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    Oberthulba

    Der TSV Oberthulba und die verpasste Aufstiegs-Chance

    Vor der Begegnung mit der DJK Seubrigshausen am 20. April 2002 liebäugelten die Oberthulbaer mit dem Aufstieg in die Bezirksliga. Doch sie hatten einen wesentlichen Nachteil.
    Hautenge Begegnung im Oberthulbaer Strafraum: Stefan Eyrich-Halbig, Marco Mayer und Stefan Muth (im roten Trikot) stemmen sich gegen die Seubrigshäuser Gerd Köhler und Dirk Schneider. Foto: Wolfgang Lutz       -  Hautenge Begegnung im Oberthulbaer Strafraum: Stefan Eyrich-Halbig, Marco Mayer und Stefan Muth (im roten Trikot) stemmen sich gegen die Seubrigshäuser Gerd Köhler und Dirk Schneider. Foto: Wolfgang Lutz
    Hautenge Begegnung im Oberthulbaer Strafraum: Stefan Eyrich-Halbig, Marco Mayer und Stefan Muth (im roten Trikot) stemmen sich gegen die Seubrigshäuser Gerd Köhler und Dirk Schneider. Foto: Wolfgang Lutz

    "Knapp daneben ist auch vorbei", hieß es für den TSV Oberthulba nicht nur nach dem Match am 20. April 2002 gegen die DJK Seubrigshausen , das 1:1 endete, sondern auch für den Rest der Kreisliga-Saison 2001/02. Denn vor dem Spiel lagen die Schützlinge von Bruno Heer als Tabellenzweiter mit 43 Punkten aussichtsreich im Rennen um Platz Eins, im Endklassement sprang nur Rang vier mit kümmerlichen vier Punkten mehr heraus.

    "Vom spielerischen Potenzial hätte mehr drin sein können", erinnert sich das TSV-Urgestein Stefan Eyrich-Halbig, "wir besaßen damals eine Bombentruppe mit einer guten Mischung aus Alt und Jung. Ich selbst war damals aus der eigenen Jugend in die Herrenmannschaft gewechselt und war sofort integriert."

    Alter Hase Peter Haase fehlte

    Die "Alten Hasen" waren insbesondere in der Offensive zu finden. Das Angriffsduo Thomas Zeiler und Peter Haase, der zuvor erfolgreich Landesliga-Luft in Waldberg geschnuppert hatte (erinnert sei an seinen Ehrentreffer bei der 1:16-Niederlage im DFB-Pokal gegen Bayern München ) war bei allen gegnerischen Abwehrreihen gefürchtet.

    Doch Zeiler, von nicht wenigen seiner Trainer als "schlampiges Talent" bezeichnet, lief gegen die Seubrigshausener als Alleinunterhalter in der Offensive auf. Der pfeilschnelle Haase musste verletzungsbedingt passen. "Sein Fehlen hat sich negativ bemerkbar gemacht", resümierte nach dem Abpfiff Bruno Heer, der ob der Überlegenheit des Kontrahenten aus dem östlichen Landkreis in 90 Minuten zum Kettenraucher wurde.

    Heer erlebte kampfstarke Gäste, die sich durch eine vorzügliche Raumaufteilung und gepflegtes Pass-Spiel eine Dominanz erarbeiteten, die zwar in vielversprechenden Torchancen mündete, die aber zunächst ohne Erfolg blieb. Die Platzherren ihrerseits, zunächst von der offensiven Taktik der DJKler überrascht, wurden in ein Konterspiel gezwungen, woraus sich der erste Hochkaräter der Partie ergab. DJK-Keeper Horst Zakravsky riss im letzten Moment die Fäuste hoch, als ein Distanzschuss von Stefan Muth in seine Richtung flog.

    Dies beeindruckte die Kicker aus Seubrigshausen nicht. Sie erhöhten noch mal das Tempo - und wurden kalt erwischt. Nach einer Ballstafette zwischen Marco Mayer und Markus Bahn brach Karl Schäfer nach einer halben Stunde durch die gegnerische Abwehr und versenkte unhaltbar für den Keeper.

    Noch vor dem Seitenwechsel standen die DJKler mehrfach vor dem Ausgleich. "Wir rangierten damals im gesicherten Mittelfeld; der Tabellenführer und spätere Meister TSVgg Hausen hatte uns gegenüber einen Vorsprung von elf Punkten, wir selbst 14 Punkte Vorsprung auf den späteren Absteiger, die SpVgg Haard. Deswegen konnten wir befreit aufspielen", erinnerte sich der langjährige DJK-Funktionär, Pressesprecher und Fußballexperte Ludwig Schmöger.

