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    Bad Kissingen

    Die verschwundene Landkreismeisterschaft

    Warum ein Highlight für die Tennis-Szene nicht mehr stattfindet, aber dennoch eine Zukunft haben könnte.
    Unser Siegerbild von den Tennis-Landkreismeisterschaften im Jahr 2005 zeigt (vorne, von links) Klaus Beck, Eduard Rosler, Ulli Hoppe, Christiane Merkl, Michaela Pickel und Sportwart Karin Hoppe sowie (hinten, von links) Hans Dieter Englert (2. Vorsitzender), Sven Schäfer, Dominik Kiesel, Tobias Fröhling, Bela Bator und Schirmherr Thomas Bold. Foto: Jürgen Schmitt       -  Unser Siegerbild von den Tennis-Landkreismeisterschaften im Jahr 2005 zeigt (vorne, von links) Klaus Beck, Eduard Rosler, Ulli Hoppe, Christiane Merkl, Michaela Pickel und Sportwart Karin Hoppe sowie (hinten, von links) Hans Dieter Englert (2. Vorsitzender), Sven Schäfer, Dominik Kiesel, Tobias Fröhling, Bela Bator und Schirmherr Thomas Bold. Foto: Jürgen Schmitt
    Unser Siegerbild von den Tennis-Landkreismeisterschaften im Jahr 2005 zeigt (vorne, von links) Klaus Beck, Eduard Rosler, Ulli Hoppe, Christiane Merkl, Michaela Pickel und Sportwart Karin Hoppe sowie (hinten, von links) Hans Dieter Englert (2. Vorsitzender), Sven Schäfer, Dominik Kiesel, Tobias Fröhling, Bela Bator und Schirmherr Thomas Bold. Foto: Jürgen Schmitt

    Proppenvoll ist das Starterfeld bei den Senioren Open des TC Rot Weiß Bad Kissingen , die an diesem Donnerstag, 16. Juli, an der Lindesmühl-Promenade beginnen und bis tief in den Sonntag hinein andauern. Über 250 Meldungen gingen ein, 51 Spieler mussten auf die Nachrücker-Liste gesetzt werden. "Aus der deutschen Rangliste kommen 189 Spieler zu uns. Das sind mehr, als wir im vergangenen Jahr Teilnehmer hatten", sagt Sportwart Markus Wittek. Zu den Top-Spielern an der Saale gehört auch Alfred Böckl (TG Gahmen), ein ehemaliger Europameister und die Nummer 1 in Deutschland bei den Herren-70. Wer vermisst da noch die Landkreis-Meisterschaften?

    Maßbach wollte einspringen

    Durchaus schade, dass diese Veranstaltung letztmals im Jahr 2016 ausgerichtet wurde aufgrund zu geringer Teilnehmer-Zahlen. Immer weniger Vereine wollten den damit einhergehenden hohen Aufwand stemmen. "So eine Landkreismeisterschaft zieht sich ja oft über eine ganze Woche. Ein LK-Turnier kann ich dagegen an einem Tag durchziehen", weiß TC RW-Sportwart Markus Wittek.

    Beim TSV Maßbach gab es konkrete Gedankenspiele, die aber aufgrund der Pandemie wohl nicht weiter verfolgt werden. "Wir hätten uns vorstellen können, das Turnier Anfang August mit Unterstützung aus Münnerstadt und in kompakterer Form durchzuführen. Aber jetzt zieht sich ja die Medenrunde bis Mitte August hin. Danach macht es kaum noch Sinn", sagt TSV-Abteilungsleiter Jörg Dotzel.

    Vor 15 Jahren hatten sich immerhin 88 Teilnehmer aus elf Vereinen der Konkurrenz gestellt in fünf Einzel- und drei Doppelwettbewerben. Erst kurz vor Meldeschluss hatten sich Sven Schäfer und Klaus Beck vom ausrichtenden Verein zusammengetan. "Das war auch das einzige Mal, dass wir zusammen ein Doppel gespielt haben. Dafür hat es dann ja richtig gut geklappt. Aber ich gebe gerne zu, dass Klaus der eindeutig bessere von uns war", erinnert sich Sven Schäfer, der heute wie damals bei den Herren-40 des TC Rot Weiß spielt - mit 57 Jahren, "weil es in der Truppe einfach Spaß macht".

    Landkreis-Meisterschaften waren für Sven Schäfer immer "eine schöne Angelegenheit nach Abschluss der Saison, weil man eingespielt war und auf Spieler aus der Region traf, gegen die man sonst nicht spielt. Und wenn man dann noch auf dem heimischen Platz antreten kann, ist die Motivation noch ein bisschen höher."

    Im Einzel hatte Dominik Kiesel die Segel im Halbfinale streichen müssen gegen seinen Teamkollegen Bernd Wunder, dafür reichte es im Herren-Doppel zum Turniersieg an der Seite von Tobias Fröhling. "Schade, dass es diese Veranstaltung aktuell nicht mehr gibt. Die Meisterschaften waren für mich auch aufgrund der starken Konkurrenz aus dem eigenen Verein immer ein Highlight, schon bei den Turnieren der Junioren in Münnerstadt unter Rudolf Konietschke", sagt der 36-Jährige, der auch Tischtennis bei der DJK Nüdlingen spielt, "obwohl sich das vom Bewegungsablauf und der Schlägerhaltung her beißt."

    Unter die vielen Zuschauer auf der Anlage des TC Rot Weiß hatte sich auch Landrat und Schirmherr Thomas Bold gemischt, der später die Siegerehrung gemeinsam mit TC-Vorsitzendem Klaus Beck vornahm. Mitmachen konnte an der Landkreismeisterschaft übrigens jeder Akteur, der für einen Tennisverein im Landkreis gemeldet war. So hätten die französischen Gastspieler des ausrichtenden Vereins ebenfalls um einen Titel spielen können, doch die etwa 1000 Kilometer lange Anreise war dann doch des Guten zuviel. Mit Applaus bedacht wurde Platzwart Siggi Wunder für seine vorbildliche Arbeit.

    Eine tolle Geste

    Bemerkenswert war die Geste von Lokalmatador Ulli Hoppe, der bei den Herren-50 seinen Siegerpokal partout nicht annehmen wollte und spontan Achim Demmer überreichte. Denn der Teamkollege hatte bereits Matchball gehabt, ehe ein Krampf in der Hand den Spielabbruch zur Folge hatte.

    In den 1990er Jahren wurden die Landkreismeisterschaften ins Leben gerufen - mit der Premiere beim TC Rot Weiß. "Das wäre wirklich schade, wenn diese Veranstaltung keine Zukunft mehr hätte. Da war am Anfang große Begeisterung", erinnert sich mit Klaus Beck einer der damaligen Initiatoren. Auch beim nächsten Frühjahrstreffen der Landkreis-Vereine wird sicher die Frage nach einem potentiellen Ausrichter gestellt. Vielleicht zuckt ja doch mal wieder ein Arm nach oben...

    Jürgen Schmitt

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