• aktualisiert:

    Eishockey

    Drei Punkte kosten 30 Jahre

    Das vorzeitige Aus für Haßfurts Max Hildenbrand (links): Nach diesem Schlag auf den Kopf von Ambergs Andreas Hampl erhie... Foto: Ralf Naumann

    ESC Haßfurt – ERSC Amberg 8:6 (2:3, 2:2, 4:1)

    War das der erhoffte und auch dringend notwendige Befreiungsschlag? Nach zuvor vier sieglosen Partien erkämpften sich die „Hawks“ jedenfalls wieder einmal alle drei Punkte. Doch der 8:6-Erfolg gegen den ERSC Amberg war letztlich nichts für Zuschauer mit schwachen Nerven, schließlich lagen die Kreisstädter eine Viertelstunde vor der Schlusssirene noch mit 4:6 im Hintertreffen.

    Selbst Martin Reichert war deshalb die große Erleichterung anzumerken. „Ich altere in letzter Zeit gefühlt um 30 Jahre in jedem Spiel“, schnaufte der ESC-Trainer nicht nur einmal kräftig durch, nachdem er „ein irres Spiel“ gesehen hatte.

    Mit „irre“ ist das Kellerduell, bei dem die „Hawks“ die rote Laterne den Oberpfälzer gleich mit auf den Weg gaben, aber nur teilweise beschrieben. Auch die Begriffe „dramatisch“, „emotional“ und „übertrieben hart“ sind durchaus angebracht. Von Beginn an sahen die diesmal nur 331 Zuschauer, darunter etwa 40 Schlachtenbummler aus Amberg, eine „Hin- und Her“-Partie par excellence. Bereits mit dem ersten Angriff schoss Michael Breyer die Hausherren nach toller Vorarbeit des an diesem Abend überragenden Michal Babkovic bereits nach 13 Sekunden in Führung (1.). Doch wer gedacht hatte, dass dies der Anfang eines Kantersieges ist, sah sich getäuscht. Vielmehr kamen die „Wild Lions“ immer besser ins Spiel und entschieden den ersten Abschnitt sogar mit 3:2 für sich (Haßfurts Max Hildenbrand war zum zwischenzeitlichen 2:1 erfolgreich, 16.).

    Zu Beginn des Mitteldrittels fehlten den „Hawks“ dann plötzlich zwei Spieler: Sowohl Marco Hildenbrand als auch der gerade erst wiedergenesene Jan Trübenekr konnten verletzungsbedingt nicht mehr weitermachen. Der junge Tscheche musste nach einem Zusammenstoß mit einem Gegenspieler zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht werden. Die erste Diagnose: starke Schulterprellung.

    Währenddessen ging der offene Schlagabtausch weiter – nun aber wesentlich ruppiger. Vor allem die Mannschaft von Gästetrainer Dirk Salinger versuchte mit vielen Nickligkeiten, den Haßfurtern den Schneid abzukaufen. Schiedsrichter Roland Wittmann schickte alleine zwischen der 33. und 40. Minute sechs Amberger auf die Strafbank. Haßfurts Max Hildenbrand hatte aber wohl genug von den versteckten Fouls der Gäste  und „revanchierte“ sich mit einem Schlag auf den Helm von ERSC-Verteidiger Andreas Hampl. Somit war für den 25-Jährigen die Partie vorzeitig beendet, denn er erhielt eine Matchstrafe.

    „Die Unparteiischen hätten viel früher durchgreifen müssen“, bemängelte Reichert die seiner Meinung nach zu laschen Entscheidungen, die seiner Meinung nach auch zu Hildenbrands Überreaktion führten. „Da waren Fouls dabei, die gezielt auf den Mann gingen.“

    Da beide Mannschaften indes noch zwei Mal ins Schwarze trafen (Doppeltorschütze für Haßfurt war Michal Babkovic, 28./39.), lagen die „Hawks“ immer noch mit einem Tor im Hintertreffen. Als Simon Bogner kurz nach Beginn der letzten 20 Minuten auf 6:4 für die „Wild Lions“ erhöhte (43.), nahm die fünfte ESC-Niederlage in Folge konkrete Formen an.

    Ein Resignieren kam allerdings bei den Haßfurtern nicht infrage. Ganz im Gegenteil: der Siegeswille wurde immer mehr sichtbar – erst recht, als Ambergs Christoph Schönberger einen Kniecheck gegen Babkovic ebenso mit dem vorzeitigen „Duschen“ bezahlen musste.

    Lediglich 93 Sekunden dauerte es, bis die „Hawks“ durch den ebenso fulminant agierenden Daniel Hora, Michael Breyer und erneut Michal Babkovic plötzlich mit 7:6 vorne lagen (47./49./49.). Das Stadion glich nun einem Tollhaus. Mit Mann und Maus sowie mit letzter Kraft mussten die Haßfurter dann den knappen Vorsprung verteidigen. Obwohl Babkovic 48 Sekunden vor dem Abpfiff nochmals eine Strafe kassierte, gelang den Ambergern, die längst ihren Torhüter vor Feld genommen und somit mit doppelter Überzahl spielen konnten, nicht mehr der erhoffte Ausgleich. Im Gegenteil: der noch angeschlagene Jakub Sramek, dessen Grippenachwehen nicht zu übersehen waren, bekam nochmals die Scheibe und erzielte schließlich per „Emtpy-net“ das erlösende 8:6.

    Klar, dass die Freude über den Sieg „sehr groß“ war. „Ich freue mich vor allem für die Mannschaft“, sagte Martin Reichert. Der Haßfurter Trainer warnte vor zu großem Optimismus in den nächsten Wochen: „Ob das heute der Wendepunkt war, kann ich nicht sagen. Jedes weitere Spiel wir wohl genauso und nichts für schwache Nerven.“

    Statistik des Spiels

    ESC Haßfurt: Tscherepanow, Dietz – Hora, Thebus, Stahl, Max Hildenbrand, Marco Hildenbrand, Marx, Bates – Kurz, Kinereisch, Trübenekr, Babkovic, Franek, Sramek, Dietrich, Stach, Breyer. Schiedsrichter: Wittmann / Graf, Ott. Zuschauer: 331 (40 aus Amberg). Tore für Haßfurt: 1:0 (1.) Breyer (Babkovic), 2:1 (16.) Max Hildenbrand (Hora, Sramek), 3:3 (28.) Babkovic (Franek), 4:4 (39.) Babkovic (Sramek, Hora) 4-4, 5:6 (48.) Hora 5-4, 6:6 (50.) Breyer (Hora, Thebus), 7:6 (50.) Babkovic, 8:6 (60.) Sramek, Empty-Net. Strafzeiten: Haßfurt 15 plus Matchstrafe gegen Max Hildenbrand / Amberg 25 plus Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Christoph Schönberger.

    Ralf Naumann

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!