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    LKR Bad Kissingen

    Vorteil: Tschuggimuggi-Cup

    Tschuggimuggi-Cup und ein Doppelturnier zum Jubiläum: Viele Trophäen zu gewinnen gibt es beim FC Eltingshausen. Foto: Jürgen Schmitt
    Tschuggimuggi-Cup und ein Doppelturnier zum Jubiläum: Viele Trophäen zu gewinnen gibt es beim FC Eltingshausen. Foto: Jürgen Schmitt

    Es war mal ein Gedanke: Die Macher der Tennis-Sparte des FC Eltingshausen liebäugelten zum 40. Geburtstag ihrer Abteilung 2019 damit, die Kreismeisterschaft auszurichten. Daraus wurde nichts, aus diversen Gründen. Während sich die Eltingshäuser mit dem vereinsinternen Tschuggimuggi-Cup trösten, steht die erneut geplatzte Meisterschaft für die aktuelle Situation im Tennis .

    Der weiße Sport - er scheint zu boomen beim FC Eltingshausen . Abteilungsleiter Hubert Schott berichtet, dass "in den vergangenen vier Jahren jedes Jahr zehn Prozent mehr Mitglieder " zum Verein gestoßen seien. Kürzlich habe er mit Ben Schübert das 100. Mitglied begrüßen können. "Seit langer Zeit haben wir mal wieder zwei Tennismannschaften", sagt Schott freudig. Vielleicht melde man nächstes Jahr ein Jugendteam an.

    Eine Frage der Kapazitäten

    Alles gut also zum Jubiläum der Tennis-Abteilung, das mit einem festlichen Abend mit mehr als 80 Gästen begangen wurde? Nur teilweise. Denn der Tschuggimuggi-Cup ist ein Turnier für Breitensportler, auch solche, die mit dem Tennis erst angefangen haben. Spitzenspieler finden sich dort kaum, bestätigt Hubert Schott.

    Das hätte sich bei den Kreismeisterschaften vielleicht anders dargestellt. Doch laut Schott wurde der Gedanken daran schnell verworfen. "Zu aufwendig, zu viel Einsatz", sagt der Abteilungsleiter. Der Verein verfüge über nur drei Tennisplätze . Man wisse nicht, wieviele Spieler sich anmeldeten. Woher Kapazitäten nehmen, wenn es doch sehr viele würden?

    Andererseits: Bei den bisher letzten Kreismeisterschaften waren es enttäuschend wenig Teilnehmer. Das wolle man auch nicht riskieren, so Schott.

    Jörg Dotzel, Bezirkssportwart und im TSV Maßbach am Tennisschläger, fühlt sich "seit zwei, drei Jahren wie beim Hornberger Schießen, wenn es um die Kreismeisterschaften geht". Soll heißen: Bei der Frühjahrs-Versammlung des TC Rot-Weiß fände sich - anders als früher - kein Verein mehr, der die Wettkämpfe ausrichten wolle. Die Gründe seien vielschichtig.

    Dotzel nennt fehlendes Geld, den Mangel an geeigneten Hallen und professionellen Trainern. So würden derzeit zwei Übungsleiter sechs Vereine in der Region abdecken: Rachid Kossih trainiert Tennisspieler in Maßbach, Wollbach, Münnerstadt und zum Teil Bad Königshofen. Seine tschechische Kollegin Tereza Schmidova deckt Eltingshausen , Reichenbach und ebenfalls Bad Königshofen ab. Macht zusammen 60 Übungsstunden. Dass keiner die Kreismeisterschaften ausrichten wolle, ist für Jörg Dotzel aber auch "ein Problem der Einstellung und des fehlenden ehrenamtlichen Engagements". Dabei meint er weniger die Verantwortlichen in den Vereinen, sondern die Kinder und ihre Eltern. Niemand wolle sich mehr verbindlich auf etwas festlegen beziehungsweise etwas für andere tun. Viele würden eine Sportart anfangen - und dann schnell wieder sein lassen. Auch fehle das Verständnis dafür, "dass Training etwas kosten muss".

    Die Qualität leidet

    Das Resultat: Die Trainer seien frustriert. Vereinsverantwortliche hätten Angst , logistische Aufgaben zu übernehmen, weil ihnen die Manpower fehle.

    Mittelfristig leidet dem Bezirkssportwart zufolge die Qualität. Gebe es bei den Tennis-Senioren im Kreis Bad Kissingen noch Landesliga-Teams, sei das bei jüngeren Jahrgängen selten der Fall. Dotzel nennt da nur den TC Rot-Weiß mit seinen Herren-30 in der Landesliga. "Wir bekommen ja kaum noch Mannschaften für die Bezirksliga zusammen. Das hat dann hart ausgedrückt mehr mit Ball über die Schnur als mit Tennis zu tun."

    Klaus Beck , Vorsitzender des TC Rot-Weiß Bad Kissingen, erzählt, dass sein Verein vor drei Jahren "bei der Kreismeisterschaft eingesprungen" sei. Doch da damals 80 Prozent der Teilnehmer aus dem TC Rot Weiß gekommen seien, lohne es sich eigentlich nicht, so ein Wochenende noch einmal zu machen. Schließlich spielten die Mitglieder zwei bis drei Leistungsklassen-Termine pro Jahr und im Winter zwei DTB-Ranglistenturniere. "Mehr kann man kaum machen."

    Beck räumt eine gewisse spielerische Dominanz des mit 330 Mitgliedern stärksten Tennisvereins im Landkreis ein. Von daher sei man in den Spielklassen gut vertreten. Andererseits seien heute viel Spieler nicht mehr bereit, über die Verbandsrunde hinaus Turniere zu spielen.

    Abwärtstrend gestoppt

    Indes scheinen die Ärgernisse des Maßbacher Tennis-Funktionärs Dotzel im gar nicht so fernen Eltingshausen kaum eine Rolle zu spielen. Hubert Schott freut sich über die "Mordsfreude" der Spieler und "viel Leben auf den Tennisplätzen". Da sei viel Zusammenhalt entstanden. Den Abwärtstrend der vergangenen Jahre für seinen Sport sieht er gestoppt. In ein paar Tagen steigt neben dem bis zum 14. September andauernden Tschuggimuggi-Cup ein weiteres Eltingshäuser Jubiläums-Highlight: ein ganzes Wochenende voller Doppel. Eine Kreismeisterschaft braucht es da wohl kaum mehr...

    Steffen Standke

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