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    Obereschenbach

    Das erste Relegations-Match der DJK Schlimpfhof blieb das letzte

    Die DJK Schlimpfhof galt in der Relegation um den Aufstieg in die Kreisklasse gegen Bavaria Obereschenbach als Außenseiter. Dafür wurde es ein offenes Spiel.
    Rassiger Zweikampf: Der Obereschenbacher Sebastian Schübert (links) schirmt den Ball vor dem Schlimpfhofer Uwe Stoeck ab. Foto: Archiv/Hopf       -  Rassiger Zweikampf: Der Obereschenbacher Sebastian Schübert (links) schirmt den Ball vor dem Schlimpfhofer Uwe Stoeck ab. Foto: Archiv/Hopf
    Rassiger Zweikampf: Der Obereschenbacher Sebastian Schübert (links) schirmt den Ball vor dem Schlimpfhofer Uwe Stoeck ab. Foto: Archiv/Hopf

    Ein großer Zuschauerandrang herrschte am 29. Mai 2004 auf der Untererthaler Sportanlage - dabei lief die heimische Viktoria gar nicht auf. Grund für die proppevolle Arena war das Relegationsspiel um den Aufstieg in die Kreisklasse. Dafür hatten sich die DJK Schlimpfhof (2. der A-Klasse 1) und der FC Bavaria Obereschenbach (2. der A-Klasse 2) qualifiziert.

    Dass die "Bavaria" für einen Aufstieg in Frage kommen würde, war für so manchen Fußballexperten keine Überraschung. Denn die Kicker aus dem Hammelburger Stadtteil hatten schon vor Saisonbeginn zum Kreis der Aufstiegskandidaten gehört.

    Eher eine Überraschung war dagegen Platz zwei der "Schlümpficher", für so manchen gar ein Fußballwunder. Selbst ihr heutiger Vorsitzender Christoph Kleinhenz hatte damit nicht gerechnet. "Wir hatten damals aber eine Bombentruppe, deren Qualität außerordentlich war", erinnert sich der heute 44-Jährige, der selbst ab und zu noch auf dem Rasen aushilft.

    Er hat das Highlight der Vereinsgeschichte noch gut in Erinnerung, und zwar aus mehreren Gründen. "Ich wollte wegen meiner anstehenden Hochzeit und des Verletzungsrisikos eigentlich nicht spielen. Dies habe ich unserem Trainer zwei Tage vor dem Spiel mitgeteilt, ließ mich von ihm aber dazu bewegen, wenigstens auf der Bank Platz zu nehmen. Ausgerechnet im Abschlusstraining zog ich mir einen Meniskusriss zu, verfolgte dann das Spiel in Zivil und humpelte eine Woche später mit Krücken zum Traualtar ."

    Außenseiterrolle

    Seine Mitspieler und die sportlich Verantwortlichen sahen sich für das Relegationsmatch in einer Außenseiterrolle. Dieser Einschätzung wollte man beim Kontrahenten Obereschenbach nicht widersprechen. Doch weil Hochmut vor dem Fall kommt, "wollten wir den Gegner nicht unterschätzen", meinte FC-Libero Eric Schäfer.

    Nicht nur dieser trauerte noch etwas dem verpassten Direktaufstieg nach. Denn, obwohl in der Liga ungeschlagen, mussten er und seine Mannschaftskameraden dem ebenfalls unbesiegten FC Elfershausen im Endklassement Platz eins überlassen. Mit einem gewissen Trotz, aber gesundem Ehrgeiz, fuhren die Schützlinge von Thomas Höfling nach Untererthal . "Die erste Chance zum Aufstieg haben wir leider versemmelt; die 2. Chance wollten wir nutzen und die 3. Chance veredeln."

    Denn schon vor der Partie gegen die DJK war klar, dass der Sieger Tage später noch einmal ran musste. Im Relegationsfinale wartete der SV Albertshausen , Abstiegsrelegant aus der Kreisklasse. Dass der Gegner SV Albertshausen heißen würde, war vor allem für die Mannen von DJK-Spielertrainer Jan Mast ein zusätzlicher Ansporn, denn dann würde es zum klassischen Nachbarschaftsderby kommen. "Es bestand zwischen uns und unserem Nachbarverein schon immer eine gesunde Rivalität", sagt Christoph Kleinhenz.

    Für eine spannende Begegnung in Untererthal war also alles angerichtet. 650 Zuschauer fanden sich ein, davon gut die Hälfte aus Schlimpfhof, also fast die gesamte Ortsbevölkerung. Mit dieser Unterstützung im Rücken lieferten die DJKler eine grandiose Vorstellung ab. "Es war eines unserer besten Spiele in dieser Saison", so das spätere Fazit von Jan Mast.

    Dieser hatte seine Mitspieler mit einer Offensivtaktik auf den Rasen geschickt. Das Ziel hieß nicht: "langes Verhindern eines Gegentreffers mit der Hoffnung, ins Elfmeterschießen zu kommen", sondern: "Angriff ist die beste Verteidigung".

    Die Wucht der DJKler war über 90 Minuten so groß, dass FC-Coach Höfling nach dem Abpfiff seinem Keeper Marco Gehring ein Sonderlob zollte: "Er war unser bester Mann."

    Er und seine Obereschenbacher Kollegen staunten nicht schlecht, als der Keeper nach zehn Minuten das Leder aus dem Netz holen musste. Der damals 40-jährige "DJK-Altmeister" Harald Fehr hatte nach einer von Manuel Kleinhenz hereingegebenen Ecke eingenickt. Kleinhenz hätte die Führung eine Minute später fast ausgebaut, scheiterte aber am reaktionsschnellen Goalie Gehring.

    Dessen Mitspieler schüttelten sich nach dem Rückstand kurz und schafften den die Nerven beruhigenden zügigen Ausgleich. Höfling hebelte mit einem präzisen Pass die gegnerische Abwehrreihe aus und fand in Barry Wiskella eine Anspielstation. Dieser verlängerte direkt auf Marco Hofmann, der unbedrängt einnetzte.

    "Zwei blöde Fehler"

    20 Minuten später ließ sich der Torschütze nochmals feiern; neuerlich machte die gegnerische Deckung keine gute Figur. DJK-Kapitän Thomas Brand wie auch Alexander Hagl brachten den Ball nicht entscheidend weg. "Weil uns zwei blöde Fehler unterlaufen sind, haben wir das Spiel verloren", bilanzierte enttäuscht Jan Mast.

    Mit einer glücklichen Führung für den Favoriten ging es in die Kabine, aus der die "Schlümpficher" trotz großer Hitze weiter wagemutig herauskamen. Der FC wusste sich in der letzten halben Stunde mit Fortuna im Bunde, als DJK-Goalgetter Manuel Kleinhenz (22 Saisontreffer) drei Hochkaräter auf dem Schlappen hatte, (61., 70., 75.).

    "Wenigstens ein Treffer hätte ihm gelingen müssen", so Jan Mast, "denn mit einem 2:2 hätten wir es in die Verlängerung geschafft und wären wegen der beiden Ampelkarten, die den Gegner in der Schlussphase dezimierten, im Vorteil gewesen". So aber war für Mast & Co das erste Relegationsspiel das letzte.

    Mast verließ, wie länger angekündigt, nach dieser Begegnung die DJK. Die Obereschenbacher fieberten indes schon der entscheidenden Partie gegen die Albertshausener entgegen.

    Peter Balthasar

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