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    Rottershausen: Meister auf den letzten Drücker

    Nach dem feststehenden Aufstieg in die Kreisliga vollführten die Rottershäuser Spieler auf dem Fußball-Platz in Nordheim wilde Freudentänze. Foto: Ann Christin Helfrich
    Nach dem feststehenden Aufstieg in die Kreisliga vollführten die Rottershäuser Spieler auf dem Fußball-Platz in Nordheim wilde Freudentänze. Foto: Ann Christin Helfrich

    Es war diese eine Aktion, die die Wende brachte: Vor dem Heimspiel gegen die SG Heustreu/Wollbach standen die Fans Spalier von der Kabine zum Spielfeld und feuerten ihre Rottershäuser Kicker an. "Dadurch tankten die wieder Selbstbewusstsein für den Rest der Saison", erinnert sich Jörg Wet-terich, Abteilungsleiter des FC Einigkeit. Das und ein bisschen Glück brachten die Meisterschaft und den Aufstieg in die Kreisliga, die schon abgeschrieben schienen.

    Zuvor hatte der FC Rottershausen eine äußerst überzeugende Hinrunde hingelegt. Zur Halbserie sahen die Spirken mit neun Punkten Vorsprung vor dem Zweiten wie der sichere Staffelsieger aus. "Die Frage war nicht, ob wir Meister werden, sondern nur noch, wann", erinnert sich Jörg Wetterich.

    Doch dann begann der leise Niedergang: Ausgerechnet beim Faschingstanz hüpfte Torjäger Julian Göller die Kniescheibe heraus. Der bis dahin mit zehn Treffern beste Rottershäuser Schütze fiel lange aus; in der Rückrunde machte Göller nur noch zwei Spiele.

    Das zweite Rückrundenspiel daheim gegen die SG Unterweißenbrunn/Frankenheim ging dann 0:2 verloren, ebenso das folgende Heimmatch gegen die DJK Waldberg. Wobei Wetterich da von fehlendem Glück spricht: Kurz vor Schluss besaß seine Mannschaft per Elfmeter die Chance zum Ausgleich - André Seufert vergab.

    Plötzlich war Verfolger Bischofsheim auf zwei Punkte dran. Und der FC Einigkeit zeigte weiter Nerven. Zwar besiegte Rottershausen Kellerkind Burglauer auswärts souverän mit 3:0. Doch beim VfR Bischofsheim reichte es nur zu einem 1:1-Unentschieden, "obwohl wir haushoch überlegen waren", so Wetterich. "Und der Ausgleichstreffer von Fabian Rott war ein Traumtor."

    Zwar lagen die Rottershäuser in der Tabelle weiter vorn. Doch die Balance in der Mannschaft stimmte nicht mehr. Die Idee, Thomas Werner in den Sturm vorzuziehen, scheiterte früh. Der lange Zeit verletzte Spieler hatte gerade in der Vorbereitung seine Form wieder erreicht, da brach er sich zwei Finger. Auch Fabian May, der daraufhin vorgezogen spielen sollte, fiel oft mit Blessuren aus.

    Spielführer André Seufert, auch neben dem Platz fürs Mannschaftsgefüge sehr wichtig, fehlte immer mal wieder verletzt. Von 24 Saisonspielen machte er lediglich acht. Als halbwegs verlässlicher Torschütze trumpfte nur noch Johannes Kanz mit immerhin neun Toren auf. Er ist Innenverteidiger.

    Am nächsten Spieltag ging beim unglücklichen 3:4 gegen die SG Unsleben/Wollbach schließlich die Tabellenführung flöten. Bischofsheim übernahm.

    Doch dann folgte - nach einer weiteren Niederlage im Derby in Weichtungen - das "Erweckungserlebnis" gegen die SG Heustreu/Wollbach. Laut Wetterich hatten sich die Aktion "einige ältere frühere Spieler ausgedacht. In Rottershausen habe ich so etwas noch nie gesehen."

