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    Rottershausen

    Julian Göller: Geldeintreiber und Torminator

    Julian Göller bringt sich beim 1. FC Rottershausen vielfältig ein - und zwar stets zum Wohl der Mannschaft.
    Julian Göller vom FC Einigkeit Rottershausen hält seine erste Fußballschuhe in Ehren. Mit ihren absolvierte er mit drei Jahren die ersten Gehversuche im Fußball.Steffen Standke
    Julian Göller vom FC Einigkeit Rottershausen hält seine erste Fußballschuhe in Ehren. Mit ihren absolvierte er mit drei Jahren die ersten Gehversuche im Fußball.Steffen Standke

    F ür den Trainer ist ein Spieler wie Julian Göller ein Glücksfall. Als äußerst ehrgeizig, trainingsfleißig und verantwortungsbewusst bezeichnet Alexander Schott den 24-Jährigen, der als gebürtiger Rottershäuser auch in seiner Münnerstädter Zeit in gewisser Weise immer Teil der schwarz-weißen FC-Familie war. Starke Worte kommen auch vom ehemaligen Mürschter Stürmerkollegen Simon Snaschel. "Julian hatte leider oft mit Verletzungen zu kämpfen, sonst hätte er aus seinem Potenzial noch mehr machen können. Wenn er fit ist, ist er ein Vollblutsstürmer, der immer seine Tore macht. So hat er sich häufig darauf konzentrieren müssen seine ganze Klasse an den unterschiedlichen Bars im Landkreis auszuspielen - und da hat er mich noch mehr als auf dem Platz beeindruckt." Du bist nach einigen erfolgreichen Jahren Bezirksliga vom TSV Münnerstadt zum Kreisklassisten FC Rottershausen gewechselt. Auf den ersten Blick sieht dies nach sportlichem Rückschritt aus. Julian Göller: Es war sicherlich keine leichte Entscheidung für mich. Ich habe dem TSV Münnerstadt nicht nur sportlich, sondern auch persönlich sehr viel zu verdanken. In den sechs Jahren Bezirksliga habe ich nicht nur fußballerisch viel lernen können, sondern auch starke Persönlichkeiten kennengelernt. Allerdings war es für mich an der Zeit, zu meinem Heimatverein FC Einigkeit Rottershausen zurückzukehren. Wenn man die positive Entwicklung der Mannschaft in den letzten Jahren verfolgt hat, weiß man, was für ein Potenzial in dieser noch jungen Mannschaft steckt. Wie schätzt Du das Niveau der Kreisklasse Rhön 2 ein? Das Niveau hat sich meiner Meinung nach im Vergleich zu früher enorm erhöht. Es gibt keine Mannschaft, die ohne gewissen "Matchplan" ins Spiel geht. Während man früher eher über den Kampf ins Spiel kam, versucht heutzutage jede Mannschaft, auch spielerisch zu überzeugen. Wir haben uns in der Mannschaft als oberstes Ziel ganz klar den Aufstieg in die Kreisliga Rhön gesetzt. Jedoch gibt es in der Kreisklasse genug Mannschaften, die hier bis zum Ende der Saison ein Wörtchen mitreden werden. In der Liga läuft es ja nach Plan. Am "Tag der Deutschen Einheit" habt ihr das Spitzenspiel gegen die DJK Salz durch Deinen siebten Saisontreffer mit 1:0 gewonnen. Was hat den Ausschlag für Euren Sieg gegeben? Da haben wir eine absolut solide Mannschaftsleistung gegen einen starken Gegner gezeigt. Jeder hat für den anderen mitgearbeitet und sich aufgeopfert. Wer am Ende das Tor erzielt, ist vollkommen egal. Ausschlaggebend war aber vor allem, dass wir in den vergangenen Wochen enorm an unserem Defensivverhalten gearbeitet haben mit nur einem Gegentor aus den letzten sechs Spielen. Nach vorne sind wir immer in der Lage, ein Tor zu erzielen. Mit meiner Torquote bin ich einigermaßen zufrieden. Was lief bei den torreichen Niederlagen in Aubstadt (2:4) und gegen Bischofsheim (2:5) falsch? Das Spiel