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    Hofheim

    Wie ein Problem zum Erfolgsmodell wurde

    Beim SV Hofheim wechseln sich die Torhüter Tobias Hau und Michael Först regelmäßig ab. Mit nur 13 Gegentoren hat der HSV die beste Defensive der Kreisliga Schweinfurt 2.
    Mit zwei Torhütern die perfekte Lösung gefunden: Hofheims Spielertrainer Daniel Beyer hat aus der Not eine Tugend gemacht.
    Mit zwei Torhütern die perfekte Lösung gefunden: Hofheims Spielertrainer Daniel Beyer hat aus der Not eine Tugend gemacht. Foto: Brigitte Schubart

    Eigentlich war für Sonntag ein nicht ganz uninteressantes Spiel in der Fußball-Kreisliga Schweinfurt 2 angesetzt: SG Sennfeld (13. Platz/8 Punkte) gegen den SV Hofheim (4./31). Interessant deshalb, weil eine der schwächsten Abwehrmannschaften (Sennfeld, 43 Gegentore in 15 Spielen) auf die beste Defensiv-Elf (Hofheim, 13 Gegentore in 15 Spielen) getroffen wäre. Mittlerweile ist das Spiel verlegt auf Donnerstag, 9. April (18 Uhr). Dennoch nehmen wir uns die Zeit, die Abwehr beider Mannschaften und insbesondere die Torhüter unter die Lupe zu nehmen.

    Fünf Keeper in Sennfeld

    Auffällig bei der SG Sennfeld ist die hohe Fluktuation auf der Torhüterposition: bereits nach vier Saisonspielen waren vier verschiedene Torhüter aufgeboten worden. Den Beginn machte Jonas Klopf, der in der Auftaktpartie in Hofheim das Tor hütete. Dreimal musste er hinter sich greifen, die eigenen Stürmer blieben erfolglos. In diesem Spiel verletzte sich Klopf so schwer, dass er monatelang pausieren und sich über die zweite in die erste Mannschaft zurückspielen musste. Spieltag zwei, beim 3:2 gegen Oberschwappach, stand der reaktivierte Bastian Brandt im Tor. "Den hab ich, als ich Grundschüler war, in Sennfeld spielen sehen", sagt Klopf. Es bleibt bei diesem einen Einsatz Brandts, am dritten Spieltag (0:1-Niederlage in Ebelsbach) wurde Fabian van Gelder zwischen die Pfosten beordert. Das vierte Spiel brachte den vierten Torhüter ins Spiel: Michael Hazelton beim 1:1 gegen Königsberg. Später kam in Yllzon Shala sogar Torwart Nummer fünf dazu, nachdem die UEFA den Albaner für den Spielbetrieb freigegeben hatte.

    Wechselt sich regelmäßig mit 'Konkurrent' Michael Först im Hofheimer Tor ab: Tobias Hau.
    Wechselt sich regelmäßig mit "Konkurrent" Michael Först im Hofheimer Tor ab: Tobias Hau. Foto: Alexander Bergmann

    Jetzt aber die 43 Gegentore allein den Sennfelder Torhütern in die Schuhe zu schieben, wäre definitiv falsch. "Wir sind in solchen Spielen immer die armen Schweine", sagt Klopf, und: "Uns fehlt einfach die Konstanz in allen Mannschaftsteilen." Damit bestätigt er die Worte seines Trainers Elio Trasente, der eben diese fehlende Konstanz schon mehrfach beklagt hatte. Da sagen Spieler auch schon mal am Morgen der Partie ab, oder sie fehlen ganz wegen Schichtdienst, Krankheit, Verletzung oder aus privaten Gründen. "Mittlerweile sehen wir aber dort eine Verbesserung," sagt er. "Wir haben viele Gespräche geführt, und die Spielweise zeigt eine deutliche Aufwärtstendenz." So ist Trasente guten Mutes, "dass wir aus der Abstiegszone rauskommen".

    Und das auch mit einem Jonas Klopf, der wieder das Tor der ersten Mannschaft hütet und sich im sportlichen Konkurrenzkampf zu Hazelton und Shala sieht.

    "Natürlich will jeder von uns spielen, will jeder der bessere sein."
    Tobias Hau, Torhüter SV Hofheim

    Auf der anderen Seite sieht sich Daniel Beyer schon fast einem Luxusproblem ausgesetzt. Mit Tim Wagner bildet er das spielende Trainer-Duo beim SV Hofheim, "und wir haben in Tobias Hau und Michael Först zwei sehr gute Torhüter für die erste Mannschaft." Um ein bisschen Öl in das Feuer des Konkurrenzkampfes zu schütten und von beiden guten Torhüter zu profitieren, entwickelten die Trainer eine genial einfache Struktur: jeder Keeper bestreitet zwei Spiele nacheinander, dann ist der andere dran.

    Viererkette als Bollwerk

    Im November wurde dieses System allerdings ein wenig gesprengt, wegen Spielpausen und –ausfällen standen Hau und Först nur je einmal im Tor. "Das klappt eigentlich ganz gut", sagt Tobias Hau, der trotz aller Freundschaft zu Först auch gern mal den Konkurrenzkampf annimmt. "Natürlich will jeder von uns spielen, will jeder der bessere sein", sagt er. Wobei sich beide Torhüter mit der Regelung der Trainer einverstanden erklären. "Wir nehmen uns das Recht raus, einen der beiden auch mal aus Leistungsgründen nicht aufzustellen", so Daniel Beyer.

    Das zweite Gesicht der HSV-Keeper: Michael Först.
    Das zweite Gesicht der HSV-Keeper: Michael Först. Foto: Alexander Bergmann

    Jetzt stehen in Hofheim nicht nur zwei sehr gute Torhüter auf dem Platz, sondern sie profitieren auch von der sehr starken Defensivreihe vor ihnen. "Nach der Auftaktpartie gegen Sennfeld haben die Trainer auf die Viererkette zurückgestellt, seitdem ist die Defensive unser Prunkstück", sagt Hau, "wir können uns darauf verlassen, dass vorne immer jemand ein Tor schießt, weil hinten die Abwehr die Null hält", lobt Hau die Qualität der Offensive.

    Und damit indirekt auch seine Spielertrainer Daniel Beyer (10 Tore) und Tim Wagner (7 ), die für die Hälfte aller Hofheimer Tore (35) zuständig waren. Trotz Tabellenplatz vier sehen aber weder die Trainer noch Tobias Hau irgendwelche Ambitionen auf die Meisterschaft. "Wir wollen so lange oben mitspielen, wie es geht", sagen Beyer und Hau unabhängig voneinander.

    Jetzt genießen die Sennfelder und Hofheimer erstmal die verdiente Winterpause, ehe es im März hoffentlich mit dem Spielbetrieb erneut startet.

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