    Der FC gewann das Spiel 3:0 - bei gleichzeitiger Niederlage des Tabellenführers Bischofsheim gegen die Aubstädter Reserve. Ein Punkt fehlte den Rottershäusern zur Spitze.

    Auch den machten sie im letzten Saisonspiel beim 3:1-Auswärtssieg in Nordheim v.d.Rhön wett, weil Bischofsheim bei der DJK Salz/Mühlbach erneut verlor und so die Meisterschaft verspielte. "Damit konnte keiner rechnen, dass Aubstadt II und Salz gegen den Tabellenführer gewinnen. Aber genau deswegen war der Aufstieg am letzten Spieltag umso überraschender und schöner", sagt der 36-jährige Abteilungsleiter, der übrigens "felsenfest überzeugt" war, dass seine Mannschaft sich in der Relegation durchgesetzt hätte. "Schlecht Fußball gespielt haben ja wir nie. Uns fehlten nur Selbstvertrauen und etwas Glück."

    Was folgte, war ein wahres Jubel-Inferno. Nach Wetterichs Angaben trank die Mannschaft zunächst in Nordheim das Sportheim leer. Ein Vorstand des Rhöner Vereins musste sogar eine Kiste Bier von daheim holen, weil die Vorräte ausgegangen waren. "Das hat er gern gemacht; er hat ja schließlich Geld von uns bekommen."

    Der Sause schloss sich ein 55 Kilometer langer Autokorso Richtung Heimat an. Der natürlich über Salz führte, weil die dortige SG ja Bischofsheim geschlagen hatte.

    In Rottershausen wiederholte sich dann die Szene, die dem FC mutmaßlich die Wende brachte: Wieder standen Fans Spalier, diesmal vom Sportplatz zum Sportheim. Dann wurde bis in den nächsten Morgen gefeiert. Einige Spieler machten die Nacht gleich ganz durch. Und weckten auf einer morgendlichen Runde durchs Dorf diejenigen ihrer Mitspieler, die sich kurz aufs Ohr gelegt hatten.

    Dabei schauten sie auch bei Jörg Wetterich und vor allem Alfred Kanz, dem Rottershäuser Kulttrainer vorbei. Er hatte viele von ihnen in der Spielzeit 2017/18 noch gecoacht. Schließlich rückte die komplette Truppe nochmals bis zum späten Abend ins Sportheim ein.

    Wer dachte, das war es mit den Feierlichkeiten, der täuscht sich. Einige Rottershäuser Kicker fuhren zu Relegationsspielen im Fußballkreis, zum Beispiel nach Unterweißenbrunn, wo Wollbach und Urspringen/Sondheim sich duellierten. Oder nach Oerlenbach, wo Lauter und Burglauer gegeneinander spielten. "Sie haben dort die Kassen ordentlich aufgefüllt", sagt Jörg Wetterich schmunzelnd.

    Schließlich war da noch die offizielle Meisterfeier, die am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt im Sportheim stattfand. Alle Spieler und Menschen, die während der Saison beim Verein wie auch immer mitgeholfen hatten, waren eingeladen, insgesamt 130 Gäste. Es wurden Pokale und Urkunden überreicht.

    Hätten die Rottershäuser diesen Feiermarathon veranstaltet, wenn sie schon zwei Spieltage vor Schluss als Meister und Aufsteiger festgestanden hätten? Wahrscheinlich nicht.

    Und nun? Wollen die Rottershäuser tatsächlich mit der bestehenden Mannschaft die Kreisliga rocken, sagt Trainer Alexander Schott. "Wir wollen ein paar Zugänge aus der Jugend integrieren, ansonsten ist unser Kader gut aufgestellt. Wir sind alle fußball-bekloppt und haben unser Potenzial noch lange nicht abgerufen." In der Tat besteht das Team zum größten Teil aus Rottershäusern. Nur Schott und ein weiterer Spieler stammen aus Eltingshausen .

    Steffen Standke

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