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    LKR Bad Kissingen

    Außer Ramsthal hat keiner Lust auf Gruppentraining

    Die Fußballer dürfen wieder trainieren - wenn sie denn wollen. Doch davon sehen die meisten Vereine im Landkreis, mit einer Ausnahme, zunächst ab.
    Außer Ramsthal hat keiner Lust auf Gruppentraining

    Anfang der Woche wurden die restriktiven Maßnahmen, die coronabedingt eine sportliche Betätigung auf den Fußballplätzen verboten, gelockert. Die Klubs im Landkreis dürfen in Gruppen kicken. Doch das bedeutet für viele Klubs einen verstärkten organisatorischen Aufwand. Und außerdem ist nicht absehbar, wann der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird. Nach derzeitiger Lage frühestens am 1. September.

    Deswegen wird beim Landesligisten FC Fuchsstadt noch nicht gekickt. "Ich halte das derzeit für sinnlos", so Coach Martin Halbig . Er glaubt, dass es für seine Schützlinge wenig motivierend ist, sich 90 Minuten lang in Fünfer-Gruppen den Ball zuzuschieben - "den man dann weder köpfen noch in die Hand nehmen darf".

    Würde dies unabsichtlich passieren, müsste der Ball sofort desinfiziert werden. Das gilt auch für alle anderen Trainingsgeräte. Dies müsste dann ein Corona-Beauftragter, den der Verein vor dem Trainingsauftakt bestellen müsste, überwachen.

    Duschen im Sportheim ist auch nicht erlaubt. Am Kohlenberg gilt die Devise: "erst einmal die nächsten Wochen abwarten. Vor Anfang Juli wird es kein übliches Training geben; wir haben dann bis zum Saisonstart noch genügend Zeit für eine ordentliche Vorbereitung."

    Keine vier Monate Vorbereitung

    Dieses Zeitfenster hat auch Victor Kleinhenz, Noch-Coach des Bezirksligisten FC Thulba, im Auge. "Vier Monate Vorbereitung halte ich für demotivierend; die Sicherheitsvorkehrungen sind zudem extrem. Aktuell und noch bis Ende Juni halten sich die Spieler individuell fit. Das heißt, sie joggen." Erst danach wird Kleinhenz zu seinem neuen Verein TSV Aubstadt wechseln; Oliver Mützel übernimmt.

    Der Rannunger Trainer Klaus Seufert beendet auch erst die Runde beim TSV und wechselt dann zur SG Stadtlauringen/Ballingshausen. Er verzichtet derzeit ebenfalls auf ein Mannschaftstraining. "Abteilungsleiter Michael Hobelsberger, der Mannschaftsrat und ich haben in einer Videokonferenz beschlossen, dass das eingeschränkte Training fußballtechnisch nichts bringt. Die Sicherheitsbestimmungen sind zu hoch und ein Training ohne Wettkampfvoraussetzungen, also mit Zweikämpfen, wenig ergiebig."

    Die Rannunger Spieler halten sich individuell fit. "Ich plane den Trainingsauftakt circa sechs Wochen vor der offiziellen Fortsetzung der Runde", so Klaus Seufert.

    Beim Ortsnachbarn und Ligakonkurrenten FC Rottershausen sieht Coach Alexander Schott die Lage ähnlich. "Wir könnten zwar das Pass-Spiel üben. Aber alles andere, was im Training Spass macht, ist verboten." Schott will ebenfalls nichts überstürzen. "Oberstes Ziel ist die Vermeidung von Ansteckungen unter den Beteiligten, die sich ebenfalls individuell fit halten."

    Dabei greifen die "Spirken" zu einer außergewöhnlichen Methode: "Die Spieler beobachten sich bei ihren Fitness-Übungen per Videokonferenz gegenseitig und spornen sich so an". Der Fleiß der FCler sei "bewundernswert groß", lobt Schott seine Mannen.

    Ähnlich verläuft der Trainingsbetrieb beim TSV Wollbach. Abteilungsleiter Steffen Schmitt: "Vorstand, Abteilungsleitung, Trainer Michael Jahns und die Spieler haben die Sache durchdiskutiert, wir sind zur einstimmigen Entscheidung gekommen, dass das eingeschränkte Training nichts bringt, die Vorbereitungszeit viel zu lang ist und die Gefahr, dass sich bei einer Ansteckung die Spieler in Quarantäne begeben müssten, zu groß." Schmitt fürchtet, dass sich im Ansteckungsfall für den Verein die Haftungsfrage stellen würde.

    Sprints und 3000-Meter-Läufe

    Auf der faulen Haut liegen die Gelb-Schwarzen aber nicht. "Unser Trainer, der versucht, die Spieler bei Laune zu halten, hat ein individuelles Laufprogramm ausgearbeitet, das zum Beispiel Sprints und 3000-m-Läufe vorsieht", so Schmitt.

    Individuell geht es auch beim FC WMP Lauertal zu. Torjäger Stefan Denner sieht einen Trainingsbetrieb aufgrund der Auflagen für total unergiebig an. "Es ist ja nicht einmal ein Spaß-Training möglich." Abzuwarten, abwarten will auch Timm Manger, Coach der DJK Schondra . "Nach einem Gespräch mit Vorstand Michael Schröter sowie der Abteilungsleitung sind wir zum Ergebnis gekommen, dass ein Training unter diesen Umständen nichts bringt. Über den weiteren Verlauf werden die Spieler in der nächsten Woche informiert."

    Manger sieht erhebliche Motivationsprobleme in der mehrmonatigen Warteschleife. "Ich freue mich aber, dass nicht wenige Spieler selbstständig an ihrer Kondition feilen, was ich aber nicht kontrolliere."

    Mit einem anderen Problem schlägt sich Thomas Kraus, Abteilungsleiter der SG Bad Bocklet/Aschach, herum. "Ich muss erst einmal schauen, ob die Gemeinde die Plätze freigibt", schildert er die seiner Ansicht nach verfahrene Situation. Selbst bei einer gemeindlichen Freigabe würde das Team nicht trainieren, "denn ohne Zweikämpfe und unter Verzicht auf wichtige Übungen, wie zum Beispiel Kopfballspiel, ist ein Training doch völlig uninteressant".

    Nach längerer Suche fand sich dann doch noch ein Verein, der am Wochenende in den Trainingsbetrieb einsteigt. "Das hat mich allerdings überrascht", informiert Ramsthals Coach Tim Herterich. Denn die Initiative ging von der Mannschaft aus, "die ganz heiß darauf ist, wieder den Ball zu bewegen".

    Die Abteilungsleitung hat die entsprechenden Vorbereitungen, getroffen, mit Matthias Hallhuber einen Corona-Beauftragten bestimmt. Die Mannschaft wird sich am Samstagnachmittag zur ersten Trainingseinheit treffen. "Da werde ich dann zusammen mit meinem Co-Trainer Harry Bayer in Kleingruppen Passübungen und Torschuss-Training organisieren. Ansonsten freue ich mich, dass die Spieler in den letzten Wochen individuell etwas für ihre Fitness getan haben."

    Wie es dann mit dem Ligabetrieb weitergeht, steht nach Ansicht der Befragten in den Sternen. Entweder wird die Saison bis zum Ende des Jahres abgeschlossen und die Saison 2020/21 verkürzt. Oder der Verband setzt die Restspiele so an, dass sie von September 2020 bis Mai 2021 abgespult wird.

    Peter Balthasar

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