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    Oberleichtersbach

    Tobias Romeis schwört auf seine Keilerschweine

    Rhöner Urgestein auf dem Sportplatz der SG Oberleichtersbach/Modlos: Tobias Romeis. Foto: Sebastian Schmitt
    Rhöner Urgestein auf dem Sportplatz der SG Oberleichtersbach/Modlos: Tobias Romeis. Foto: Sebastian Schmitt

    Tobias Romeis ist bei der SG Oberleichtersbach/Modlos ein echtes Rhöner Urgestein. Der 30-jährige Allrounder mit viel Offensivdrang ist für seinen unermüdlichen Einsatz auf dem Rasen bekannt und im jungen Team einer der wenigen "alten Hasen". Im Interview verrät der Unterleichtersbacher, der bei einem Wohnwagenhersteller in Mottgers arbeitet, warum sich die Oberleichtersbacher und Modloser "Keilerschweine" nennen, warum Coach Stefan Brustmann ihnen extrem gut getan hat und warum ein Jahrhundertspiel gegen die DJK Schondra kein Alptraum sein müsste.

    Mit dem Aufstieg in die Kreisklasse nach drei gewonnenen Relegationsduellen hat die SG Oberleichtersbach/Modlos in der vergangenen Saison Vereinsgeschichte geschrieben. Wie hast Du die spannungsgeladene Relegation erlebt?

    Tobias Romeis: Das war schon der Wahnsinn, wie der ganze Ort mobil gemacht worden ist. Es wurden ja auch Busse organisiert, damit uns die Fans zu den Spielen begleiten und ordentlich feiern konnten. Ich selbst war in den ersten beiden Partien gegen Garitz und Hendungen leider verletzt. Erst in Hammelburg, als wir gegen den FC Poppenlauer mit 6:2 gewonnen haben, wurde ich in den letzten 15 Minuten eingewechselt und war sogar an den letzten Toren beteiligt. Dieses Spiel vor einer Rekordkulisse war ein wahnsinniges Erlebnis. So etwas vergisst man sein ganzes Leben nicht mehr. Ich bin stolz, dass ich dabei sein durfte. Es waren drei faire Spiele in toller Atmosphäre. Mit dem FC Hendungen waren wir ohnehin seit Jahren freundschaftlich verbunden. Das hatte seinen ganz eigenen Reiz.

    Das erste Jahr in der Rhöner Kreisklasse verläuft für die SGO sportlich gesehen sehr durchwachsen mit vielen herben Rückschlägen. Hat man die neue Herausforderung unterschätzt?

    In einigen Spielen haben wir Lehrgeld bezahlt, das stimmt. Wir haben nur ganz wenige Spieler, die überhaupt schon mal höherklassig gekickt haben. Der größte Teil des Teams ist sehr jung und daher fehlt in den entscheidenden Szenen die Erfahrung. Auch von Verletzungen sind wir leider nicht verschont geblieben. Es kommen viele kleine Dinge zusammen; dann läuft es manchmal nicht so rund. Die Ergebnisse haben teilweise nicht gepasst, auch wenn wir spielerisch mithalten konnten.

    Gegen den Mitaufsteiger aus Aura setzte es zuletzt eine deutliche 1:5-Klatsche. Was war denn da los?

    In den Anfangsminuten waren wir gut dabei; aber plötzlich haben wir alles vermissen lassen, was uns sonst auszeichnet. Es war zeitweise kein Kampfgeist mehr zu spüren. Am Ende hätten wir sogar ein paar Tore nachlegen können. Aber da war es vielleicht schon zu spät.

    Schafft die SGO noch den Klassenerhalt? Muss man möglicherweise wieder in die Relegation?

    Die Klasse noch auf direktem Weg zu halten, wird vermutlich sehr schwer. Ich persönlich halte die Relegation für sehr wahrscheinlich. Aber in der Relegation können wir es auf jeden Fall wieder packen.

