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    Fußball: 2. Bundesliga

    Club muss durch die Mühle der Relegation

    Besser als mit der schnellen Führung konnte es in Kiel nicht beginnen. Doch der FCN machte nichts draus. Das 1:1 war zu wenig, weil Karlsruhe in Fürth gewann und sich rettete.
    Die frühe Club-Führung nutzt am Ende nichts: Nürnbergs Patrick Erras (vierter von links) springt höher als Kiels Jonas Meffert und trifft per Kopf zum 1:0. Nach dem Ausgleich der Kieler muss das Team von Jens Keller in die Relegation gegen den Drittliga-Dritten. 
    Die frühe Club-Führung nutzt am Ende nichts: Nürnbergs Patrick Erras (vierter von links) springt höher als Kiels Jonas Meffert und trifft per Kopf zum 1:0. Nach dem Ausgleich der Kieler muss das Team von Jens Keller in die Relegation gegen den Drittliga-Dritten. 
    Foto: Frank Molter, dpa

    Den Fans des 1. FC Nürnberg bleibt auch nichts erspart. Das 1:1 bei Holstein Kiel nach 1:0-Führung war "ein Spiegelbild dieser Saison", wie auch Sportvorstand Robert Palikuca feststellte. Fußballerisch ist es einfach zu wenig an Qualität, was diese Mannschaft zu bieten hat, auch wenn man ihr den Einsatz ganz gewiss nicht absprechen konnte. "Wir haben alles versucht", befand Trainer Jens Keller. Es reichte nicht und vom Durchmarsch in die Drittklassigkeit trennt den Club nun nur noch die Relegation.

    Vor dem Anpfiff war sich Keller ganz sicher, dass seine Spieler das blamable 0:6 vor einer Woche gegen den VfB Stuttgart richtig verarbeitet hatten: "Die Mannschaft wird heute definitiv ein anderes  und Gesicht zeigen." Was sich zumindest personell schon durch drei Wechsel in der Startformation bewahrheitete. Alle in der Defensive: Oliver Sorg, Lukas Mühl und Patrick Erras begannen für Enrico Valentini, Georg Margreitter (nach überstandener Kopfblessur nun muskuläre Probleme) und Fabian Nürnberger. Arsenal-Leihgabe Konstantinos Mavropanos (Adduktorenprobleme) fehlte auch in diesem "Endspiel".

    "Jetzt müssen wir eben noch eine Ehrenrunde drehen."
    Club-Trainer Jens Keller

    Besser konnte das Spiel für die Gäste nicht beginnen. Palikuca hatte dem Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Grethlein gerade sein Handy mit dem Fürther 1:0 gegen Karlsruhe vor die Nase gehalten, da ging der Club selbst in Führung. Es entsprang einer Co-Produktion der beiden defensiven Mittelfeldspieler. Die Freistoßflanke von Johannes Geis wuchtete Patrick Erras ins Netz (3. Minute). Das dritte Saisontor von Erras war schon wieder ein Grund mehr, zu bedauern, dass der Oberpfälzer seinen Ausbildungsverein nun verlässt. Erst wollte man ihn nicht mehr, nun will er nicht mehr.   

    Der Start nach Maß beflügelte die Nürnberger. Da wurde der Körperkontakt mit dem Gegenspieler regelrecht gesucht, durch viele Kommandos war es lautstark auf dem Platz. Je länger die erste Halbzeit dauerte, desto mehr riss Kiel das Spiel aber an sich. Geschenke gab es keine für die Gäste. "Wir wollten unserer Verantwortung im Wettbewerb gerecht werden", sagte Holstein-Trainer Ole Werner. 64 Prozent Ballbesitz erarbeiteten sich die Störche bis zur Pause. Schnelles, forciertes Flügelspiel und scharfe Hereingaben machten dem Club zu schaffen. Und Chancen zum Ausgleich gab es. Lion Lauberbach schoss Club-Torwart Christian Mathenia an, der Abpraller bekam der Kieler ins Gesicht und der Ball trudelte neben das Nürnberger Tor (18.). Auch der noch leicht abgefälschte Flachschuss von Finn Porath (36.) hätte fast gepasst.

