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    Oerlenbach

    So geht Derby: bekämpft und wieder vertragen

    Die Duelle zwischen dem TSV Oerlenbach und dem TSV Ebenhausen hatten es immer in sich. Von einem Match, das besonders tor- und ereignisreich war.
    Den Mund vollgenommen hat Ebenhausens Holger Zwirlein (links) im Duell mit Oerlenbachs Hubert Kuhn nur mit Luft. Das tiefe Atemholen hat genutzt, denn dem TSV-Torjäger gelangen im ewig jungen Derby zwei Treffer.   Foto: Hopf       -  Den Mund vollgenommen hat Ebenhausens Holger Zwirlein (links) im Duell mit Oerlenbachs Hubert Kuhn nur mit Luft. Das tiefe Atemholen hat genutzt, denn dem TSV-Torjäger gelangen im ewig jungen Derby zwei Treffer.   Foto: Hopf
    Den Mund vollgenommen hat Ebenhausens Holger Zwirlein (links) im Duell mit Oerlenbachs Hubert Kuhn nur mit Luft. Das tiefe Atemholen hat genutzt, denn dem TSV-Torjäger gelangen im ewig jungen Derby zwei Treffer. Foto: Hopf

    Reiner Kuhn war ein guter Torwart . Aber an diesem 27. April 2003 war der Oerlenbacher halt als Feldspieler aufgestellt. "Es war ein Reflex von mir nach dem Kopfball von Holger Zwirlein nach einem Eckball. Ich war schon Richtung Sportheim unterwegs, als mir der Schiri rot gezeigt hat. Es hat uns natürlich schon geschwächt, auch weil ich nicht ganz unwichtig war", erinnert sich der damalige Spielführer seiner Mannschaft an diese verhängnisvolle Szene, als noch keine Viertelstunde gespielt war.

    "Vor jedem Derby wurde die Stimmung durch Frotzeleien und die ein oder andere Wette angeheizt. Wir gingen aufgrund einiger Ausfälle mit einer sehr jungen Mannschaft in diese Partie. Ich selbst habe nie gerne in Oerlenbach gespielt, weil ich da so selten getroffen habe. Irgendwie lag mir der Platz nicht, vielleicht wegen der Weitläufigkeit. Insofern war mein Doppelpack schon etwas ganz Besonderes", weiß noch Holger Zwirlein, der seinen ersten Treffer unmittelbar vor dem Pausenpfiff erzielt hatte. Psychologisch enorm wichtig, weil der Gegner ungeachtet der Unterzahl aus einem 0:1-Rückstand eine 3:1-Führung gemacht hatte.

    Keine normalen Spiele

    Oerlenbachs Hubert Kuhn denkt gerne an diese Matches zurück. Der Enddreißiger hatte erst drei Jahre zuvor wieder mit dem Fußball begonnen, nachdem er nach der D-Jugend einen Schlussstrich gezogen hatte: "Dadurch fiel es mir spielerisch immer schwer mitzuhalten. Aber es war eine super Zeit, auch wenn wir damals personell und fußballtechnisch nicht den stärksten Kader hatten. Zwischen den Ortschaften lag schon immer eine gewisse Spannung, was sich auf den Platz übertragen hat."

    Namenskollege Reiner Kuhn ergänzt: "Es gab damals eigentlich nie normale Spiele zwischen den beiden Orten. Irgendwas war immer, ob mit Zuschauern oder Spielern." Etwas entspannter sieht die Derbys Florian Hahn , dem damals für Ebenhausen ebenfalls ein Doppelpack gelang, als blutjunger Akteur. "Für mich waren es ganz normale Spiele. Das liegt vielleicht daran, dass ich mit vielen Jungs aus der Großgemeinde schon in der Jugend gekickt habe."

    An ein Tor kann sich Hahn gar noch erinnern: "Es war nach einer Ecke. Irgendjemand meinte, ich solle einfach durchlaufen und ihn reinmachen. Gesagt getan (lacht)." Hahn, der längst beim SV Ramsthal kickt, kann sich noch gut an einige Mitspieler erinnern: "Saki Gretsistas konnte laufen und laufen, ohne müde zu werden. Unser Edeltechniker damals war ein Belgier, Michel van der Meijden. Und natürlich Holger Zwirlein, der ging immer dahin, wo es wehtat. In einem anderen Spiel hatte er mal als Einwechselspieler angekündigt, ein Zeichen setzen zu wollen. Zwei Minuten später war er mit roter Karte auch schon wieder draußen." Der frühere Torjäger nimmt dieses "Zuspiel" gerne auf: "Beim Flo war von Genie bis Wahnsinn alles dabei. An guten Tagen konnte er Spiele alleine entscheiden. Legendär war seine linke Klebe und seine Sicherheit vom Elferpunkt."

    Für den TSV Oerlenbach war es damals eine schwere Zeit, wie Reiner Kuhn erzählt: "Wir hatten jeden Sonntag eine andere Truppe auf dem Platz stehen. Alte Herren und andere Kicker , die ausgeholfen haben. Wir haben halt zwei, drei Jahre den Fußball in Oerlenbach aufrechterhalten. Ich glaube, es war sogar die Runde, als Walter Späth die Brocken hingeschmissen und Christian Morchutt das Team als Spieler bis zum Rundenende gecoacht hat."

    Reiner Kuhn beendete 2009 seine Karriere und stellte sich im Jahr 2013 als stellvertretender Abteilungsleiter und Torwarttrainer für die Trainer Rainer Schmitt und Thorsten Büttner zur Verfügung. "Jetzt bin ich nur noch Zuschauer bei den Spielen. Das aber jeden Sonntag", fügt der mittlerweile 49-Jährige an. Holger Zwirlein ist dem Fußball bis 2019 aktiv als Trainer der Damenmannschaft sowie als stellvertretender Abteilungsleiter erhalten geblieben. "Jetzt, mit 50 Jahren, hab' ich mich zur Ruhe gesetzt, mähe ab und zu noch die Plätze in Ebenhausen und fiebere als Zuschauer mit."

    Dass mittlerweile beide Vereine als Spielgemeinschaft gemeinsam auftreten, und das sehr erfolgreich, wird von allen Beteiligten sehr positiv beurteilt. "Ich finde es toll, dass dieser Weg beschritten wurde, da sonst vielleicht kein Spielbetrieb mehr möglich wäre", sagt Hubert Kuhn. Reiner Kuhn ergänzt: "Wer hätte das gedacht. Es klappt eigentlich ganz gut. Ich war bei den Verhandlungen dabei, es waren auch Arnshausen und Eltingshausen als Partner im Gespräch, aber Ebenhausen war für uns die bessere Lösung." Auch beim Ebenhäuser Holger Zwirlein findet die SG großen Anklang: "Nach fast zehn Jahren Zusammenschluss der Jugendteams in der JFG war dies für mich der einzig richtige Schritt. Die Zusammenarbeit klappt prima."

    Noch weiter denkt Florian Hahn : "Wenn sich unsere Großgemeinde als Mannschaft zusammentut, könnte man locker ein bis zwei Klassen höher spielen und hätte vermutlich noch ein sehr gutes zweites Team und vermutlich sogar eine dritte Mannschaft. Es spricht für sich, dass die Spielgemeinschaft zweimal aufgestiegen ist. Aber 2003 war so etwas definitiv nicht abzusehen."

    Stephan Penquitt

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