    Sollte es zu dem Jahrhundertduell SG Oberleichtersbach/Modlos gegen die DJK Schondra in der Relegation kommen, wäre das ein Traum oder eher ein Alptraum?

    Klar sprechen schon ganz viele Fans in der Gegend über dieses mögliche Duell. Das wäre für mich ein sehr reizvolles Los. Und ein unterhaltsames Spiel wäre in diesem Derby auch garantiert. Die Region wäre an einem solchen Spiel sicherlich extrem stark interessiert. In der jüngeren Vergangenheit sind sich die Vereine mit ihren ersten Mannschaften komischerweise nie wirklich begegnet. Schondra hat ja sehr lange höherklassig gespielt. Ein Alptraum ist so eine Begegnung ganz sicher nicht. Echte Feindschaften wie ganz früher gibt es im heimischen Fußball nicht mehr. Man kennt sich meistens ganz gut. Knistern würde die Luft wohl trotzdem.

    Mit Stefan Brustmann hat die SGO einen erfahrenen, besonnenen Übungsleiter, der nach außen hin viel Ruhe ausstrahlt. Überträgt sich das auf das Team, das ja in der jüngsten Vergangenheit stark von Emotionen gelebt hat?

    Wir sind hochzufrieden mit unserem Coach. Sein Training ist Bombe. Er ist nicht so der harte Hund, aber er kann mit jungen Spielern super umgehen. Wir hatten einige Zeit nicht den allerbesten Ruf in der Region. Aber Stefan verlangt Fairness und Sportsgeist. In dieser Hinsicht hat er für deutliche Verbesserung gesorgt. Er legt großen Wert auf einen fairen Umgang. Das hat uns gut getan als Team.

    Du sollst ein großer Fan der Eintracht aus Frankfurt sein. Wie kam es dazu? Und wie siehst Du die aktuelle Saison mit teils extrem spektakulären Offensivfeuerwerken.

    Früher war ich eigentlich mal Bayern-Fan; aber das ist wohl bei den meisten Kindern in der Region so. Ganz automatisch. Dann sind wir einmal zur Eintracht gefahren. Das muss noch Zweite Liga gewesen sein. Die Stimmung im Stadion hat mich sofort gefesselt. Seitdem sind wir immer öfter zur Eintracht gefahren. Wir haben sportlich gesehen schwere Zeiten miterlebt. Da musste man als Fan viel leiden. Aber die Entwicklung der Mannschaft in den letzten Jahren ist fantastisch. Mittlerweile fahren wir auch zu internationalen Spielen. Wir sind hier in der Gegend schon ein paar Fans, da bringen wir einen Kleinbus zusammen. Ein echter Fanclub sind wir nicht, eher eine Interessensgemeinschaft. In dieser Saison ist es ein offensives Spektakel. Mal schauen, wie viele Spieler die Eintracht am Ende der Saison verkaufen muss. Der Verein muss wirtschaftlich und an die Zukunft denken. Da geht es um viele Millionen Euro.

    Schaust Du Dir auch Spiele von anderen Vereinen in der Gegend an?

    Ab und zu schaut man mal in Riedenberg vorbei. Aber es ist nicht so, dass ich ständig auf anderen Plätzen unterwegs bin. Wir haben ja am Wochenende selbst Spiele mit der SGO.

    Die SG Oberleichtersbach ist beim Bad Brückenauer Handball auf den Zuschauerrängen zum Dauergast geworden. Wie kam es dazu?

    Tatsächlich haben wir den Handballsport als Ersatzhobby für uns entdeckt. Zum Zuschauen zumindest. So genau weiß das niemand mehr, wie es dazu kam, aber mittlerweile sind immer einige Spieler im Winter in der Halle dabei. Es ist ja ein interessanter Sport. Da wurde schnell das Interesse im gesamten Team geweckt. In unserer Gegend dominiert der Fußball. Andere Sportarten sind leider fast gar nicht mehr vertreten.