    Doch weder Dominik Oppermann, der mit einem Drehschuss aus Nahdistanz am reaktionsschnellen TSV-Torhüter Alexander Schießer scheiterte, noch Gerd Köhler lösten Torjubel aus. Der Ex-Profi, der wegen seiner Kopfballstärke und seiner Schlitzohrigkeit gefürchtet war, nickte die Kugel nach Ecke von Dirk Schneider, der einen guten Ruf als Mittelfeldrenner besaß, Richtung TSV-Kasten an Schießer vorbei - doch der Torschütze Karl Schäfer kratzte den Ball gerade noch von der Linie. "Das war für uns eine schmeichelhafte Führung", bewertete es Eyrich-Halbig.

    Mit der Devise, die Führung schnell ausbauen, schickte Bruno Heer seine Mannen auf den Rasen. Diese setzten die Taktik zunächst um. Dabei stand Christoph Hüttl zehn Minuten nach Wiederanpfiff und einem Doppelpass mit Thomas Zeiler kurz vor dem 2:0. Doch DJK-Torwart Horst Zakravsky ließ sich nicht bezwingen.

    Das war es aber mit der Herrlichkeit bei den Einheimischen, gerade weil ihre Anspielstation in vorderster Reihe, also Zeiler, gegen Bewacher Manuel Schneider keinen Stich mehr sah.

    Die DJKler hatten dagegen ihr Pulver noch nicht verschossen, legten nach einer Stunde einen Zahn zu und schafften hochverdient nach der x-ten Standardsituation den Ausgleich. Ausgangspunkt war ein von Dirk Schneider getretener Freistoß, den Benjamin Oppermann mit dem Kopf in die Maschen verlängerte (62.).

    Mit der Punkteteilung wollten sich die Seubrigshausener aber nicht zufrieden geben. Gegen weiterhin verunsicherte Gastgeber wäre fast noch der Siegtreffer gelungen. Doch Andreas Göbel knallte die Kugel in der Schlussphase nur ans Gebälk. Die Überzahlsituation in den Schlussminuten wussten Hüttl und Kameraden dann nicht mehr zu einem Heimsieg zu nutzen.Kurz vor Schluss verlor Seubrigshausen noch Tobias Schneider mit Gelb-Rot, was aber keinen Einfluss mehr auf den Ausgang des Spiels nahm.

    Aktuell kicken die Oberthulbaer in der Kreisklasse, in die sie nach dem Abstieg zwei Jahre zuvor zurückgekehrt sind. "Dabei hat unsere junge Mannschaft, zu der nun in der Corona-Pause noch einige Talente aus der eigenen Jugend stoßen, einen fulminanten Start hingelegt, der sogar auf einen Durchmarsch hindeutete. Doch dann haben wir gegen vermeintlich schwächere Teams einige Punkte verdummt", so Stefan Eyrich-Halbig. Der Klassenerhalt dürfte aber sicher sein.

    Tristesse in Seubrigshausen

    Eher trist ist dagegen die Lage bei der DJK. Der kleine Ort ist wie viele andere in der Rhön vom Geburtenschwund und der Abwanderung von Jugendlichen gebeutelt, "was uns dazu zwang, vor einigen Jahren eine Spielgemeinschaft mit dem FC Großwenkheim, bei dem ebenfalls die Personalnöte immer größer wurden, wie schon zuvor im Juniorenbereich, einzugehen", berichtet Schmöger.

    Personell erwies sich dies nicht als der Weisheit letzter Schluss. Die SG, bei der zuletzt nur wenige Seubrigshausener aufliefen, ist inzwischen eine weitere Spielgemeinschaft mit der zweiten Mannschaft des Bezirksligisten TSV Münnerstadt eingegangen. Das ist angesichts des schmucken Sportgeländes aus Seubrigshausener Sicht schade.

    So schnitten Oberthulba und Seubrigshausen in den folgenden fünf Jahren ab TSV Oberthulba Nach einem 9. Platz in der Spielzeit 2002/03 schnupperte der TSV 2003/04 als Zweiter hinter Meister Waldberg am Aufstieg in die Bezirksliga. In der Relegation gelang zunächst ein 10:9 n.E gegen den FC Neubrunn. Das zweite Spiel verloren die Oberthulbaer allerdings klar gegen den FC Haßfurt II mit 0:4 und blieben in der Kreisliga. 2005/06 mussten sie aber als Tabellen-11. in die Abstiegsrelegation, retteten sich aber mit einem 1:0 gegen die DJK Windshausen 1:0. 2006/07 folgte doch der abstieg als 15. in die Kreisklasse.

    DJK Seubrigshausen Das Team schlug sich mit einem 4. (2003), einem 8. (2004), wieder einem 4. (2005) und einem 9. Platz (2006). 2007 ging es aber als 13. in die Kreisklasse runter.

    Peter Balthasar

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