    Latte verhindert die 2:0-Führung durch Geis

    Vor allem im Mittelfeld wurde der Club zu passiv, zeigte die bekannten Tempodefizite, machte sich aber  in der Schlussphase der ersten Hälfte wieder frei. Nikola Dovedan (38.) und der starke Robin Hack (39.) verfehlten das Kieler Tor knapp. Geis hätte mit seinem gefühlvollen Freistoß an die Latte fast auf 0:2 erhöht (45.), ds war Pech. So blieb zur Pause alles offen, zumal Club-Kontrahent Karlsruhe in Fürth längst zum 1:1 ausgeglichen hatte.   

    Nach dem Wechsel war Kiel wieder am Drücker. Da kam wie so oft in dieser Saison zu wenig vom Club. Die Innenverteidiger Lukas Mühl und Asger Sörensen hatten den stressigsten Job, ein Ball nach dem anderen flog ungehindert in den Nürnberger Strafraum. Im Mittelfeld bekamen Geis und der unverständlich schwache Dovedan keinen Zugriff mehr aufs Spiel. Als Karlsruhe in Fürth durch einen Strafstoß in Führung ging, war klar: Jetzt durfte nichts mehr passieren beim Club, der durch den beim Schuss schon zu müden Behrens eine einzige Konterchance hatte (66.). Es dauerte keine fünf Minuten, bis Kiel der letztlich überfällige Ausgleich gelang. Lauberbach köpfte eine vorteilhaft abgefälschte Flanke wuchtig vor Sörensen und über Mathenia hinweg zum 1:1 ein (67.). Aufsichtsratschef Grethlein raufte sich die Haare, weil der Club aktuell nun in der Relegation war. Nun musste noch ein  Tor her - oder Greuther Fürth den Lokalrivalen retten.

    Keller wechselte in der Schlussphase fünf frische Kräfte ein, darunter mit  Fabian Schleusener, Adam Zrelak und Mikael Ishak alle noch zur Verfügung stehenden Offensivkräfte. Doch die Zeit lief dem ideenlos agierenden Club davon. In der fünfminütigen Nachspielzeit warf Nürnberg alles nach vorne und auch Mathenia ging mit, aber mehr als ein Kopfball von Sörensen, den die Kieler mit vereinten Kräften von der Torlinie kratzten, sprang nicht heraus. Dass die Kieler Eberwein und Khelifi beide am Pfosten scheiterten und so den Sieg verpassten - geschenkt.

    Wie sich die Bilder jede Woche gleichen: Enttäuschung beim eingewechselten Fabian Schleusener (links) und bei Robin Hack nach dem Gang in die Relegation.
    Wie sich die Bilder jede Woche gleichen: Enttäuschung beim eingewechselten Fabian Schleusener (links) und bei Robin Hack nach dem Gang in die Relegation. Foto: Frank Molter

    Am 7. und 11. Juli gibt es die Extraschichten

    Karlsruhe brachte den Sieg nach Hause und rettete sich auf den letzten Drücker. Nürnberg rutschte auf den drittletzten Platz und muss nachsitzen. Es wird nicht einfach, in den beiden Relegationsspielen am 7. und am 11. Juli (jeweils 18.15 Uhr/ZDF) wahrscheinlich gegen den Tabellenvierten der 3. Liga - Bayern München II darf nicht aufsteigen - den Abstieg zu verhindern. "Wir hatten es uns anders vorgestellt, aber jetzt müssen wir eben noch eine Ehrenrunde drehen", sagte Keller, der davon ausgeht, trotz gegenteiliger Spekulationen dann auch auf der Bank zu sitzen. Die möglichen Gegner sind der MSV Duisburg, Eintracht Braunschweig, der FC Ingolstadt oder die Würzburger Kickers. Ihr größter Gegner sind aber wahrscheinlich die Club-Profis selbst. 

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