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    Handball

    Handball: Die Basis hat Probleme

    Profitiert zumindest kurzfristig von den mangelnden Ambitionen der Vereine im Bezirk: Bastian Schneider vom TV Königsberg spielt trotz des letzten Tabellenplatzes auch in der kommenden Saison in der Bezirksliga. Foto: Gerold Snater

    Wer Wettkampfsport betreibt, strebt nach Erfolg. Nach Toren, Punkten, Siegen, Meisterschaften und nicht zuletzt Aufstiegen. Das zumindest ist der Ur-Gedanke des Sports, quasi die Basis aller sportlich motivierten, körperlichen Anstrengungen. Bei den unterfränkischen Handballern scheint allerdings das "bloß nicht verlieren" die Oberhand gewonnen zu haben - zumindest in den unteren Klassen. Ein Aufstieg wird hier oftmals abgelehnt. Die Handballer wollen nicht in der nächst höheren Liga ständig was auf die Mütze zu bekommen.

    Und das wiederum stellt den Verband auf Bezirksebene schon seit einigen Jahren vor ein strukturelles Problem. Gerd Schäfer, stellvertretender Bezirksvorsitzender aus Hammelburg, beklagt, dass Unterfranken die Bezirksligen "schon seit Jahren nicht mehr voll bekommt, weil viele sportlich qualifizierten Mannschaften nicht mehr aufsteigen wollen. Sie haben keine Lust, eine Liga weiter oben als Kanonenfutter zu dienen".

    Abstieg ausgeschlossen

    Vorgesehen sind in der Nord- und Südstaffel eigentlich je zehn Mannschaften, doch fanden sich zuletzt nur noch neun Teams pro Staffel. In der Nordgruppe kam zudem in der abgelaufenen Saison noch der Rückzug des HC Unterfranken hinzu, so dass letztlich nur noch acht Mannschaften übrig blieben. Konsequenz: es gibt in beiden Staffeln keinen Absteiger.

    Gerd Schäfer, stellvertretender Bezirksvorsitzender Foto: Bayerischer Handball-Verband

    Im Norden hätte es eigentlich den TV Königsberg erwischt, im Süden die zweite Mannschaft des TV Marktsteft. Beide Teams profitieren nun aber von der Lustlosigkeit der Bezirksklassen-Vereine, ihr Aufstiegsrecht wahrzunehmen und freuen sich trotz je nur eines Sieges in der abgelaufenen Saison und dem letzten Tabellenplatz über ein weiteres Jahr der Bezirksliga-Zugehörigkeit.

    Aus zwei mach eins

    Im Bezirk macht man sich deshalb schon seit Jahren Gedanken, wie dieses Problem angegangen und beseitigt werden kann. Die Funktionäre kamen nun zu einer recht hart anmutenden Entscheidung: Ab der Saison 2020/21 werden die beiden Bezirksligen Nord und Süd in einer Staffel zusammengefasst. Das bedeutet allerdings auch, dass in der kommenden Saison 2019/20 ein verschärfter Abstieg stattfindet, denn die dann neue, eingleisige Bezirksliga soll mit nur zwölf Vereinen an den Start gehen. Für je drei Vereine aus dem Norden und dem Süden heißt es dann im Frühjahr 2019: Abstieg in die jeweilige Bezirksklasse.

    Und auch auf dieser Ebene rafft der Bezirk die Ligen zusammen. Statt der aktuell drei Bezirksklassen wird es dann aller Voraussicht nach nur noch deren zwei geben.

    Der Hauptgrund für die Ligenreduzierung ist der allgemeine Schwund an Vereinen. Noch in der Saison 2012/13 waren auf unterfränkischer Bezirksebene 55 Herren-Mannschaften aktiv, zuletzt waren es nur noch 50. Bei den Frauen reduzierte sich die Anzahl der Teams im gleichen Zeitraum von 43 auf 34.

    Wenige Mannschaften - dieses Problem hat der Bezirksverband aber auch schon seit Jahren im Nachwuchsbdreich und deshalb bei den männlichen und weiblichen Jugendaltersklassen A, B und C bezirksübergreifende Ligen eingeführt. Diese Zusammenlegung ist grundsätzlich mit allen Nachbarbezirken möglich. Für Unterfranken bedeutet das, dass es Kombinationen mit Oberfranken oder Mittelfranken gibt. Denkbar wäre auch noch Ostbayern.

    Der Boom blieb aus

    Dabei hatten sich die Handball-Funktionäre von der im Januar ausgetragenen Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark einen Boom erhofft. Doch Handball hat als Breitensport offensichtlich viel an Attraktivität eingebüßt, der erwartete Mitgliederzuwachs ist ausgeblieben. In Unterfranken konnte lediglich der HSV Bergtheim die Gunst der Stunde nutzen und seine Mitgliederzahl aufstocken.

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