gegen Aubstadt II sind wir als Team falsch angegangen. Sicherlich hat der kleine Platz in Waltershausen den Aubstädtern in die Karten gespielt, wodurch wir kaum Kombinationen zeigen konnten. Wenn dann noch ein so erfahrener Spieler wie Julian Grell mitspielt, der die Buden einfach eiskalt macht, kommt so ein Ergebnis zustande. Gegen Bischofsheim sind wir durch zwei lange Bälle ins Hintertreffen geraten. Wenn du aber nach 25 Minuten den Anschlusstreffer erzielst, musst du das weitere Spiel taktisch anders angehen. Hier hätten wir auf ein Mittelfeldpressing umstellen müssen und nicht weiterhin volle Offensive spielen sollen. Wenn du dann noch das 2:2 auf dem Fuß hast und im Gegenzug das 3:1 bekommst, ist das doppelt bitter. Am Sonntag geht es gegen Aufsteiger DJK Weichtungen, der das Tabellenende ziert. Ihr seid Spitzenreiter. Eine klare Angelegenheit? Auf dem Papier wird kein Fußballspiel entschieden. Weichtungen ist souverän aus der A-Klasse aufgestiegen. Sie haben mit ihrem Spielertrainer Stefan Denner einen vor dem Tor eiskalten Stürmer, der nicht viele Chancen braucht. Außerdem hat man gegen Bischofsheim gesehen, dass die Weichtunger auch vermeintlich überlegene Mannschaften schlagen können. Jedoch kennen wir unsere Stärken und wissen, dass wir jede Mannschaft schlagen können - wenn wir jedes Spiel mit hundert Prozent angehen. Dein Trainer beschreibt Dich als ehrgeizig, trainingsfleißig und jemanden, der Verantwortung übernimmt. Bist du ein Vorzeigekicker? Ich finde den Begriff "Vorzeigekicker" etwas überspitzt formuliert. Sicherlich versuche ich durch meine in der Junioren- und Bezirksligazeit gesammelte Erfahrung, der Mannschaft in gewissen Situationen zu helfen und übernehme auch gerne Verantwortung. Für mich hat oberste Priorität aber das Team und nicht eine einzelne Person. Ich denke, dass jedem, der leidenschaftlich Fußball spielt, klar ist, dass man ohne gewissen Ehrgeiz und Trainingseifer keinen Erfolg haben kann. Jedoch ist es ebenso wichtig, dass man nicht alles zu verbissen sieht und auch mal den einen oder anderen Spaß mitmacht. Hier finden wir beim FC Einigkeit eine gute Mischung. Bei den "Spirken" bist Du für den Strafen-Katalog der Mannschaft verantwortlich und giltst als gnadenloser Eintreiber. Als ich mich damals dazu bereit erklärt habe, war meinen Mannschaftskollegen wohl nicht klar, dass ich da knallhart bin. (lacht). So einen Strafenkatalog erachte ich als absolut sinnvoll. Es muss eine gewisse Disziplin im Team herrschen, um erfolgreich Fußball spielen zu können. Bezüglich der verschiedenen Strafen lässt sich sagen, dass der Katalog ein breites Spektrum umfasst. Sicherlich gibt es immer mal wieder kleine Diskussionen über die Höhe der Strafe; jedoch wird am Ende immer ohne Murren der von der Mannschaft selbst beschlossene Preis bezahlt. Die Spieler wissen ja auch, dass es für einen guten Zweck ist und uns Allen zu Gute kommt. Dir wird neben dem fußballerischen Können auch langes Durchhaltevermögen in der dritten Halbzeit nachgesagt... Für mich steht neben dem sportlichen Erfolg die Kameradschaft ganz oben. Mir ist es persönlich wichtig, mit jedem meiner Mannschaftskollegen ein gutes Verhältnis zu haben. Weiterhin gehört für mich auch ein "Anstandsgetränk" bei einem Auswärtsspiel dazu, und es schadet nicht, sich auch mal mit gegnerischen Spielern auszutauschen und das ein oder andere Kaltgetränk zu sich zu nehmen. Immerhin sind wir alle Amateure und spielen Fußball aus Leidenschaft und nicht, um