• aktualisiert:

    Fußball

    Ein Stechen ist André Stößleins letzte Erinnerung

    Der Spielertrainer brach im Kreisliga-Derby zwischen Eltmann und Ebelsbach zusammen. Warum? Das konnten die Ärzte nicht klären. Wie es dem 33-Jährigen inzwischen geht.
    Ende September war noch alles in Ordnung. Doch im Derby in Eltmann brach der Ebelsbacher Spielertrainer André Stößlein (oranges Trikot) auf dem Spielfeld plötzlich zusammen. Foto: Günther Geiling

    Kurz nach 15 Uhr auf der Eltmanner Mainhalbinsel. 1:0 führt die heimische SG im Kreisliga-Derby gegen den SV Ebelsbach. Die zweite Hälfte ist erst wenige Minuten alt, da wird der Fußball plötzlich zur Nebensache. Ebelsbachs Spielertrainer André Stößlein bricht zusammen, liegt erst bewegungslos auf dem Rasen und wird kurz darauf von Krämpfen geschüttelt.

    Wie gut, dass Ebelsbachs Kapitän Jamar Eleby im Rahmen seines Lehramtsstudiums auch einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert hat. Er stabilisiert seinen Trainer und setzt die Anweisungen um, die ihm die Rettungsleitstelle per Telefon gibt. 

    Was bei der Ersten Hilfe genau zu tun ist, sehen Sie hier:

    Video

    Der herbeigerufene Notarzt verblieb mit seinem Patienten ungewöhnlich lange am Sportplatz, traute sich zunächst nicht, den 33-Jährigen Oberthereser abzutransportieren, weil nicht klar war, was ihm tatsächlich fehlt. Und auch, als André Stößlein später endlich im Krankenhaus untersucht wurde, liefen viele Tests erst einmal ins Leere. Klar war nur, dass das Herz betroffen war.

    Ein Schock für die Ehefrau

    "Ich habe ein Stechen in der Brust gespürt, auch Druck auf der Brust. Dann bin ich schon umgekippt." Mehr weiß André Stößlein von diesem Nachmittag Anfang November nicht mehr. Die Hilfe seines Kapitäns, die Erstversorgung des Sanitäters, alles Dinge, an die er keinerlei Erinnerung mehr hat. "Erst im Krankenhaus bin ich wieder richtig zu mir gekommen." Seine Ehefrau Isabell wurde indes per Telefon ins Krankenhaus beordert. "Es ist was passiert", war das einzige, das man ihr gesagt hatte. "Natürlich war sie völlig geschockt, kein Mensch konnte ihr was genaues sagen", weiß Stößlein heute.

    Zahlreiche Untersuchungen im Krankenhaus schlossen sich an, durch die Bank mit dem gleichen Ergebnis: alles in Ordnung. Auch ein Belastungs-EKG brachte nichts hervor, was die Mediziner als ursächlich für den Zusammenbruch benennen konnten. "Das ist wohl einfach mal passiert, vielleicht hatte ich einfach zu wenig gegessen", versucht sich der Ebelsbacher Spielertrainer an einer eigenen Erklärung, die aber auch eher aus Fragezeichen besteht.

    "Es ist alles wieder tipptopp."
    André Stößlein, Spielertrainer SV Ebelsbach

    Bis zu diesem Zeitpunkt war bei Stößlein gesundheitlich alles in Ordnung, zumindest in seiner eigener Wahrnehmung. Seine Ernährung hatte er bereits vor wenigen Monaten umgestellt. Fastfood war nahezu komplett von der Speisekarte gestrichen, "ich ernähre mich inzwischen gesünder als früher." Sein Körper danke ihm diese Umstellung. "Ich habe mich besser und vor allem seltener müde gefühlt."

    "Es ist auch sehr gut möglich, dass ich einfach zu viel Stress und zu wenig Schlaf hatte und dadurch zu wenig Blut in den Kopf gepumpt wurde", zitiert er eine weitere Vermutung der Ärzte, das Geschehene zu erklären. Wichtiger als die konkrete Ursache für den plötzlichen Schwächeanfall zu kennen, ist ihm und natürlich seiner Frau aber auf jeden Fall, dass es ihm nun "wieder gut" gehe. Sämtliche Werte seien in Ordnung. "Es ist alles wieder tipp-topp."

    Öfter mal runterfahren

    Ein Außenbandriss im Knöchel und im Knie waren in der Karriere Stößleins bis zum Zusammenbruch Anfang November die einzigen Verletzungen, die er bei seinen Stationen in Obertheres, Königsberg, Knetzgau, Burgpreppach, Krum und eben aktuell Ebelsbach erlitten hatte. Ansonsten hatte sein Körper immer mitgespielt. Umso überraschender kam dieser Vorfall.

    André Stößlein hat sich fest vorgenommen, in Zukunft öfter mal "runterzufahren, abzuschalten und vielleicht noch häufiger Spazieren zu gehen", um den täglichen Stress abzubauen. "Aber das ist mit Schichtarbeit und zwei Kindern manchmal schwierig", weiß der 33-Jährige, dass das Leben manchmal andere Pläne hat. Seine Ruhepausen will er sich aber gönnen.

    Fußball als Ausgleich

    Auf den Fußball wird er allerdings nicht verzichten. "Ich brauche den Sport als Ausgleich, auch um den Kopf frei zu bekommen", ist er sicher, im Fußball einen Gegenpol zum Alltagsstress zu haben. "Meine Frau sieht das genauso, sie kennt mich ja auch nur als Sportler." Das letzte Spiel seines SV Ebelsbach vor der Winterpause, am Sonntag in Sennfeld, wird er allerdings bestenfalls von der Seitenlinie beobachten. Selbst aktiv einzugreifen, traut er sich derzeit dann doch nicht.

    Das Derby in Eltmann wurde übrigens nach einer längeren Unterbrechung fortgesetzt, nachdem sich die Gäste mehrere Minuten beraten und letztlich entschieden hatten, weiter zu spielen. Ebelsbach unterlag am Ende mit 0:2.

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!