fußballer , sondern auch ein super Torhüter , wie es schon sein Vater Mike war."

    Ein Kick voller Emotionen

    Schlereth war damals verletzungsbedingt nicht mit von der Partie, trotzdem bezeichnet der 48-Jährige diese Rhön-Duelle als etwas Besonderes: "Volkers kickte fast immer um den Aufstieg, während wir meist im Tabellenkeller zu finden waren. Das änderte sich für uns erst mit Wolfgang Schmitt als Trainer und einigen Talenten um die Jahrtausendwende. Auf dem Platz ging es immer voller Emotionen und mit gesunder Härte zu, aber nach dem Spiel war alles freundschaftlich."

    Mit auf dem Platz war auch Jens Baumann, der für zwei Jahre das Waldfenster-Trikot trug und auf dem Bild beim Torabschluss neben seinen Teamkameraden Gerhard Müller sowie Jan Schlorke zu sehen ist. "Jens Baumann kam damals aus dem oberfränkischen Weismain auf Vermittlung von Stefan Eckert zu uns, da beide zusammen die Polizeiausbildung absolvierten. Er war ein sehr guter Fußballer und die Zuverlässigkeit in Person", erinnert sich Jochen Schlereth an den damaligen Mitspieler. und Stefan Eckert ergänzt: "Ein richtiger Sportkamerad, der immer alles gegeben hat und sich schnell integriert und am Vereinsleben teilgenommen hat."

    Schnulli, der Kanonier

    Bei Gerhard Müller war auf dem Platz laut Schlereth der Name Programm: "In der Jugend schoss "Schnulli", wie er bei uns genannt wird, mal 40 Tore in einer Saison. Er war ein richtiger Knipser. Dann wurde er mal von einem Trainer zum Abwehrspieler umfunktioniert und spielte von da an hinten, immer mit Vollgas. Den Kopf hängen zu lassen, das gab es bei ihm nicht. Und Jan Schlorke war ein ruhiger Vertreter seiner Zunft , immer bemüht alles zu geben, ein netter Zeitgenosse."

    Auf Seiten der Gäste agierte in der Defensive unter anderem Andreas Brust, der sich im Bild vehement in den Schuss von Baumann wirft. "Ich würde ihn als Jürgen Kohler des TSV Volkers bezeichnen. Das sagt eigentlich alles", charakterisiert Heiko Zeier den Abwehrstrategen. "Eigentlich bin ich nur als 'Wildsau' bekannt. Man müsste den Heiko fragen, wo er das herhat", entgegnet Andreas Brust süffisant, der auch heute noch ab und an die Kickstiefel schnürt. "Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich nochmal bei allen Mannschaften für die schönen Spiele bedanken und mich bei denjenigen entschuldigen, wo es mal etwas härter war. Ich hoffe, dass es auch in Zukunft weitergeht", sagt der 36-Jährige.

    Heißblütige Fans

    Auch für Brust waren die Spiele gegen Waldfenster immer "heiße Derbys mit teils sehr lauten und aufgeregten Zuschauern." An das 2:2 kann er sich nicht erinnern: "Aber die Gesichter auf dem Bild erkenne ich noch. Mit den Jungs von damals zu kicken, hat einfach Spaß gemacht. Heiko Zeier war bei uns neben dem Toreschießen und dem Herausholen einiger umstrittener Freistöße und Elfmeter auch für die Stimmung in der Kabine zuständig und ist das heute noch." Heiko Zeier, mittlerweile 40 Jahre alt und dritter Vorstand im Verein, kickt ab und an immer noch mal bei den Herren mit. "Als Notnagel helfe ich schon noch aus, wenn es personell einmal klemmt."

    Für die jüngere Generation hat der beinharte Abwehrmann Andreas Brust noch einen wohlgemeinten Ratschlag: "Die Herrschaften sollten wieder mal mehr ihren Hintern bewegen, anstatt nur vor dem Computer zu sitzen."

    TSV Waldfenster Heiko Schade, Mario Dietrich, Timo Kleinhenz, Jochen Wittmann, Timo Wolf, Jan Schlorke, Manuel Vorndran, Jens Baumann, Steffen Schade, Stefan Eckert, Alexander Tandler; Einwechselspieler: Peter Schlereth, Gerhard Müller , Jürgen Dietrich.

    TSV Volkers Manfred Karg, Andreas Bust, Peter Müller , Michael Brust, Thomas Brust, Marco Vogler, Jens Brust, Stefan Dobritz, Heiko Zeier, Christian Zeitz, Markus Brust; Einwechselspieler: Stefan Statt, Andreas Sperl, Erol Sevinc, Oliver Brust .

    Tore 0:1 Christian Zeitz (10.), 1:1 Steffen Schade (29.), 1:2 Peter Müller (67.), 2:2 Alexander Tandler (69.)

    BilanzDer TSV Waldfenster siegte am vorletzten Spieltag der Saison 2002/2003 noch mit 2:0 in Unterweißenbrunn und bekam zum Saisonausklang gegen Schönderling/Geroda die Punkte am grünen Tisch zugesprochen. Damit belegte man am Ende mit 36 Zählern und einem Torverhältnis von 47:53 den sechsten Tabellenplatz. Der TSV Volkers unterlag in seinem letzten Spiel dem souveränen Meister DJK Weisbach deutlich mit 1:5 und belegte im Endklassement mit 41 Punkten und 70:60 Toren den vierten Platz. Nach Meister Weisbach (61 Punkte) folgten die DJK Gefäll (49) und der FC Sandberg (47) auf den Rängen zwei und drei.

    Stephan Penquitt

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