Geld zu verdienen. Du warst auch schon länger verletzt. Denkt man da über ein Karriere-Ende nach? Natürlich. Jedoch spiele ich einfach zu gerne Fußball, um damit aufhören zu können. Nach einer Knieverletzung ist ein guter Muskelaufbau entscheidend. Man sollte mit der Rückkehr auf den Fußballplatz nichts überstürzen, externe Hilfe in Anspruch nehmen und sich genug Zeit für die Rehabilitation lassen. Ich persönlich habe mir sowohl den Rat mehrerer Ärzte eingeholt als auch Physiotherapeuten aufgesucht, um einer erneuten Verletzung gezielt entgegen zu wirken. Vergangene Woche verstarb mit Thomas Dietz einer Deiner Trainer aus "Mürschter" Zeit leider viel zu früh. Die Nachricht hat mich erschüttert. Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, schien es, als ob er auf dem Weg der Besserung sei. Dementsprechend schockiert war ich und wünsche allen Angehörigen viel Kraft in dieser schweren Zeit. Gab es bisher einen Trainer, der Dich besonders geprägt hat? Ich möchte da keinen Trainer besonders hervorheben. Für mich war es interessant zu sehen, welch unterschiedliche Ansätze jeder einzelne Trainer verfolgt. Ich konnte bei allen gewisse Sachen lernen und in mein Spiel einbauen. Mit welchem Spieler hast Du am liebsten gekickt? Wer war der unangenehmste Gegenspieler? Ich habe eigentlich mit jedem meiner Mitspieler gerne gekickt. Jedoch würde ich den Kapitän des TSV Münnerstadt, Hansi Schmitt, hier hervorheben. Was Hansi sowohl auf dem Platz als auch daneben für die Mannschaft geleistet hat, war atemberaubend. Man konnte sich immer auf ihn verlassen. Seine Führung auf und neben dem Platz sucht seinesgleichen. Als bisher unangenehmsten Gegenspieler würde ich Nino Wagner vom TSV Unterpleichfeld nennen. Für mich hat er alles, was ein Innenverteidiger braucht. Er spielt robust, ist kopfball- und zweikampfstark, hat einen guten Spielaufbau und verfügt zudem noch über eine enorme Sprintstärke. Wenn Du am Wochenende Zeit hättest, für welches Spiel beziehungsweise für welche Mannschaft würdest Du Dich dann interessieren? Ich verfolge grundsätzlich alle Ligen. Aufgrund meiner Vergangenheit versuche ich jedoch so oft wie möglich, die Spiele des TSV Münnerstadt anzuschauen. Ein Besuch beim 1.FC Nürnberg mit unserem Fanclub kommt auch immer mal wieder vor. Diese Woche war der zweite Spieltag in der Champions League. Wie schätzt Du die Chancen der deutschen Teams ein? Ich denke, dass sich der FC Bayern in der Gruppe ohne Probleme durchsetzen wird. Jedoch waren die letzten drei Pflichtspiele nicht das Gelbe vom Ei. Um weit in der Champions League zu kommen, muss eine enorme Leistungssteigerung her. Der BVB ist momentan in absoluter Spiellaune. Wenn sie diese Form beibehalten, werden sich auch die Dortmunder für die K.o.-Runde qualifizieren. Für Champions League-Neuling Hoffenheim wird es schwer; hier sehe ich Lyon und Manchester City vorne. Der Schalker Saisonstart war zwar mehr als negativ. Jedoch sehe ich deren Gruppe nicht als besonders stark und durchaus machbar für S04 an. Was hat es mit dem Ort auf sich, den Du fürs Foto vorgeschlagen hast? Der Ort zeigt den Sportplatz des FCE Rottershausen. In der Hand habe ich meine allerersten Fußballschuhe, mit denen ich hier mit drei Jahren die ersten Gehversuche im Fußball absolvierte. Diese stehen an einem wohl behüteten Platz. Diese Schuhe repräsentieren den Anfang meiner Leidenschaft zum Fußball.

    Stephan Penquitt

    Fotos

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