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    Maßbach

    Als Sebastian Händel Staatsgast in Turkmenistan war

    Warum der Hobby-Kicker aus Maßbach in seinem Beruf regelmäßig Fußball-Profis trifft und einem Präsidenten eine Expertise gab.
    Sebastian Händel (Bildmitte) verfolgt am Bildschirm die Leistungs-Messung eines Sportlers. Foto: Cosmed       -  Sebastian Händel (Bildmitte) verfolgt am Bildschirm die Leistungs-Messung eines Sportlers. Foto: Cosmed
    Sebastian Händel (Bildmitte) verfolgt am Bildschirm die Leistungs-Messung eines Sportlers. Foto: Cosmed

    Die Tage in Turkmenistan kommen Sebastian Händel immer noch vor wie ein surreales Schauspiel. Ein spezielles Erlebnis, Seite an Seite mit Staats-Chef Gurbanguly Berdimuhamedow . Ein paar Wochen zuvor war der Maßbacher schon einmal in Awaza am Kaspischen Meer gewesen. Beruflich. Denn der 36-Jährige arbeitet als Sportwissenschaftler für die Firma Cosmed, die einen ganz besonderen Auftrag erhalten hatte. "Wir sollten dort ein neues Diagnostik-Zentrum ausstatten.

    In der Vorbereitung auf die Asienspiele im Sommer 2017 hatte das Land sehr viel in die sportliche Infrastruktur investiert", sagt Händel, der beim Wiederbesuch geladener Staatsgast war zur Einweihung des Zentrums im touristisch geprägten Awaza. "Beim Inlandsflug saß ich sogar in einer Regierungs-Maschine. Dann wurde ich abgeholt von einem Auto mit Chaffeur, der auf gesperrten Straßen zum staatlichen Trainingszentrum fuhr. Dort durfte ich, bewacht von einem großen Security-Aufgebot, dem Präsidenten unsere Labor-Einrichtung erklären."

    Immer noch aktiver Fußballer

    Die Unterweisung hatte Berdimuhamedow offensichtlich beeindruckt, denn anschließend durfte der Maßbacher die komplette Führung durch das riesige Areal mit mehreren Gebäuden mitmachen. "Am Abend war ich sogar im Fernsehen. Das war ein Erlebnis", erinnert sich Händel, der ungeachtet solcher Abenteuer dem Fußball treu geblieben ist, früher für den TSV Maßbach , jetzt für den Fusionsverein FC WMP Lauertal seine Tore schießt. Was möglich ist, weil das Vertriebsbüro von Sebastian Händel im Autohof von Werneck steht. "Im Schnitt bin ich zweimal in der Woche mit meinem Achtsitzer im Außendienst unterwegs. Da kommen reichlich Kilometer zusammen."

    Nach dem Studium der Sportwissenschaft in Würzburg hatte Händel für ein Jahr ein Fußball-Projekt in Gießen begleitet und wechselte danach in den Bereich der Leistungsdiagnostik und Medizintechnik . Bei Cosmed, einem Hersteller von Medizin-Produkten mit Mutterkonzern in Rom, ist der Unterfranke als Sportwissenschaftler angestellt und mittlerweile Vertriebsleiter für Deutschland, Österreich, die Schweiz, Tschechien und Slowenien. "Wir haben ein breites Portfolio an Produkten von klein bis komplex für die Diagnostik von Herzkreislauf-Systemen, der Lunge oder die Muskulatur. Ein Schwerpunkt ist die Messung von Belastungs-Kapazitäten von Athleten, aber auch Patienten", sagt Händel über seine expandierende Firma, die aktuell "nach jungen und motivierten Mitarbeitern mit sportwissenschaftlichem Knowhow" die Fühler ausstreckt.

    Zum Kunden-Kreis gehören sportmedizinische Institute, Physio-Praxen, aber auch Profi-Vereine samt ihren Sportmedizinern , die beispielsweise in die sogenannte Spiroergometrie investieren, um die Belastbarkeit von Lunge, Herz und Kreislauf zu testen. "Wir sind in der Lage, den Anwendern darüber hinaus eine Mehrwert-Kombination von Elementen anzubieten wie Laufbänder, Fahrrad-Ergometer oder auch eine Laktat-Messung", erklärt Händel.

    Vor einigen Tagen war der Maßbacher bei der Paracelsus-Klinik in Bremen, einem medizinischen Kooperationspartner des Fußball-Bundesligisten, der direkt am Weserstadion sitzt. "Dort wurden an unseren Geräten sportmedizinische Untersuchungen für die U23 und andere Nachwuchs-Mannschaften von Werder durchgeführt, die wir kontrollierend begleitet haben", sagt Händel, der die Profis samt ihren Trainer Florian Kohfeldt zumindest trainieren sah. "Wenn deren Untersuchung ansteht, bin ich vielleicht auch wieder dabei."

    Auf der Kundenliste stehen diverse Bundesligisten, sogar Real Madrid . Besonders intensiv testet aber der FC Bayern München mit Cosmed-Produkten. "In dem Umfang macht das kein Verein in Deutschland. RB Leipzig kommt vielleicht noch in diese Dimensionen", weiß Sebastian Händel, der das erste Mal in 2017 an der Säbener Straße war, um den Profi-Kader um Philipp Lahm , Thomas Müller , Douglas Costa oder auch Trainer Pep Guardiola an zwei Tagen in einer Sporthalle durchzutesten - und das als bekennender Fan des Rekordmeisters.

    Am neuen FC Bayern-Campus stehen allein vier Systeme von Cosmed für die U-Mannschaften zur Verfügung, weshalb Sebastian Händel mit seinen Kollegen regelmäßig in der Landeshauptstadt weilt. "Wir sind kein klassisches Vertriebsunternehmen, sondern ein Experten-Team, das den Kunden entsprechend beraten kann." Und wenn es die Aufgabe erfordert, wird auch mal ein Staats-Oberhaupt aus einem fernen Land mit einer sportwissenschaftlichen Expertise von einem Hobby-Kicker aus dem Lauertal versorgt.

    Jürgen Schmitt

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