    In der zweiten Mannschaft spielt Ihr gemeinsam mit dem FC Bad Brückenau. Mit der ersten Mannschaft trefft Ihr aber als Kontrahenten in der Kreisklasse aufeinander und kämpft um wichtige Punkte. Schon am 27. April kommt es zum nächsten entscheidenden Derby. Führt das nicht zwangsläufig zu Konflikten?

    Überhaupt nicht. Mit dem FC Bad Brückenau gab es noch nie Probleme. Unter der Woche trainieren viele Spieler aus der ersten und zweiten Mannschaft zusammen. Es profitieren beide Vereine von dieser Partnerschaft. Und wenn man in der Kreisklasse aufeinandertrifft, dann ist es ein klassisches Derby, das jeder unbedingt gewinnen will. Ich sehe da auf lange Sicht keine Konfliktpotenziale.

    Warum nennt Ihr Euch "Keilerschweine"? Wie kam es zu dem merkwürdigen Spitznamen?

    Das ist lange her. Das Brauhaus Keiler war wohl schon Sponsor zu Zeiten des MSV Modlos. Und da wurden im Sportheim manchmal Lieder gedichtet und gesungen. Auf diese Weise ist man auf den kuriosen Spitznamen 'Keilerschweine' gekommen. Das hat sich bis heute so gehalten.

    Ihr trefft am Wochenende auf das Tabellenschlusslicht aus Morlesau und Windheim. Pflichtsieg oder harte Nuss im Abstiegskampf?

    Beides. Pflichtsieg und ganz harte Nuss. Stefan Brustmann war ja lange Zeit Trainer in Morlesau. Ich denke nicht, dass sich der Verein dort die Blöße geben will und das Spiel auf die leichte Schulter nimmt. Ich hoffe auch nicht, dass die Mannschaft noch vor Saisonende ausscheidet. Dann wäre die gesamte Tabelle in Bewegung. Das kann keiner ernsthaft wollen. Auch wenn die personelle Situation in Morlesau wohl schwierig sein soll. Was man so von außen gehört hat.

    Wie siehst Du das fußballerische Niveau in der Kreisklasse? Ist der Unterschied zur A-Klasse wirklich so groß?

    Kleine Fehler werden in der Kreisklasse deutlich schneller bestraft. Das haben wir selbst erfahren müssen. Du triffst auf Spieler, die ihre Chancen eiskalt nutzen. Generell trifft man auf Spieler, die eine große Erfahrung haben. Die wissen, wann man etwas länger am Boden liegen bleiben muss und wen man auf die Palme bringen kann. Kämpferisch ist aber kein großer Unterschied zu erkennen. Da geht es auch in der A-Klasse ordentlich zur Sache. Vielleicht noch mehr als in der Kreisklasse.

    Kannst Du Dir vorstellen, über die aktive Karriere hinaus im Fußball tätig zu sein? Zum Beispiel als Trainer, Betreuer oder Schiedsrichter?

    Klar kann ich mir das vorstellen. Aber soweit denke ich noch nicht. Ich will noch ein paar Jahre spielen. Dazu muss man gesund und von Verletzungen möglichst frei bleiben. Das weiß man nie. Vielleicht braucht man dann eine kleine Pause und kehrt erst später zum Fußball zurück.

    Wer wird in der Kreisklasse den heiß begehrten Meistertitel erringen? Oerlenbach/Ebenhausen? Sulzthal? Wollbach? Oder ein Überraschungskandidat?

    Ich persönlich sehe Oerlenbach als großen Favorit in der Klasse. Gönnen würde ich es den Sulzthalern noch etwas mehr, aber gegen die müssen wir noch spielen und möglichst Punkte holen. Wollbach hat nach der tollen Vorrunde plötzlich eine Talfahrt hingelegt. Ich glaube nicht, dass andere Teams außer Oerlenbach und Sulzthal eine echte Chance auf den Titel haben. In der Kreisliga zu bestehen, das wird dann für jeden Verein eine ganz neue Herausforderung. Das Gespräch führte Sebastian Schmitt

    Sebastian Schmitt

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