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    Bad Kissingen

    Der FC 06 hat aktuell kein Dach überm Kopf

    Nach der Kündigung des Pachtvertrags für die Sportgaststätte: Die angedachte Container-Lösung für den Sportpark nimmt Konturen an.
    Aus solchen Container-Modulen soll die neue Sportgaststätte des 1. FC 06 Bad Kissingen bestehen. Foto: Jürgen Schmitt       -  Aus solchen Container-Modulen soll die neue Sportgaststätte des 1. FC 06 Bad Kissingen bestehen. Foto: Jürgen Schmitt
    Aus solchen Container-Modulen soll die neue Sportgaststätte des 1. FC 06 Bad Kissingen bestehen. Foto: Jürgen Schmitt

    Auch an diesem Donnerstag sitzen die vier rüstigen Senioren an einem Tisch im Sportpark , um die wohl älteste Kartrunde in der Region am Laufen zu halten. Drei Spieler sind bereits über 90 Jahre alt, Karl Ernst ist der älteste mit sage und schreibe 97 Jahren. "66" wird gespielt, und das tatsächlich seit 1954. Allesamt Vereinsmitglieder des 1. FC 06 Bad Kissingen , die nach der Corona bedingten Pause endlich wieder ihrer Passion nachgehen dürfen.

    Allerdings nicht mehr im Vereinsheim des FC 06. Dort, wo im Jahr 2006 die Fußball-Nationalmannschaft von Ecuador noch ihre Pressekonferenzen in ihrem WM-Quartier an der Saale abgehalten hatte, ist jetzt ebenso der Stillstand eingezogen wie in der benachbarten Eishalle. Die vier Kartenspieler sind daher umquartiert worden in eine Ecke des Materialraums, die der Verein extra freigeräumt hat für seine Altvorderen.

    Keine Reaktion

    Wie berichtet, hatte der FC 06 den Pachtvertrag mit Besitzer Alexander Kondrashov gekündigt und inzwischen auch die (protokollierte) Schlüsselübergabe mit dem "Hausmeister" vor Ort über die Bühne gebracht. Einen Kontakt mit dem ukrainischen Geschäftsmann gab es seit Monaten nicht. "Da kam keine Reaktion, für mich ist das alles jetzt erledigt", sagt FC 06-Vorsitzender Wolfgang Werner. In seiner schriftlichen Kündigung hatte sich der Verein auf ein Sonderkündigungsrecht berufen, welches sich nicht zuletzt auf die Schließung der Eishalle beruft, durch die der FC 06 keine vertraglich vereinbarten Einnahmen durch die Gastronomie generieren kann.

    Quasi kein Dach über den Kopf hat also der Verein, was sich möglichst schnell ändern soll. Grünes Licht von Seiten der Stadt gibt es nämlich für ein provisorisches Vereinsheim aus Container-Modulen, die neu angeschafft werden sollen.

    "Wir sind in einem guten Dialog mit dem neuen Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel. Man hört uns zu und wir spüren Hilfsbereitschaft von Seiten der Stadt ", sagt Wolfgang Werner und verweist auf weitere Baumaßnahmen wie den notwendigen unterirdischen Anschlüssen. "Von der neuen Infrastruktur werden auch andere Vereine profitieren", so Werner, den die aktuelle Situation keineswegs unvorbereitet getroffen hat.

    Bereits im April 2016 hatte der Vereinsboss in einem Schreiben an die Stadt und Oberbürgermeister Kay Blankenburg seine Bedenken zum geplanten Verkauf der Eishalle und Sportgaststätte deutlich geäußert. "Die Vereinsführung des 1. FC 06 Bad Kissingen befürchtet, dass mit dem Verkauf der Gaststätte Veränderungen in der Nutzung eintreten werden, die die Existenz des 1. FC 06 gefährden könnten", hieß es dort unter anderem. Dazu hatte Wolfgang Werner auf mögliche Problematiken verwiesen, die nahezu prophetisch eingetroffen sind.

    Die Umkleide-Kabinen, das alte Sportheim, die Lagerhalle sowie die drei Spielfelder im Sportpark stehen übrigens nicht auf Kondrashov-Grund, sondern sind im Besitz der Stadt . Damit können die Bezirksliga-Kicker des FC 06 ab dem 23. Juli problemlos ihren Trainingsbetrieb aufnehmen. Wenn es aber ums gemütliche Beisammensein geht, wird vorerst Improvisations-Talent gefragt sein.

    Jürgen Schmitt

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