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    Fussball: Relegation 2. Bundesliga

    Club-Kommentar: Arbeit für den Aufsichtsrat

    Mit dem glücklichen Klassenerhalt ist der Haken unter die Saison des 1. FC Nürnberg noch nicht gesetzt.
    Künftig wieder Nachwuchschef, weiter Trainer oder gar mehr? Michael Wiesinger musste nach dem Klassenerhalt des 1. FC Nürnberg erst einmal ein paar Tränen verdrücken.
    Künftig wieder Nachwuchschef, weiter Trainer oder gar mehr? Michael Wiesinger musste nach dem Klassenerhalt des 1. FC Nürnberg erst einmal ein paar Tränen verdrücken. Foto: Matthias Balk

    Die einen wollten die Mannschaft für die Rettung in letzter Sekunde feiern, die anderen ihren Unmut über die verkorkste Saison kundtun. Der zwiespältige nächtliche Empfang der Nürnberger Mannschaft am Valznerweiher durch Fan-Gruppen nahm vorweg, dass der Haken unter diese Saison noch nicht gesetzt ist. Fast wäre der Club mit dem vierthöchsten Etat der Spielklasse von der Bundesliga in die Dritte Liga durchgereicht worden. Es wäre ein Schlag gewesen, von dem sich der Altmeister lange, vielleicht nie mehr erholt hätte.

    Eine genaue Analyse, wie es dazu kommen konnte, empfahl auch Michael Wiesinger für die nächsten Tage, wenn das Adrenalin des verrückten  Ausklangs der Relegation gewichen ist. Der Interimstrainer musste beim Rückspiel in Ingolstadt erkennen, welch labiles Gebilde die aktuelle Mannschaft doch darstellt. Einmal mehr wurde deutlich, dass es keine unumstrittenen Führungsspieler gibt, an denen sich der Rest hochziehen kann.

    Den Nürnberger Neuaufbau nach der Rückkehr aus dem Oberhaus bewältigen sollte der im April 2019 verpflichtete Sportvorstand Robert Palikuca, der nun im Zentrum der Kritik steht. Viele interessante Profis hatte der frühere Innenverteidiger bei seiner ersten Chefposition dank der Transfererlöse anheuern können, aber nur wenige erfüllten die Erwartungen und manche waren glatte, teure Fehleinkäufe. Eine auf dem Platz harmonierende Mannschaft ist daraus nie geworden, bis Wiesingers taktische und psychologische Notfallmaßnahmen zumindest in Teilen griffen. Mit dem Rückgriff auf den Nachwuchschef zündete wenigstens Palikucas letzte Patrone.

    Die größte Fehleinschätzung war Canadi

    Seine größte, entscheidende Fehleinschätzung war die Bestellung von Damir Canadi als Cheftrainer. Den Österreicher hatte er schon bei Fortuna Düsseldorf anstelle von Friedhelm Funkel installieren wollen, ein Fan-Aufstand macht den Plan zunichte. Der selbstbewusste Canadi fremdelte mit der Liga und die Spieler verstanden nicht, was er wollte. Es gab auch gute Spiele, aber die wurden nicht gewonnen. Nachfolger Jens Keller, vom Typ her das Gegenteil eines Feuerwehrmanns, schaffte es ab November nicht, die Mannschaft aus dem Phlegma  des Abstiegskampfes zu befreien. Es ist schwer vorstellbar, dass der Club mit ihm die Relegation bestanden hätte.

    Muss Palikuca also wieder gehen? Kann man sich das leisten? Wird Wiesinger an verantwortungsvollerer Stelle eingebunden?  Will man wirklich einen neuen Sportvorstand und einen neuen Trainer? Das sind die Fragen, die der Club-Aufsichtsrat nun beantworten muss. Ein Aufsichtsrat, dessen sportliche Kompetenz vielfach angezweifelt wird. Aber immerhin darf auf Basis der 2. Bundesliga diskutiert und entschieden werden. Bei einem Abstieg wäre es um ganz andere, an die Grundfesten des Vereins rüttelnde Fragen gegangen. 

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